float Magazine

Tutima bei der MaiOR 2019 © Felix Diemer
Tutima Sailing Team

Tutima goes Fastnet

Gestern kam die Zusage: Tutima wird als erstes deutsches Frauenteam am Fastnet Race teilnehmen.

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Tutima ist die einzige deutsche Frauencrew, die Offshore-Regatten segelt, und das schon seit 10 Jahren. Die Tutimas segeln bei hochkarätigen Events mit und erzielen gute Ergebnisse. Besonders stolz waren die Pink Ladies auf den vierten Platz bei der EM 2017 in Danzig. Gleichzeitig wurden sie Vize-Europameisterinnen in der Corinthian-Wertung. Und bei der Kieler Woche haben sie im letzten Jahr den zweiten Platz belegt. Jetzt wollen sie also die nächste Herausforderung meistern: das Fastnet-Race.

Fastnet
Die berühmte Wendemarke, der Fastnet Rock © Carlo Borlenghi/Rolex

Kirsten Harmstorf-Schönwitz alias „Kirsche“ ist als Skipperin der Tutima-Frauencrew von Anfang an dabei. Wir haben mit ihr über die Teilnahme am diesjährigen Fastnet-Race gesprochen.

float: Herzlichen Glückwunsch, Kirsten! Tutima hat gestern die Zusage für den Startplatz beim Fastnet Race bekommen. Da habt ihr euch ja richtig was vorgenommen.

Kirsten Harmstorf-Schönwitz: Allerdings! – Das Fastnet ist das absolute Highlight unserer Regatta-Saison. Es ist eine ganz große Herausforderung für uns, denn es ist ja unser erstes Mal.

Wieso Fastnet?

Wir sind letztes Jahr zum ersten Mal bei der Cowes Week mitgesegelt und fanden das wahnsinnig aufregend. Das Segeln im Solent ist echt für Fortgeschrittene, so viel Adrenalin hatte ich bisher selten beim Segeln. Die extreme Strömung, viele Untiefen und etwa 1.000 teilnehmende Boote haben uns oft die Schweißperlen auf die Stirn getrieben.

Cowes Week
Tutima auf der Cowes Week © Paul Wyeth

Eine extreme Herausforderung auch für die Navigatorin und Taktikerin. Spannend war, dass wir weder unsere Gegner noch sonst jemanden kannten, und auch uns kannte man nicht. Das hat sich jedoch in rasanter Geschwindigkeit geändert, und wir haben viele Fans dazugewonnen.

Und mit dem Startplatz seid ihr jetzt fest dabei?

Noch nicht ganz. Der Startplatz bedeutet noch nicht, dass wir hundertprozentig starten dürfen. Denn 50% der Crew müssen zusammen in den letzten zwölf Monaten 300 Meilen Regatta gesegelt sein, inklusive eines Nachtrennens. Wir machen deshalb unser Qualifikations-Rennen beim Bornholm Rund im Juli. Das hat uns die Rennleitung des Royal Ocean Racing Clubs so genehmigt.

Was ist beim Fastnet neu für euch?

So lange Offshore-Rennen sind wir noch nie gesegelt. Die Irische See ist für uns alle neu. Wir wollen beim Start gut durchkommen. Das ist die größte Herausforderung, haben alle gesagt, die schon mal mitgemacht haben. Das Startfeld ist mit mehr als 300 Booten sehr eng.

Für uns geht die Sicherheit absolut vor. Wir wollen da vor allem heile durchkommen. Neu ist auch, dass wir eine so lange Langstrecke mit mehr als 600 Seemeilen Distanz segeln. Bisher war für unser Team das längste Rennen Gotland Rund mit rund 350 Seemeilen. Wobei das schon einige Jahre her ist und die Neuzugänge natürlich nicht dabei waren. Nur Kristin, die Großtrimmerin, ist schon mal ein Fastnet mitgesegelt.

Fastnet
Start beim Fastnet 2017 © Carlo Borlenghi/Rolex

Wie seid ihr denn dieses Jahr aufgestellt?

Wir haben erfreulicherweise neue ambitionierte Mädels dazugewonnen. Aber von den alten Hasen, die  langstreckenerprobt waren, sind nicht mehr viele dabei. Die eine oder andere ist zwar schon mal Sprintdistanzen gesegelt (ca. 120 sm), mehr aber nicht. Nachtsegeln haben alle schon gemacht, aber mehrere Tage hintereinander noch nicht.

Ansonsten sind die erfahrenen „alten“ Tutima-Hasen dabei: Laila Engler (Navigatorin), Stephanie Kühn (Co-Navigatorin), Kristin Lehmkuhl (Großtrimm), Svenja Carlsen (Spitrimm), Jasmin Rapprich (Pit) und natürlich ich als Skipperin (lacht).

Habt ihr speziell Seglerinnen für Offshore gesucht?

Gute und erfahrene Offshore-Seglerinnen zu finden, ist extrem schwer. Es gibt leider nicht so viele. Sie müssen ja auch ins Team passen. Nur so funktioniert unser Tutima-Projekt. Und bei allem darfst du ja nicht vergessen, dass wir Freizeitseglerinnen sind. Wir gehen jeden Tag arbeiten und haben genug Alltagsstress um die Ohren. Trotzdem sind wir sehr ehrgeizig und wollen gute Ergebnisse erzielen, auch für unseren Sponsor Tutima Glashütte. Aber wir wollen dabei auch nicht den Spaß aus den Augen verlieren.

Wie habt ihr euch bisher vorbereitet?

Da wir bestmöglich vorbereitet sein wollen, konzentrieren wir uns in dieser Saison beim Training und bei der Auswahl der Regatten vor allem aufs Offshore-Segeln. Wir sind dennoch die MaiOR gesegelt und werden natürlich auch bei der Kieler Woche dabei sein, die Tutima als offizieller Zeitnehmer schon seit 2005 unterstützt. Anfang Juli werden wir dann Rund Bornholm im Rahmen der Warnemünder Woche mitsegeln. Danach überführen wir mit reduzierter Crew das Boot nach Cowes.

Wie trainiert ihr?

Wir haben Ende Mai ein 20-stündiges Langstreckentraining mit der Crew gemacht, bei dem wir Non-Stop auf der Ostsee unterwegs waren und dabei alles mögliche besprochen und ausgetestet haben: Person-über-Bord-Manöver, Wachsystem, Notpinne, Sturmsegel, Freeze-Dry-Nahrung, Positionswechsel und Manöver mit halber Crew etc.

Tutima
© Tutima
Tutima
Kostprobe der Freeze Dry Nahrung © Tutima

Sämtliche Positionen an Bord werden auf die Crew verteilt, und jede bekommt einen Verantwortungsbereich. Ansonsten saugen wir sämtliche Informationen auf, die wir kriegen können. Wir holen uns Tipps von Offshore-Seglern, sprechen mit Locals und studieren die Sicherheitsvorschriften.

Fast die komplette Crew wird bis zum Fastnet das ISAF-Sicherheitstraining absolviert haben. Wir haben bereits einen Workshop organisiert, bei dem uns ein erfahrener Offshore-Segler sehr wertvolle Tipps zur bestmöglichen Vorbereitung gegeben hat. Und natürlich auch zum Leben an Bord während der Regatta. Wir haben das richtige Wachsystem beim Training herausgefunden: 4 x Dreier-Teams plus Navigatorin (wachfrei). Jedes Dreier-Team ist vier Stunden on und vier Stunden off. Alle zwei Stunden wechselt ein Dreier-Team durch, sodass immer sechs Mädels gleichzeitig an Deck sind.

Tutima
Beim 20-stündigen Langstreckentraining im Mai © Tutima

Und wie finanziert ihr das Fastnet?

Tutima unterstützt uns wie immer auch bei diesem Projekt enorm. Aber wir steuern auch aus eigenen Bordmitteln einiges dazu bei, um die Teilnahme möglich zu machen. So überführen wir zum Beispiel das Schiff selber nach England und auch wieder zurück und zahlen die Anreise und Verpflegung selber.

Was ist euch am wichtigsten bei Tutima?

Am wichtigesten ist der Teamzusammenhalt und mit extrem viel Spaß Erfolg zu haben. Ich glaube, das ist einzigartig, wie das bei uns läuft. Wir können uns aufeinander verlassen und genießen die gemeinsame Zeit miteinander! Unser Tutima-Projekt feiert in diesem Jahr immerhin schon 10jähriges Jubiläum. Für ein voll gesponsortes Projekt ist das äußerst selten. Und dann auch noch als reines Frauenteam. Für uns ist das Normalität.

So sollte es sein. Wir bedanken uns für das Gespräch, Kirsten, und wünschen euch Fair Winds fürs Fastnet Race!

Vielen Dank an Felix Diemer für die tollen Fotos.

Das Fastnet Race

Am 3. August startet, wie jedes ungerade Jahr im Sommer, im Süden Englands das Fastnet Race. Es findet seit 1925 am Ende der Cowes Week statt. Bis 1999 war das Fastnet-Rennen die Abschlussregatta des Admiral’s Cups. Die Regatta über 608 Seemeilen startet im Solent vor Cowes, rundet Land’s End und umrundet den Fastnet Rock vor der Südwestküste Irlands. Sie rundet auf dem Rückweg die Scilly-Inseln und endet in Plymouth.

Das Rennen geht über mehrere Tage und ist für Flauten und extreme Wetterlagen berüchtigt. Seit 2001 trägt die Regatta, nach dem Hauptsponsor, den Namen Rolex Fastnet Race. Das Rennen wird vom Royal Ocean Racing Club (RORC) und der Royal Yacht Squadron ausgerichtet.

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