float Magazine

Familie Gerlach auf ihrer Panta Rhei © privat Familie Gerlach auf ihrer Panta Rhei © privat
Reportage

Unterwegs mit sechs Kindern

float-Medienpreis für den Törn der Großfamilie Gerlach – Teil 2

float Redaktion
von in
6 Minuten

Der Urlaubstörn der Familie Gerlach durch die Dänische Südsee ist ausgezeichnet – mit float-Medienpreis, der an vier Crews beim Fahrtenseglertag 2018 der Kreuzer Abteilung im Deutschen Segler-Verband erstmals vergeben wurde. Wir starten unsere Serie über Fahrtensegeltörns mit dem Bericht aus der Sicht von Tanja Gerlach in der Kategorie See/Familie – hier der zweite Teil.

Was bisher geschah (lesen Sie Teil 1 hier): Familie Gerlach geht mit den sechs Kindern Justus (9), Leonard (8), Juno (6), Gregor (4), Greta (2) und Julius (1) auf Fehmarn an Bord ihrer Yacht „Panta Rhei“, einer Hanse 495 von 15,40 m Länge. Ihr Weg führt sie zunächst über Laboe und Maasholm nach Sønderborg am Ausgang der Flensburger Förde.

Familientörn

Fahrtroute der Panta Rhei durch die dänische Südsee © privat

Von Grau zu Blau

Leider ist der Liegetag in Sønderborg anfangs grau und verregnet, also: ab ins Museum! Es soll der erste von insgesamt drei Schlossbesuchen werden. Das „Sønderborg Slot“ bietet viele Einblicke in das mittelalterliche Leben. Vor allem der Kerker hat es unserem Nachwuchs angetan. Nachmittags lösen sich die Wolken auf und die Sonne kommt heraus.

Wir sehen den Wetterumschwung als Aufbruchssignal und fahren unter der gefühlt viel zu niedrigen Brücke hindurch in Richtung Dyvig Bro. Es würde – nach einhelliger Meinung sämtlicher Familienmitglieder – der schönste Hafenaufenthalt des gesamten Törns werden.

Familientörn

Voller Freude bei der Sache: Skipper Jan und Sohn Justus am Steuer © privat

Bereits die Einfahrt in den Fjord ist abenteuerlich. Während mein Mann konzentriert die schmale Rinne befährt und dabei versucht, die 2,40 m Tiefgang unseres Schiffes wegzumeditieren, guckt der Rest der Familie den Vögeln zwei Meter weiter links beim Schlickpicken zu. Als wir um die Ecke biegen, werden wir von einem winkenden Mann im Gummiboot erwartet. Hafenmeister Bent fährt den ankommenden Schiffen stets entgegen um ihnen beim Anlegen zu helfen.

Dyvig Bro hat alles für Kinder und Eltern

Der außergewöhnliche Empfang ist der Beginn von drei Tagen voller Spaß und Freude. Denn Dyvig Bro hat alles, was unsere Kinder- und Elternherzen begehren. Brötchenlieferung an Bord, eine Spiellandschaft auf dem Wasser, die wir nur mit unserem Beiboot „Spot“ erreichen können. Eine Krebsrennbahn in einem eigens dafür erbauten Becken. Das Hotel Dyvig Bro ist ein Schmuckstück dänischer Innenarchitektur und -einrichtung. Wir verbringen lustige Grillabende mit Gitarre und Gesang. Der kostenlose Transfer zum „Universe“, einem Wissenschafts- und Freizeitpark in etwa 20 Kilometer Entfernung war auch klasse.

  • FamilientörnPanoramaansicht Dyvig © L. Johans CC-BY-SA 3.0
  • FamilientörnPanoramaansicht Dyvig
  • FamilientörnPanoramaansicht Dyvig
  • FamilientörnPanoramaansicht Dyvig
  • FamilientörnDer Naturhafen von Dyvig mit Hotel Dyvig Bro

Dort klettern die Größeren inklusive Papa in 25 Metern Höhe durch einen Kletterwald, während Julius und ich bei der Elektro-Autobahn standen, um Gregor und Greta bei ihren ersten Fahrversuchen zuzugucken. Wir probierten Sedgeways und Minibagger aus, setzten Virtual Reality-Brillen auf und laufen durch die Projektion der Schweizer Alpen. Bei unserer Rückkehr in den Hafen sehen wir auf der anderen Seite unseres Stegs eine 57-Fuß-Najad liegen – unsere neuen dänischen Freunde waren uns spontan gefolgt.

Besuch an Bord von Opa und Oma

Der nächste Hafen ist Faaborg. Oma und Opa kommen zu Besuch, füllen unseren Vorrat an Wein und Windeln auf und bleiben eine Nacht an Bord. Ein Grund mehr, Panta Rhei einer Grundreinigung zu unterziehen, sowohl außen als auch innen. An Bord muss jeder als Smutje arbeiten, auch die Kleinsten. So bekommen Julius und Greta Glasreinigungstücher, um damit die Verblendungen der Kühl- und Gefrierschränke sowie des Geschirrspülers zu putzen. Gregor liebt es, die Fenster von innen zu putzen. Juno ist für das Bunkern von Trinkwasser verantwortlich. Justus und Leo unterstützen meinen Mann bei der Deckswäsche. Schließlich müssen unsere Kinder begreifen, dass Segeln nicht nur aus coolem Aussehen und an Deck sitzen besteht.

Blitzend liegt unser Schiff im Hafen, als Oma und Opa am nächsten Morgen an den Kai fahren. Leider bringen sie nicht nur den bestellten Einkauf, sondern auch eine massive Regenfront mit. Also machen wir uns per Bus und Auto auf den Weg in ein weiteres dänisches Schloss. Spielplätze, eine große Sammlung an Oldtimern, Motorrädern und Flugzeugen sowie eine schlosseigene Vampirgruft lassen uns das schlechte Wetter schnell vergessen.

Familientörn

Greta, Juno und Gregor angeln Krebse © privat

Krebse angeln, Beiboot fahren, grillen

Am nächsten Tag segeln wir weiter nach Troense. Wir lassen Svendborg links liegen und erreichen mittags den kleinen Hafen auf der Insel Tasinge. Krebse angeln, Beiboot fahren und grillen – wir haben hier alle viel Spaß. Am nächsten Tag besuchen wir das letzte dänische Schloss auf unserer Reise. Der Fußmarsch zu Valdemars Slot ist nur knapp zwei Kilometer lang und führt an wunderschönen dänischen Häusern vorbei, deren Besitzer Marmelade und Kaffeebecher an der Haustür verkaufen.

Am übernächsten Tag starten wir um zehn Uhr bei Sonnenschein in Richtung Ærøskøbing, wo wir knapp drei Stunden später im Fischereihafen anlegen. Mit Strandmatten, Schaufeln und belegten Broten ausgerüstet, gehen wir nachmittags an den wunderschönen Strand des Ortes. Die kleinen bunten Strandhäuser, die sich entlang des Strandes aneinander reihen, lassen den Besuch wie eine typische Idylle aus einem skandinavischen Reisekatalog wirken. Auch die Innenstadt von Ærøskøbing wirkt entrückt von der hektischen Welt, die uns sonst im Alltag umgibt. Windschiefe Häuser, enge Kopfsteinpflaster-Gassen, eine Mikrobrauerei mit leckerem Pale Ale sowie ein niedliches Buddelschiff-Museum sind unsere Hauptattraktionen.

Familientörn

Leo hält ein Schiff in der Hand © privat

Gejagt von der Schlechtwetterfront

Nur noch zwei Häfen, dann nehmen wir Kurs auf Burgtiefe. Doch zunächst geht es nach Marstal. Der Schlag dorthin ist alles andere als angenehm, eine Schlechtwetterfront jagt uns. Und trotz des Beteuerns von gleich zwei Hafenmeistern ist das letzte Stück der Fahrrinne zwischen Ærøskøbing und Marstal komplett versandet. Der Tiefenmesser bimmelt warnend über mehrere hundert Meter hinweg bei einer Anzeige von 1,70 m Tiefe statt drei Metern, wurde mir unter Deck zum ersten Mal schlecht. Aber wie so oft zeigt sich unser Schiff extrem gutmütig, und bringt uns sicher in den Hafen.

Familientörn

Traditionssegler in Marstal © privat

In Marstal entdecken wir ein neues Lieblingsziel. Unser Liegeplatz im alten Hafen bietet uns die schöne Kulisse von Traditionsseglern, die vor, hinter und neben uns liegen. Der Spielplatz des Schifffahrts-Museums sowie das „Søfartsmuseum“-Museum selbst ist direkt um die Ecke, und nur ein paar hundert Meter weiter gibt es mit einem „All-you-can-eat-Barbecue“ das perfekte Abendessen. Wir gehen an beiden Abenden mit vollen Bäuchen und glücklichen Gesichtern ins Bett.

Mann drängt zum Aufbruch

Wir nehmen Kurs auf Bagenkop, unserer letzten Station. Ohne ersichtlichen Grund drängt mein Mann auf einen frühen Aufbruch gen Langeland. Nur wenige Stunden nach unserer Ankunft im Hafen zeigt ein plötzlicher Wetterumschwung, dass auf seinen Segler-Instinkt Verlass ist. Binnen weniger Minuten wechselt die Farbe des Himmels von himmelblau auf tiefschwarz, der Wind bläst mit Windstärke 10, Regen peitscht in unsere Gesichter. Schnell ziehen mein Mann, Justus und Leo ihre Regenjacken an und und helfen den ankommenden Schiffen beim Festmachen. Als die Sturmfront sich verzogen hat, sehen wir ein beeindruckendes Naturschauspiel. Das Farbspektrum am Abendhimmel erstreckt sich von orange über violett hin zu tiefblau – einmalig!

Familientörn

Farbschauspiel nach dem Sturm © privat

Die Auswirkungen des Sturms vom Vortag spüren wir noch beim morgendlichen Auslaufen. Die Wellen sind zunächst gute eineinhalb Meter hoch, und der Wind bläst mit fünf, in Böen sechs Windstärken aus Südwest. Anfangs ist das Segeln mühselig mit zwei Reffs, aber drei Stunden später ändert es sich zum Guten. Bei vier Windstärken und nur noch wenig Welle gleitet Panta Rhei mit bis zu 9,1 Knoten durch die Ostsee – was für ein schöner Abschluss! Dazu scheint die Sonne, und alle genießen den letzten Törntag an Deck. Um 14.50 Uhr legten wir in unserer Heimatbox in Burgtiefe an.

Beim Abendessen in unserem Stammrestaurant, dem Sailors Inn, waren wir uns einig: Die Route war vielleicht nicht die abenteuerlichste und der der Törn auch nicht der Weiteste gewesen. Aber es waren mit Abstand die drei schönsten Urlaubswochen, die wir als Familie mit sechs Kindern bisher erlebt haben. Kein Wunder also, dass wir in der vergangenen Woche im herbstlichen Scheeßel gemeinsam im Esszimmer über den Planungskarten hingen, um den Sommertörn für das nächste Jahr zu planen: Norwegen und Schweden, wir kommen!

Boot und Crew

Bootsname: Panta Rhei
Bootstyp: Hanse 495
Skipper: Jan Gerlach
Co-Skipperin: Tanja Gerlach
Crew: Justus, Leonard, Juno, Gregor, Greta und Julius Gerlach
Verein: Segelkameradschaft Wümme e.V.

Reiseweg

Burgtiefe, Laboe, Maasholm, Sønderborg, Dyvig Bro, Faborg, Troense, Aerosköbing, Marstal, Burgtiefe
Reisezeit: 11.07.2017 – 31.07.2017
Gesamtmeilen: 262,28 (gesegelte Strecke: 235,96, unter Motor: 26,32)
Seetage: 10, Hafentage: 10, Schwerwettertage: 2

Die Ausrüstung der „Panta Rhei“

  • Sicherheit
  • Schwimmwesten mit separatem Lifebelt für alle Kinder unter 40 kg Gewicht
  • Rettungswesten mit integriertem Lifebelt für alle Crewmitglieder über 40 kg Gewicht
  • Sicherungsleine, die beidseits von achtern am Cockpit entlang bis zum Vordeck lag
  • Rettungsinsel für 8 Personen
  • Seenot-Markierungsboje
  • Rettungssystem Rescue Sling
  • mehrere Feuerlöscher
  • Nico-Signalgeber und LED-Notfall-Fackel
  • Navigationsausrüstung
  • Planungskarten/Karten Kartenwerft, Zirkel, Kursdreieck
  • Kartenplotter Simrad an Deck und am Kartentisch
  • AIS
  • Steuerkompass
  • GPS
  • Funkgerät

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.