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Ocean Race Ein späterer Termin und weniger Stopps sollen das Ocean Race attraktiver machen © The Ocean Race
Update Offshore-Segeln

Welche Zukunft hat das Ocean Race?

Die renommierteste Team-Regatta rund um die Welt stellt sich neu auf. Wird das Ocean Race so für die weltbesten Segler wieder attraktiver?

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Das Ocean Race verschlankt sich. Das „Leg“ über China nach Neuseeland wird wegen der „Zero Covid“-Strategie in beiden Ländern ersatzlos gestrichen. Zu aufwändig wäre die Organisation. Die Regatta stoppt nicht nur seltener, sie startet auch zwei Monate später, um sich den klimatischen Verhältnissen anzupassen. Am 15. Januar 2023 geht es im spanischen Alicante los, von Südafrika setzen die Boote in einem Schwung nach Brasilien.

Mit 12.750 Seemeilen ist dieses Pazifik-Leg das längste, das je bei einem Ocean Race (und dessen Vorgängern) gesegelt wurde. Der Mitbesitzer des Ocean Race Johan Salén möchte diese Strecke als Beitrag zur 50-Jahr-Feier der Regatta verstanden wissen, die 1973 das erste Mal als Whitbread Round the World Race stattfand: ein „episches Leg“ zum Jubiläum.

Ocean Race
Leg 11 von Göteborg nach Den Haag im Juni 2018 © Ugo Fonolla/Volvo Ocean Race

Das verkürzte und neu terminierte Ocean Race fügt sich geschmeidiger in den Regattakalender ein. Es liegt genau zwischen zwei Vendée Globes und kollidiert nicht mit der Route du Rhum, sodass die Proficrews theoretisch an allen Veranstaltungen teilnehmen könnten, wie IMOCA-Chef Antoine Mermod zufrieden feststellt. Aber wie sieht es in der Praxis aus?

Registrierung läuft, Finanzierung stockt

Die Registrierung abgeschlossen haben über 20 Teams aus den IMOCA- und VO65-Klassen, aus Deutschland sind Team Malizia und das Offshore Team Germany dabei. Aber die Registrierung bedeutet nicht mehr als eine Absichtserklärung. Ob es wirklich zur Teilnahme kommt, hängt von der Finanzierung der einzelnen Teams ab, von den Sponsoren. Die Finanzierung steht erst bei drei Teams: 11th Hour Racing Team, Team Malizia und einem italienischen Team, das seine Identität noch bedeckt hält.

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Ocean Race
Das Offshore Team Germany gewinnt das Ocean Race Europe im Juni 2021 © Christoph von Reibnitz

Der diesjährige Gewinner des Ocean Race Europe, das Offshore Team Germany, kämpft noch um das Budget. Teammanager Jens Kuphal erklärt: „Vor der Bekanntgabe der finalen Route konnten wir nicht mit der konkreten Planung beginnen. Aber wir werden alles tun, um im nächsten Jahr an die Startlinie zu gehen. Ich bin optimistisch.“

Auch die französischen Teams sind mit erhöhtem Druck dabei, ihre Teilnahme möglich zu machen, seitdem die neuen Bedingungen ausgegeben wurden. Antoine Mermod berichtet: „Bei unserem letzten Treffen in Le Havre saßen zehn Teams am Tisch. Vorher waren es nur fünf oder sechs.“

Das liebe Geld

Einige Teams winken allerdings grundsätzlich ab. Jean-Luc Nélias sieht sein Team Apivia überlastet: „Zwischen der Route du Rhum mit unserer Apivia 1 und dem Bau eines neuen Bootes bleiben keine Ressourcen für das Ocean Race.“ Ronan Lucas vom Team Banque Populaire verweist auf die finanzielle Hürde: „Die Regatta erfordert ein zu hohes Budget. Das können und wollen wir nicht stemmen.“
Vendée-Globe-Segler Fabrice Amedeo wird beim Budget konkreter: „Die Neuerungen beim Ocean Race gehen in die richtige Richtung. Aber es wäre immer noch ein Budget von circa drei Millionen Euro fällig. Das werden meine Partner nicht tragen wollen.“

Ocean Race
Nicht jedes Team möchte das Budget für die Regatta aufbringen und entscheidet sich im Zweifel für ein anderes Rennen. © Francois Van Malleghem / IMOCA

Auch Johan Salén sieht die Notwendigkeit, die Kosten zu reduzieren. Die verkürzte Strecke ohne China und Neuseeland trägt dazu bei: „So fallen zwangsläufig weniger Kosten an. Und auch die Logistik wird einfacher, da keine Stopps im Pazifik angelaufen werden.“ Antoine Mermod ergänzt: „Die drei Millionen halte ich für zu hoch gegriffen. Aber in jedem Fall werden wir versuchen, die Teams so weit wie möglich bei der Organisation zu unterstützen. Wir werden ein Universal-Paket zur Verfügung stellen.“

Bedenken über Bedenken

Das Budget ist der größte Hemmschuh, aber Gefahrenlage und Zeitplan drücken auch. Alain Gautier vom Team MACSF verweist auf zwei Probleme: „Es ist schwierig, das Ocean Race in einen Kalender zu integrieren, der von der Vendée Globe bestimmt wird. Und die Risiken sind auf dem Süd-Törn unvergleichlich hoch. Natürlich bietet der Pazifik ein unglaubliches Erlebnis.

Aber mit einer fünfköpfigen Crew geht man härter ran als als Einhandsegler. Das Schiff könnte Schaden nehmen, der die Teilnahme an der Vendée Globe gefährden würde.“

Dee Caffari
Turn the Tide on Plastic mit Skipperin Dee Caffari beim Volvo Ocean Race 2018 © The Ocean Race

Auch der Schweizer IMOCA-Segler Alan Roura und Servane Escoffier, Teammanager von Bureau Vallée, geben der Vendée Globe den Vorrang. Sie sehen den Reiz des Ocean Race, verschieben eine Teilnahme aber in mittlere Ferne. Servane Escoffier wägt ab: „Wir würden liebend gerne beim Ocean Race einsteigen. Aber so kurzfristig können wir nicht planen. Die übernächste Austragung haben wir aber im Blick!“

Sam Davies
Sam Davies auf Initiatives Coeur bei der Vendée Globe 2020/21 © Maxime Horlaville/Polaryse

David Sineau vom Team Initiatives Coeur teilt die Bedenken: „Der neue Zeitplan passt besser in den Regatta-Kalender. Für Teams mit einem neuen, startklaren Boot wird das Ocean Race dadurch viel interessanter. Aber für uns kommen die Änderungen ein bisschen zu spät.“

Greg Evrard vom Team Corum L’Épargne bestätigt: „Mit dem alten Termin war das Ocean Race nie eine Option für uns. Jetzt, da es mit der Route du Rhum kompatibel ist, ändert sich das. Allerdings bleibt es eine sportliche Herausforderung, nach einer Route du Rhum gleich wieder auf eine Weltumseglung gehen zu sollen.“

Viel Wirbel um wenige Boote

Vielen Teams ist der Zeitplan noch zu vage. Sie warten auf die genauen Terminangaben, die Johan Salén für die Zeit kurz vor Weihnachten verspricht. Genauso dringend blickt man der Studie zu den voraussichtlichen Kosten entgegen.

Mit wie vielen Teilnehmern wird man also zum Startschuss in einem Jahr rechnen können? Johan Salén geht von zwei bis drei weiteren internationalen Teams und zwei bis drei französischen aus. Etwas optimistischer fällt die Prognose von Antoine Mermod aus: „Sechs bis zehn IMOCA- und vier bis sechs VO65-Teams würden einen Erfolg bedeuten.“ Denn auch beim Ocean Race schlägt die weltweite Geißel zu: „Covid hat das Ocean Race genau getroffen, als es sich neu aufgestellt hat. Das war nicht hilfreich.“

Boris Herrmann
Boris Herrmann baut aktuell die Malizia III und will damit am The Ocean Race 2022 teilnehmen © The Ocean Race

Zur Hochphase der Regatta Anfang der 1980er starteten 29 Boote. Seit den 2000ern ist das Feld auf unter zehn Boote pro Austragung zusammengeschrumpft. Bei der Vendée Globe pendelt die Teilnehmerzahl zwischen 20 und 30, beim letzten Mal 2021 waren sogar 33 Schiffe dabei. Eine Fünfer-Crew pro Schiff scheint das Publikum weitaus weniger zu packen als ein Einhand-Segler pro Schiff. Der einsame Mensch und das Meer bleibt als romantisches Ideal ungeschlagen.

Tip & Shaft ist der neue Partner von float. Das französische Online-Magazin ist das führende Medium für Offshore-Segelsport und berichtet auf Englisch und Französisch – und nun, für ausgewählte Themen, auch in deutscher Sprache exklusiv bei float.

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