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Tally Ho Refit Leo erklärt viele Begriffe aus der Schiffszimmerei © Leo Sampson
Refit-Projekt

Was heißt denn das?

Fachbegriffe der Schiffszimmerer sind keine Geheimsprache. Leo Sampson erklärt, was beim Refit der Tally Ho was bedeutet.

von
Tommy Loewe
in
3 Minuten

In der 77. Episode des Wiederaufbaus des 1910 von Albert Strange entworfenen Cutters „Tally Ho“ widmet Leo Sampson sich der Sprache der Schiffbauer. Er erklärt seinen Zuschauern Fachbegriffe wie Mittschiffslinie (Centre Line), Sponung (Rabbet) und Balkweger (Beamshelfs). Mit knappen Worten und ein paar Filzstiftnotizen auf den Plänen lernen alle, die nicht vom Fach sind, etwas über das Fachvokabular der Bootsbauer. Und dass Floors nicht der Fußboden sind, sondern die Bodenwrangen.

Tally-Ho-Refit-Projekt
Leo Sampson erklärt die Fachsprache mit vielen Beispielen © Leo Sampson

Hier kann auch jemand aus dem Bootsbau noch etwas lernen, wenn man das englischsprachige Video anschaut. Der Fußboden heißt Sole. Der geheimnisvolle dunkle Raum unter den Bodenbrettern (Soleboards), in dem geheimnisvolle ölige Flüssigkeiten herumschwappen, nennt sich Bilge. Und das Schanzkleid (Bullwark Planks) hält Leute davon ab, aus dem Boot zu fallen. Und die Schandeckel, Cap Rails genannt? Das ist die außenliegende Planke, die die Spanten abdeckt. Auch für die Wissenden unter uns lohnt es sich, den Ausführungen von Leo Sampson zu Fachterminologie zu folgen.

Gute Schablone, guter Guss

Danach geht es für die Zuschauer wieder an den Schiffbau: Leo Sampson fertigt Guss-Schablonen für die hängenden und liegenden Knie (also die hanging und lodging knees) an. Sie verbinden die Decksbalken mit den Spanten. Die alten aus Stahl sind noch recht gut erhalten, aber Leo möchte kein Ferro-Metall in der „Tally Ho“ haben. Auch wenn er sie gut versiegelt, halten sie keine 110 Jahre. Und so alt soll Tally Ho noch einmal werden.

  • Tally HoLeo bereitet die Schablonen vor © Leo Sampson
  • Tally Hoder Schablonen-Verjüngungs-Schlitten © Leo Sampson
  • Tally HoDie Schablonen werden geleimt und beschnitten © Leo Sampson
  • Tally HoLeo schleift eine Schablone für ein hängendes Knie © Leo Sampson

Findig wie Leo Sampson ist, baut er einen Schlitten für den Dickenhobel, um die Verjüngung (tapering) an die Schablonenhölzer anzuhobeln. Mit Schrauben, PU-Leim und Polyesterspachtel fertigt er wunderbare Modelle für das heiße Handwerk der Gießerei, der nahen Port Townsend Foundry.

Gießen, schleifen und polieren

Patrick aus Oregon ist mit seinem ältesten Sohn gekommen, um Pete Langley und sein Gießer-Team zu unterstützen. Diesmal hat er seine Frau Bonnie mitgebracht. Sie hilft beim Schleifen und Polieren der Spanten, die roh aus der Gießerei kommen. Die Lehrerin für Metallkunde, Schweißen und 3D-Druck an einer Highschool ist vom Fach – und sie freut sich über die schöne praktische Arbeit.

 Refit-Projekt
In der Gießerei von Port Townshend © Leo Sampson
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Wrange nach dem Entformen © Leo Sampson

Wenn auch die Arbeit mit der Flex nicht immer angenehm ist: Das Schleifen von Bronze verursacht wenigstens keinen Funkenflug. Clark, der Pilot, ist damit beschäftigt, die Wrangen immer wieder neu anzupassen. Er markiert letzte Unebenheiten, denen Bonnie dann mit der Flex zu Leibe rückt, bis sie perfekt passen. Das Polieren zum Schluss ist dagegen eine wahre Freude.

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Bonnie an der Flex © Leo Sampson

Tuck und Turn, putzen bis es passt

„Hey, Pete, what are you doing?“ fragt Leo. Es ist ein Spiel zwischen den beiden. Schief grinsend und leicht genervt antwortet Pete: „Ich baue eine riesige Vogelvilla für Pancho, den Papagei!“ Aber dann erklärt er uns, dass er seit Wochen die Spanten so zu putzen hat, dass die Planken ideal und ohne Zwischenräume „saugend“ passen. Es ist eine Sisyphos-Arbeit bei der dreidimensionalen Rumpfform.

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Pete, was machst du da? © Leo Sampson

Er kontrolliert immer wieder mit der Straklatte, ob die Schmiege, der Winkel, stimmt und es keine Buckel oder Löcher gibt. Dabei lernen wir wieder zwei neue Begriffe. Der eine: Turn of Bilge, also der Bereich, wo die senkrechte Außenhaut in einem konvexen Bogen in das Unterwasserschiff übergeht. Und Tuck, also der konkav geformte Bereich im Unterwasserschiff, wo beim S-Spant die Außenhaut letztlich in den Kiel einläuft – wie ein umgedrehtes Weinglas.

Die erste Frau im Team

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Bonnie ist Lehrerin für Metallkunde, Schweißen und 3D-Druck an einer Highschool © Leo Sampson

Seit Wochen laufen die Arbeiten auf verschiedenen Baustellen kontinuierlich weiter. Es braucht alles seine Zeit. Das Team ist mit Bonnie – der ersten Frau, die richtig an dem Refit-Projekt mitarbeitet – auf vier Personen angewachsen. Und in der nächsten Episode möchte uns Leo Sampson einen neuen Lehrling vorstellen. Vielleicht ist es ja eine Frau?

Basic Boatbuilding Terminology (Tally Ho EP77)

direkt zum Video

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