float Magazine

Ümit Uzun, Charterbar Yachting © Charterbar
Porträt Charterbar Yachting

Ümit und die Magie des Meeres

Vom Gastarbeiterkind zum Charteragenten: Ümit Uzun erzählt, wie er zum Wassersport kam und was das mit seinem Vater zu tun hat.

Roland Wildberg
von in
3 Minuten

Als ihn Freunde zum Mitsegeln einluden, quälte Ümit Uzun eine Sorge: Würde er sich zu Tode langweilen? Seit Jahren war der Aussteiger, der in Südafrika gelebt hatte, begeisterter Surfer – „ich bin damit aufgewachsen, es ist meine große Leidenschaft.“ Da war es kein Wunder, dass die Vorstellung an einen Bootsausflug unter Segeln ihm unendlich dröge vorkam. „Ich war ja einer, der auf Action stand.“

Die Realität sah dann so ähnlich aus: „Am dritten Tag bin ich an Deck eingeschlafen“, erinnert sich der gebürtige Franke mit spöttischem Grinsen – und das gab den Wendepunkt: „Als ich aufwachte, merkte ich, wie tiefenentspannt ich war.“ Ümit Uzun, der jahrelang für alles zu haben war, was rasant, wild und gefährlich ist, hatte die Sanftheit des Segelns entdeckt. Und fasste alsbald den Plan, darauf seine berufliche Existenz aufzubauen.

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Segeln entspannt, hat Ümit Uzun gelernt © Marcel Gollin

Als Gastarbeiter in Deutschland

Angefangen hatte alles rund 40 Jahre zuvor in der Türkei: Als Ümits Vater Recep Uzun wie Tausende andere Landsmänner seine Familie zurückließ, um im fernen Deutschland sein Glück zu machen. Er fand nicht nur Arbeit, sondern auch ein Heim und Freunde: Im fränkischen Karlstadt lernte er das Ehepaar Pabst kennen. So fing alles an: Denn Johnny Pabst „hat meinen Vater mit dem Windsurfen angesteckt“, erinnert sich sein Sohn heute.

In den 1970er-Jahren war der Gastarbeiter einer der ersten, der im Heimaturlaub mit einem Surfbrett an der Küste des Marmara-Meers – unweit seiner Vaterstadt Bursa – über die Wellen ritt. Und 1976 seinen deutschen Freunden das Revier zeigte, die mit dem Wohnwagen die 2.000 Kilometer nach Kleinasien bewältigt hatten.

Aufgewachsen mit vier Eltern

Als ein Jahr später Uzuns Aufenthaltsgenehmigung ablief, bewährte sich die Freundschaft: Mit Hilfe von Johnny Pabst fand er eine Stelle im Ruhrgebiet – nur sieben Tage vor Fristende! Und die gute Seemannschaft an Land ging weiter: Während das Einwanderer-Paar in Dortmund arbeitete, beherbergte das kinderlose Ehepaar aus Franken ihre schulpflichtige Tochter und brachte ihr Deutsch bei, so dass die Kleine innerhalb von nur sechs Monaten die völlig fremde Sprache erlernte.

Uzun hatte zunächst vor, nur ein Jahr in Dortmund zu bleiben, bis eine neue Stelle in Karlstadt gefunden würde. Daraus wurden acht Jahre. In dieser Zeit wuchs die Tochter heran, und der Sohn Ümit wurde geboren. Er wuchs mit vier Eltern auf. „Oft werde ich gefragt, wie wir uns so gut integriert haben. Die Antwort ist Freundschaft!“ Sie brachte frischen Wind in das Leben der Pabsts und der Uzuns, und das nicht nur durch das Windsurfing…

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Als er ausstieg, war der Vater fassungslos, erinnert sich Ümit Uzun © Charterbar

Aussteiger auf eigenen Beinen

So eine Freundschaft verbindet – auch in den Momenten von Flaute oder Sturm. Als Ümit seinen Job als Bankangestellter hinwarf, um auszusteigen, entschied er sich gegen den Willen seiner Eltern. „Das war ganz schlimm“, reflektiert er den Moment, als sein enttäuschter Vater das Telefonat abrupt beendete, indem er auflegte. Das Kind wirft eine gesicherte Zukunft hin für ein ungewisses Morgen; der Albtraum aller Eltern.

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Ümit findet sich beim Windsurfen © Charterbar
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... während seiner Zeit in Südafrika © Charterbar

Doch nur wer weggeht, kann wiederkehren. „Ich bin nach Südafrika gegangen und habe gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen.“ Und hier erlebte Ümit den Moment der totalen Entspannung beim Windsurfen und Wellenreiten. Das ließ ihn nicht mehr los. Und nach seiner Rückkehr nach Europa war ihm klar, dass diese Faszination Teil seines Lebens werden sollte, werden musste. Nachdem er einige Jahre Erfahrung im Tourismus gesammelt hatte, gründete er 2016 seine eigene Agentur Charterbar Yachting.

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Vater und Sohn vereint auf dem Meer © Charterbar

Segeltörn mit dem Vater

„Das Segel steht am Mast, der Motor ist aus, es geht los – das ist ein ganz besonderer Moment.“ Vergangenes Jahr hat er seinen Vater mitgenommen. Auf einen Malediven-Törn. Um ihm diese – seine – Geschichte zu vermitteln, diese Momente zu zeigen, und für die wichtigste Nachricht: Du brauchst Dir keine Sorgen mehr zu machen. Ich habe meinen Platz gefunden.

Das Meer ist für mich magisch, schon seit meiner Kindheit.

Das Meer, mein Vater und ich. Jedes Unternehmen hat seine Geschichte...

Diese Magie will Ümit anderen näher bringen – mit seiner Dienstleistung ebenso wie mit Blogbeiträgen, Video-Tutorials und Podcasts zum Segeln und zu den Revieren.

Als float-Partner stellt Ümit Uzun in diesem Jahr in loser Folge die schönsten Charter-Reviere auf float vor. Auf der boot Düsseldorf hat Charterbar Yachting seinen Stand in Halle 13, D33.

Trefft uns bei Charterbar Yachting am Dienstag, den 21. Januar, beim „Meet the float-Team“ von 15 bis 17 Uhr. Wir freuen uns auf euch.

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