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Wende © Oliver Ochse
Tipps

Drehen oder wenden?

Wie fährt man eigentlich eine Wende? Mit Playbook geht’s leichter.

float Redaktion
von in
3 Minuten

In den letzten Artikeln waren die Steuerfäden und das Trimmen der Fock unser Thema. Jetzt kann der Steuermann einen Kurs hoch am Wind fahren und das Boot auf dem kürzesten und schnellsten Weg von Lee nach Luv bewegen.

Um nun hoch am Wind zu kreuzen und dabei schneller in Luv anzukommen als der Stegnachbar, muss man ein weiteres Manöver beherrschen: die Wende. Und zwar eine echte Wende, nicht einfach nur eine Drehung des Bootes. Am besten kann man dieses Manöver übrigens auf einer kleinen Ein-Personen-Jolle üben. Segelberater Oliver Ochse erklärt die Wende.

Von Hoch-am-Wind zu Hoch-am-Wind

Die „echte“ Wende wird vom Hoch-am-Wind-Kurs zum Hoch-am-Wind-Kurs gesteuert, so dass man weder Zeit noch Höhe verliert. Das gilt ohne Wenn und Aber und bei jeder Windstärke. Natürlich kann das Boot bei schwachem Wind einfacher gesteuert werden. Auch die Fock ist bei wenig Wind viel schneller dicht gezogen. Die Drehung des Boots muss sich also der Bewegung der Fock anpassen. Dafür sollten die Vorschoter genau wissen, welche Handgriffe sie im Verlauf des Manövers wann ausführen.

In der folgenden Tabelle ist der Ablauf einer Wende auf einem 12-Meter-Kielboot mit zwei Vorschotern im Regatta-Modus aufgelistet. Eine solche Tabelle wird auch „Playbook“ genannt und lässt sich für jedes Manöver aufstellen. Ein Playbook funktioniert im Grunde nach demselben Prinzip wie die Sicherheitsrolle für ein Mensch-über-Bord-Manöver, in der die einzelnen Schritte für den Ernstfall genau vorgezeichnet sind.

Segelberater Oliver Ochse

Playbook für die Wende mit zwei Vorschotern

Das Playbook führt Regie

Mit ein bisschen Training reichen zwei Vorschoter, um die Fock in der Wende zu bedienen. Dabei sollte der Erste die vor dem Manöver belegte Schot loswerfen – und dann unmittelbar und mit Tempo auf der neuen Seite dicht holen. Der zweite Vorschoter kurbelt, übernimmt und macht danach den Feintrimm. Dies ist der schnellste Ablauf zum Bedienen der Fock – und der mit den wenigsten Handgriffen.

Segelberater Oliver Ochse

Zum Lösen der Fockschot aus dem Selftailer immer die Hände über der Winsch führen und Druck auf die Stelle ausüben, die gerade aus dem Tailer genommen wird. So rutscht die Schot nicht auf der Winsch. © Kerstin Zillmer

Segelberater Oliver Ochse

Wenn die Schot aus dem Tailer gelöst ist, ist der Vorschoter klar zur Wende. Jetzt die Bootsdrehung beginnen. © Kerstin Zillmer

Spätestens wenn die Wende beendet ist, wird die aktuell nicht in Gebrauch befindliche Fockschot – Lazy Sheet genannt– auf der Winsch vorbereitet. Dafür reichen Wicklungen auf der Winsch völlig aus. Die Schot bereits in den Selftailer zu legen, wenn es denn einen gibt, führt zu sehr viel Reibung beim Ziehen und damit zu frühzeitigem Druck auf der Schot. Daraus ergibt sich mehr Schotweg zum Kurbeln. Das ist vielleicht gut für die Muskeln, aber die Wende dauert länger.

Überläufer unbedingt vermeiden

Einen Überläufer auf der Winsch gilt es unbedingt zu vermeiden. Wenn es doch zu einem Überläufer kommt, ist das Messer das letzte Mittel, um die Schot zu befreien. Zunächst kann man versuchen, den Überläufer auszukurbeln. Dazu wird das lange Ende der verklemmten Fockschot auf die gegenüber liegende Winsch gelegt und dort gekurbelt. So wandert der Überläufer fast eine dreiviertel Umdrehung um die Winsch. Wenn das nicht reicht, dann gleich noch einmal… Dann isser raus!

So sieht das im Foto aus:

Überläufer

Auskurbeln

Die Website des Segelberaters.

Demnächst geht es um die Handgriffe des Steuermanns während der Wende. Wie kommt man auch bei Nutzung eines Pinnenauslegers (der ja immer irgendwie zu lang ist) anständig auf die neue Seite? Und was muss bei der Kommunikation mit der Crew beachtet werden?

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