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Eignerwechsel bei Fountaine Pajot und Cantiere del Pardo © Werften / Montage: float
Wirtschaft

Wachwechsel bei Pardo und Fountaine Pajot

Ein Investor kommt an Bord, ein anderer steigt aus: Bei zwei großen europäischen Yachtwerften ändern sich die Eigentumsverhältnisse.

von
Roland Wildberg
in
3 Minuten

Zwei klangvolle Namen der internationalen Bootsbranche sind Thema in den Wirtschaftsnachrichten: Bei beiden gibt es Wechsel in der Eigentümerstruktur. Bei Cantiere del Pardo aus Italien steigt ein Finanzinvestor ein, während ein anderer die französische Werft Fountaine Pajot verlässt.

Die 1973 gegründete Familienwerft Cantiere del Pardo ist bekannt für Segelyachten der Marke Grand Soleil. Doch auch mit luxuriösen Motorbooten der Marke Pardo Yachts und Van Dutch haben die Italiener wachsenden Erfolg. In über 45 Jahren entstanden mehr als 4.500 Boote.

58 Millionen Umsatz

Jetzt hat die italienische Private-Equity-Gesellschaft Wise Equity aus Mailand 60 Prozent der Firmenanteile erworben. Die Begründung der Mailänder Manager für ihren Einstieg: „Die Werft ist einer der Hauptakteure des modernen Yachtsports und bietet ihren treuen Kunden stets Boote mit elegantem und innovativem Design, kombiniert mit hoher Performance und überlegener Qualität.“

Cantiere del Pardo
Die Produktion bei Cantiere del Pardo © Fabio Taccola

Allein im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20 habe das Werftunternehmen 58 Millionen Euro Umsatz gemacht. Für das laufenden Geschäftsjahr wuchs das Auftragsvolumen um mehr als 25 Prozent. Pardo war 2010 von Bavaria Yachtbau akquiriert worden, doch wurde im Zuge der Insolvenz der größten deutschen Bootswerft 2014 wieder verkauft. Die damals schwach ausgelastete Werft ist inzwischen saniert.

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Akquisitionen geplant

Seitdem führen die Italiener Gigi Servidati und Fabio Planamente die Geschäfte bei Pardo. In den sechs Jahren ihrer Leitung hat das Unternehmen acht neue Segelyacht-Modelle sowie vier Motorboote auf den Markt gebracht. In den kommenden Jahren wollen sie stark investieren. Dafür braucht es auch frisches Kapital.

Bei Bootsgrößen zwischen 30 und 80 Fuß will Pardo an die Spitze des Markts aufrücken. Die neue Flybridge-Motoryacht Pardo 60 Endurance ist fast fertiggestellt und wird im Februar 2021 zu Wasser gehen. Ein noch größeres Modell mit 72 Fuß Rumpflänge soll als Nächstes folgen.

Gigi Servidati
Gigi Servidati © Werft
Fabio Planamente
Fabio Planamente © Guido Cantini/seasee.com

Auch der Ankauf weiterer Marken gehört zum Konzept: Die Zusammenarbeit mit Van Dutch Yachts, deren Luxustender schon seit einiger Zeit von Cantiere del Pardo gebaut werden, mündete in der vor einiger Zeit ankündigten Übernahme der Marke durch die italienische Werft.

Die Werft-Eigentümer haben sich für Wise Equity als Investor entschieden, weil die Mailänder Finanzfirma sich seit 20 Jahren im italienischen Mittelstand engagiere, heißt es von Pardo. Auch kenne sich der Fonds in der Bootsbranche aus, so Pardo-Miteigentümer Fabio Planamente.

Eine Beteiligung endet

Beim französischen Bootsbauer Fountaine Pajot hingegen ist eine Beteiligung erfolgreich zu Ende gegangen. Die Werft in La Rochelle ist bekannt für Fahrtenkatamarane unter Segeln und Motor. Vor zwei Jahren wurde die Segelbootwerft Dufour akquiriert. Mehrere hundert Boote verlassen jedes Jahr die Produktionshallen des Herstellers. Seit Gründung des Unternehmens im Jahr 1978 wurden mehr als 3.000 Yachten verkauft.

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Der neue Fahrtenkatamaran Isla 40 © Gilles Martin-Raget

2015 hatte die Investmentgesellschaft Next Stage 38 Prozent der Firmenanteile erworben. Sie unterstützte das Familienunternehmen nicht nur beim Erwerb von Dufour, sondern auch bei der Kapitalbeteiligung an der Charterfirma Dream Yacht Charter.

Ertragsreiches Geschäft für den Investor

Der Umsatz hat sich im Zeitraum 2014 bis 2019 von 49 Millionen Euro auf 207 Millionen Euro vervierfacht, während das EBITDA sich im gleichen Zeitraum fast verfünffachte, von 6,5 Millionen Euro auf 30 Millionen Euro.

  • Claire FountaineClaire Fountaine, Präsidentin der Fountaine Pajot Gruppe © Gilles Martin-Raget
  • Romain Motteau und Nicolas GardiesGeschäftsführer Nicolas Gardies (re.) und Stellvertreter Romain Motteau (li.) © Yves Ronzier

Die Fountaine-Pajot-Gruppe ist heute der zweitgrößte Arbeitgeber in der Region Charente Maritime. die Belegschaft wuchs von 440 Mitarbeitern im Jahr vor der Beteiligung auf 1272 im Jahr 2019. „Eine brillante Erfolgsgeschichte“ nennt Grégoire Sentilhes, Geschäftsführer von Next Stage, die Beteiligung an dem Unternehmen.

Mit dem Ausstieg bei Fountaine Pajot macht Next Stage ein ertragreiches Geschäft: Nach Angaben der Pariser Investmentgesellschaft hat sie ihren Einsatz um den Faktor 3,7 vervielfacht.

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