float Magazine

Der technische Fortschritt schlägt ausnahmsweise mal keine großen Wellen © Parks Canada
Graham Bell

Vom Telefon zum Tragflügelboot

Vor 175 Jahren wurde Graham Bell geboren. Der Erfinder hatte auch für die Schifffahrt revolutionäre Pläne.

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2 Minuten

Seit Anfang des 21. Jahrhunderts heben Foils den Segelsport auf ein neues Niveau. Ein Jahrhundert vorher waren Tragflügel schon einmal das große Ding auf dem Wasser. Treibende Kraft war der Erfinder Graham Bell. Den Wahlamerikaner kennt man aus dem Schulunterricht als den Mann, der der Welt das Telefon brachte. Zu seinem 175. Geburtstag an diesem dritten März erinnern wir uns bei float an eine andere Erfindung, die weniger breitenwirksam, aber nicht weniger spektakulär war: das Tragflächenboot Hydrodrome IV.

In allen Elementen am Drücker

Graham BellGraham Bell mit knapp 30 © Parks CanadaBell schob die technische Moderne in allen Bereichen an, in der Luft mit Flugzeugen, im Krankensaal mit der Eisernen Lunge, im Tanzsaal mit der Phonographenwalze. Für das Meer experimentierte er mit einer Entsalzungsanlage – und Tragflügeln für Motorboote. Auf seinem Seegrundstück in Nova Scotia errichtete er ein Werftlabor und lud den australischen Yachtbauer Walter Pinaud zur Unterstützung ein.

Pinaud baute den prächtigen Yawl-Schwan Elsie für die Bell-Familie. Und er setzte für Graham Bell dessen Tragflügelkonzept um.

Die inneren Werte zählen

Die Hydrodrome IV ist das Gegenteil einer eleganten Kaiseryacht. Als skelettierte Flunder scheint sie einem Alptraum von Jules Verne entsprungen zu sein. Aber das hässliche Entlein raste wie ein Marlin durchs Wasser. Bell hatte der US-Marine zwei V-12-Motoren mit je 350 PS abgeschwatzt, die das ganze Potential seiner Konstruktion ausspielten.

Ab 25 km/h hob sich der Rumpf aus dem Wasser. In Kurven kränkte das Boot kaum. Aber die Crew war dem enormen Winddruck und der Gischt schutzlos ausgesetzt. Die Beschleunigung muss sich für die Menschen von damals außerirdisch angefühlt haben, heute nur vergleichbar mit einem Elektroauto, bei dem man das Gas durchtritt. Der Lärm der Luftpropeller ist in dem zeitgenössischen Video nicht zu hören, dürfte aber ohrenbetäubend gewesen sein. Ein brüllender Leviathan auf Speed.

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Das Modell im Bell-Museum © Dr Wilson / CC BY-SA 3.0

Bei der Rekordfahrt der Hydrodrome IV am 9. September 1919 wurde eine Höchstgeschwindigkeit von 114 km/h gemessen. Um Spritverbrauch und Abgase machte man sich 30 Jahre vor den Heckflossen-Straßenkreuzern noch keine Gedanken.

Die Hydrodrome IV steht heute im Bell-Museum in Nova Scotia. Aber das Tragflächenkonzept für Motorboote lebt gerade als hochkomplexe Foil-Technologie bei der Candela wieder auf. Graham Bell würde sicher die Ohren spitzen.

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