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Kevin Escoffier an Bord seiner jetzt havarierten IMOCA © Kevin Escoffier/PRB
Vendée Globe 2020

Vier Segler suchen Kevin Escoffier

Vendée-Globe-Dritter gibt Schiff nach Wassereinbruch auf und treibt in Rettungsinsel im Southern Ocean.

von
Kerstin Zillmer
in
3 Minuten

Am Montag, den 30. November, dem 22. Renntag der Vendée Globe, löste Kevin Escoffier, um 14.46 Uhr auf seiner IMOCA-Rennyacht den Notruf im südlichen Atlantik aus. Als er sein Boot in den für ihre Stürme bekannten Roaring Forties aufgegeben hat, befand der 40-jährige Profisegler aus Frankreich sich auf Position 40°55 Süd 9°16 Ost.

Escoffier hatte zuvor sein technisches Team in einer Nachricht informiert, dass erhebliche Wassermengen in sein Boot kommen und sofort den Notrufsender seiner Yacht ausgelöst. Er segelte etwa 840 Seemeilen südwestlich von Kapstadt und war auf Position 3, als er offenbar in seine Rettungsinsel umstieg. Die Ursache für den Wassereinbruch ist bisher nicht bekannt.

Jean Le Cam sichtet Escoffier

Die Rennleitung informierte nicht nur die Seenotrettung in Kapstadt, sondern auch den relativ nahe segelnden Konkurrenten Jean Le Cam und baten ihn – den Regeln der Vendée Globe entsprechend – Kevin Escoffier zu Hilfe zu kommen. Jean Le Cam segelt mit drei Reffs im Großsegel, um bei Wind von 20 Knoten und fünf Meter hohen Wellen gut manövrierfähig zu sein.

Jean Marie Liot
Die PRB schlug am Montag offenbar leck © Jean Marie Liot/PRB

Eine Rettung ist mehr als anspruchsvoll: Die Notfallbake (das Man-over-Board-AIS) an Kevin Escoffiers Überlebensanzug sendet auf Kurzwellenfrequenz und kann nur in einem begrenzten Gebiet empfangen werden.

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Der 61-jährige Le Cam traf gegen 16.15 Uhr an der zuletzt bekannten Position von Escoffier ein. Er konnte nach Angaben der Rennleitung schnell Sicht- und Sprechkontakt mit seinem Landsmann herstellen, der sich tatsächlich in seiner Rettungsinsel befand. Der erfahrene Skipper Le Cam, der die Vendée Globe bereits zum fünften Mal segelt, konnte Escoffier aber bei dem hohen Wellengang und Wind mit 20 bis 25 Knoten nicht zurückholen.

Drei weitere Segler helfen

Als Jean le Cam es schafft, so nahe wie möglich an die Rettungsinsel heran zu manövrieren, verliert er bei einsetzender Dunkelheit den Sichtkontakt zu Kevin Escoffier. Seitdem konnte er die Rettungsinsel mit Kevin an Bord nicht wieder lokalisieren. Er konnte weder Funkkontakt herstellen noch das Signal des AIS auffangen, dessen Reichweite durch die schwere See eingeschränkt ist.

Am frühen Abend bat die Rennleitung der Vendée Globe drei weitere Skipper, die in relativer Nähe segelten, um Mithilfe bei der Suche nach dem vermissten Skipper. Der Deutsche Boris Herrmann (Seaexplorer), der erst vor wenigen Tagen eine Reparatur im Masttopp mitten auf dem Ozean durchführte, Yannick Bestaven (Maître CoQ IV) und Sébastien Simon (Arekea Paprec) sollen Jean Le Cam dabei unterstützen, Kevin Escoffier von seiner Rettungsinsel zu bergen.

Um 21.45 Uhr erreichte Yannick Bestaven als Zweiter das Suchgebiet. Boris Herrmann sollte gegen 23 Uhr eintreffen. Bei der Positionsmeldung um 18 Uhr hatte Boris sich noch etwa 80 Seemeilen westlich der Position befunden. Sébastien Simon, der sich von Süden nähert, wird etwas später erwartet. Sie sollen – mit drei Reffs im Großsegel und dem Motor im Leerlauf – das Suchgebiet unter der Führung von Le Cam bei Dunkelheit durchkämmen.

Kevin Escoffier
Kevin Escoffier an Bord der PRB © Kevin Escoffier/PRB

Du bleibst stark, Kumpel!

Die Britin Sam Davies, die zurzeit auf Platz 12 segelt, schreibt: „Meine Gedanken sind heute Abend in dieser schwierigen Stunden bei Kevin. Du bleibst stark, Kumpel. Da Jean, Boris, Yannick und Seb bereit stehen, hoffen wir, dass diese Rettung so schnell wie möglich gelingt. Große Gedanken an Kevins Familie und Freunde zu Hause.“

Der Southern Ocean, in den die Route der Vendée Globe jetzt führt, ist berüchtigt für seine heftigen Stürme. Bei der Weltumseglung Golden Globe Race mit klassischen Langkielern – die mit IMOCA-Rennyachten nicht vergleichbar sind – waren reihenweise Boote gekentert. Einige Skipper mussten aufwändig evakuiert werden. Niemand hatte allerdings das Boot verlassen.

Bereits früher Probleme an Bord der PRB

Bereits drei Tage nach dem Start hatte Kevin Escoffier einen Wasserschaden entdeckt. Damals hatte sich eine Schlauchverbindung gelockert, und Wasser drang aus dem Foilkasten ins Innere des Schiffs. Nach der Reparatur gab es keine weiteren Vorkommnisse auf der PRB.

Das PRB-Team erklärte, dass ihr Skipper Kevin Escoffier sich noch aus der Rettungsinsel melden könne. Womit und ob er das tat, ist nicht bekannt. Verschiedene Pressemeldungen, dass die PRB sinkt oder bereits gesunken sei, wurden von offizieller Seite bisher nicht bestätigt. Im Tracker ist das Boot noch zu sehen.

Das Tageslicht am Dienstag bricht gegen 4:40 Uhr im Suchgebiet ein. Die Suche geht weiter.

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