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Volvo setzt auf Wasserstoff als Energieträger, in einiger Zukunft auch auf dem Wasser © Volvo Penta
Neue Energien

Volvo setzt auf Wasserstoff

An der flächendeckenden Einführung von Wasserstoff arbeitet Motorenbauer Volvo gemeinsam mit Ölfirmen und Lkw-Produzenten.

von
Stefan Gerhard
in
3 Minuten

Emissionsfreie wasserstoffbasierte Lastwagen und Tankstellen in großem Maßstab in Europa auf den Markt bringen – daran wollen die Lkw-Hersteller der Volvo Group, Daimler und Iveco gemeinsam mit den Ölkonzernen Shell und OMV arbeiten. Das Bekenntnis zum Wasserstoff unter dem Namen H2Accelerate könnte auch Wirkung auf die Zukunft der gewerblichen Schifffahrt haben.

Wasserstoff soll Verbrenner komplett ersetzen

Die Initiative sieht vor, firmenübergreifend und abgestimmt die Voraussetzungen zur Einführung wasserstoffbetriebener Lastwagen in Großserie zu schaffen. Diese großen Investitionen seien auch notwendig, heißt es in der am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Erklärung, um das europäische Ziel der Netto-Nullemission bis 2050 zu erreichen.

Volvo Penta
Zur ersten vollelektrischen Fähre trug Volvo Penta 2017 das Antriebsystem bei © Volvo Penta

Die Schwergewichte der Mobilitätsbranche haben sich in einer gemeinsamen Erklärung dazu verpflichtet, Wasserstoff als wesentlichen Kraftstoff für die vollständige „Dekarbonisierung“ des Lkw-Sektors nutzen zu wollen. Es geht um nicht weniger als das Ende von Diesel- und Benzinmotoren in den 2020er-Jahren.

Wasserstoffbasierte Lkw-Flotten starten regional

Im November unterzeichneten die Volvo Group und Daimler Truck eine verbindliche Vereinbarung für ein Joint Venture zur Entwicklung, Produktion und Kommerzialisierung von Brennstoffzellensystemen.

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Der auf zehn Jahre geplante Ausbau soll mit wasserstoffbasierten Lkw-Flotten in regionalen Clustern „entlang europäischer Hochleistungskorridore“ mit guter Tankstellenabdeckung starten. Sprich dort, so die Vision, wo schon heute besonders viele Laster unterwegs sind.

Im Laufe dieses Jahrzehnts können die Cluster dann miteinander verbunden werden, um ein europaweites Netzwerk aufzubauen. Die Initiatoren von H2Accelerate erwarten, dass dabei auch neue Industrien entstehen: Produktionsanlagen für die kohlenstofffreie Wasserstoffherstellung, ein Netzwerk von Hochkapazitäts-Tankstellen für flüssigen und gasförmigen Wasserstoff – und eben wachsende Flotten wasserstoffbetriebener Lastwagen.

GenH2 Truck Daimler
Braucht der keine Lampen? GenH2-Truck von Mercedes-Benz © Daimler Trucks

Mit dem GenH2 Truck der Marke Mercedes-Benz hat Daimler Trucks das Konzept für einen brennstoffzellenbetriebenen Langstrecken-Lkw vorgestellt. Der E-Truck – oder besser Hydrogen-Truck? – soll unterschiedlichste Strecken, Entfernungen und Nutzlasten bedienen können. Als Start der Serienproduktion ist die zweite Hälfte der 2020er-Jahre geplant.

Verbrenner-Hersteller unterstützen Klimaabkommen

Die Statements der großen Fahrzeugproduzenten von heute sind anders geworden: „Wir stehen voll hinter dem Pariser Klimaabkommen zur Dekarbonisierung des Straßentransports“, sagt Martin Lundstedt, Präsident und CEO der Volvo Group. Seine Vision: „In Zukunft wird die Welt von einer Kombination aus batterieelektrischen und Brennstoffzellen-Elektrofahrzeugen angetrieben werden.“

Auch die Ölindustrie ist bei H2Accelerate dabei. Die Shell-Vizechefin Elisabeth Brinton sieht in Zukunft andere Treibstoffe durch die eigenen Tankstellen laufen. „Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein klarer regulatorischer Rahmen erforderlich, der die Versorgung mit Wasserstoff, wasserstoffbetriebene Lkw, die Betankungsinfrastruktur und Verbraucheranreize auf koordinierte Weise regelt.“ Das klingt nach viel, viel Fördermitteln.

Hoch für Hydrogen in der Schifffahrt?

Wie die Bootsindustrie von der Absichtserklärung profitiert, wird noch zu sehen sein. Es gibt bereits Projekte, die kurz vor der Realisierung stehen. Das mit Wasserstoff angetriebene Schubschiff Elektra wird – als erstes emissionsfreies Schubboot der Welt – ab Frühjahr 2021 zwischen Berlin und Hamburg Lasten transportieren.

Iveco, ebenfalls Teil der H2-Initiative, plant schon konkret.

Der Nutzfahrzeughersteller investiere über die Schwesterfirma FPT Industrial – zuständig für Schifffahrt und Energieerzeugung – in die Elektro- und Wasserstofftechnologie.

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Kat-Gemeinschaftsprojekt Lucia 40 mit Fountaine Pajot 2019 © Volvo Penta

Manche Produzenten von Verbrennermotoren haben Kompetenz eingekauft. Bei der Kölner Deutz AG wird seit der Übernahme des Elektrobootsmotoren-Pioniers Torqeedo die eigene E-Deutz-Strategie entwickelt.

Volvo Penta forciert Nachhaltigkeits-Ambitionen

„Wir müssen Leistung erbringen und uns transformieren – parallel“, sagt Heléne Mellquist, Präsidentin von Volvo Penta, „indem wir unser aktuelles Portfolio verbessern.“ Im Moment sind dies, bei den Motoren, vor allem Diesel. „Gleichzeitig schauen wir in die Zukunft, prognostizieren zukünftige Bedürfnisse und setzen innovative Technologien ein.“

Helene Mellquist
Helene Mellquist, Präsidentin Volvo Penta © Volvo
Volvo Penta
Das Elektromobilitätsteam © Volvo Penta

Man habe mit der neuen Motorengeneration bereits damit begonnen, die Emissionen zu reduzieren, so Mellquist, und die Kraftstoffeffizienz zu erhöhen. An H2Accelerate ist Volvo Penta über die Volvo Group beteiligt.

Das „vielleicht aufregendste Entwicklungsfeld auf dem Weg zur Emissionsfreiheit“ sei die Elektromobilität, so die Volvo-Penta-Chefin. Aufbauend auf dem Wissen der Volvo-Gruppe bei der Elektrifizierung im kommerziellen Transportsektor werde Volvo Penta diese Technologie für Schiffsanwendungen übernehmen. Der Anfang für Wasserstoff auf dem Wasser ist also gemacht.

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