float Magazine

Wellenbrecherinnen Die vier Atlantik-Ruderinnen beim Film-Preview © Bjarne Kieckbusch
Atlantiküberquerung

Premiere für die Wellenbrecherinnen

Der Film über das erste deutsche Frauenteam, das über den Atlantik ruderte, kommt ins Kino. Wir waren beim Preview dabei.

von
Kerstin Zillmer
in
5 Minuten

Wo sonst das Riesenrad auf dem Hamburger Dom seine Runden dreht, drehten 2020 die Wellenbrecherinnen das große Rad: Sie präsentierten einem ausgewählten Publikum als Preview den Film ihrer Atlantiküberquerung bei der Talisker Atlantic Challenge, die härteste Ruderregatta der Welt.

Ein Jahr ist seitdem vergangen und niemand hätte gedacht, dass der Film erst jetzt ins Kino kommen kann. Nun ist es soweit! Am Freitag, den 27. August um 20:30 Uhr feiert  der Film die „Wellenbrecherinnen ihren Kinostart im Zeise Open Air in Hamburg. Mit dabei natürlich die Atlantikruderinnen vom Team RowHHome und die Filmemacher. Nach dem Film gibt es interessante Interviews zu dem unglaublichen Abenteuer und darüber, wie es das Leben der Frauen verändert hat. Am Samstag, den 28. August um 18:00 Uhr läuft er beim Internationalen Meeresfilmfestival in Kiel und am 30.08. läuft er Film um 20:00 Uhr im Zeise Open Air.

Vor einem Jahr

Wellenbrecherinnen
Das Team begrüßt die Gäste bei der Einfahrt ins Kino © Bjarne Kieckbusch

Das Heiligengeistfeld ist noch leer. In der Mitte sind Container gestapelt, an denen auf beiden Seiten eine digitale Leinwand montiert ist. Der Ton kommt über Kopfhörer oder das Autoradio. Die vier Protagonistinnen sind bereits da und haben sich an der Einfahrt postiert. Sie begrüßen die Gäste, viele davon Freundinnen und Freunde, Familien, Bekannte und Fans. Die Auserwählten. Die Stimmung ist ausgelassen und fröhlich, trotz Masken.

  • WellenbrecherinnenAutokino auf dem Heiligengeistfeld in Hamburg © Bjarne Kieckbusch
  • WellenbrecherinnenDie Wellenbrecherinnen und ihre Lieben beim Preview © Bjarne Kieckbusch
  • WellenbrecherinnenGroße Gefühle auch beim Zuschauen © Bjarne Kieckbusch

Auf dem Atlantik führt das Team Regie

Dann folgen zwei Stunden Dokumentarkino at its best, bei dem die Zuschauer mitgenommen werden auf eine Herausforderung, ein Naturerlebnis und eine Anstrengung, die ohnegleichen ist: von den ersten Trainingsschlägen auf der Rudermaschine über den Kauf des Bootes in England, Misserfolge und Enttäuschungen beim Training bis zum Start auf La Gomera. Männer verabschieden unter Tränen ihre Frauen. Kommen sie wieder?

___STEADY_PAYWALL___
Wellenbrecherinnen
Verabschiedung kurz vor dem Start © Ben Duffy/TWAC

Auf dem Atlantik führt das Team Regie. Die vier Frauen lassen das Publikum mit der Kamera ganz nah heran. Lassen es mitschaukeln auf den hohen Wellen, wobei uns allein vom Zuschauen schummerig wird, lassen es mitfühlen an Weihnachten, als die Frauen gerührt die Geschenke ihrer Familien öffnen.

Lassen uns mitleiden bei Seekrankheit und mitfiebern, als endlich Land in Sicht ist und die Crew überglücklich über die Ziellinie rudert – sichtlich athletischer, abgekämpft und um eine unglaubliche Erfahrung reicher, die sie gemeinsam gemeistert haben. Auf die Frage, was am sie am meisten beeindruckt hat, sagen die Wellenbrecherinnen: Die Weite des Ozeans.

Werden sie starten?

Nicht immer war klar, ob das Team an den Start gehen würde. Und noch viel weniger, ob sie die große Herausforderung, nur mit Muskelkraft über den Atlantik zu rudern, bewältigen würden. Auch für das Filmteam, dass die vier Frauen fast zwei Jahre lang begleitete, war der Ausgang nicht klar. Würden die vier Frauen wirklich antreten? Würden sie es schaffen?

Wellenbrecherinnen
Silvia Weihermüller, Steffi Kluge, Timna Bicker, Catharina Streit, Meike Ramuschkat und Guido Weihermüller © Bjarne Kieckbusch

Silvia und Guido Weihermüller von Close Distance Production gingen das Risiko ein und wurden belohnt – mit wunderbaren Filmaufnahmen und der Zusammenarbeit mit vier Frauen, die wahr gemacht haben, wovon sie träumten. Am 23. Januar 2020 ruderten die vier Hamburgerinnen unter dem Namen RowHHome als allererstes deutsches Ruderteam und erstes Frauenteam in Antigua ins Ziel. Der Regisseur stand auf dem Fotoboot und hatte Freudentränen in den Augen.

Wellenbrecherinnen
Das RowHHome-Team vor dem Start © Ben Duffy/TWAC

RowHHome – das doppelte H im Namen steht für die Hansestadt Hamburg – das sind die Steuerfrau Catharina Streit alias Cätschi (33), Meike Ramuschkat (33), Stefanie Kluge (51) und ihre Tochter Timna Bicker (26). Die vier Frauen, die beim Talisker Race den Gewalten des Ozeans begegnen, sind keine Spitzensportlerinnen.

Zwei der Wellenbrecherinnen hatten erst ein Jahr vor dem Rennen überhaupt zu rudern begonnen. Aber alle wollten sich mit der Atlantiküberquerung einen Lebenstraum erfüllen. Etwas, dass nur wenige vor ihnen gemacht haben, so wie Alexander Doba, der den Atlantik dreimal solo im Kajak überquert hat.

Wellenbrecherinnen
Start in La Gomera, kanarische Inseln © Ben Duffy/TWAC

Auf 16 Quadratmetern über dem Atlantik

Ihr Ozean-Ruderboot „Doris“ ist acht Meter lang und zwei Meter breit. Es ist unsinkbar und kann problemlos durchkentern. Sie haben es bei einem Spezialisten in England bauen lassen. Der wesentliche Raum an Bord besteht aus einer Schiene, auf der drei Rudersitze montiert sind. An Bug und Heck in zwei schmalen Kabinen ist Platz zum Schlafen, für Essen, Kleidung und die technische Ausrüstung.

Und natürlich für die Pütz, den Eimer, das Klo, denn immer wieder rebelliert der Magen. Es gibt keine Intimsphäre, keinen Rückzugsraum und kaum Platz, um die Beine richtig auszustrecken. 2.737 Seemeilen, also 5.069 Kilometer, pullen sie ohne Motor oder Unterstützung von außen. Tag und Nacht, im Wechsel von zwei Stunden.

  • WellenbrecherinnenSie rudern über Wellenberge © Close Distance Productions
  • WellenbrecherinnenSie rudern bei jedem Wetter © Close Distance Productions
  • WellenbrecherinnenEin letzter Besuch in der Nacht © Ben Duffy/TWAC

Die vier Frauen haben sich auf die harte Prüfung intensiv mit ihren Coaches vorbereitet. Denn wochenlang sehen die Ruderinnen nichts als Wellen, Himmel und Tiere: Vögel und Delfine, die sie begleiten, fliegende Fische, die ins Boot springen und von den Frauen angeekelt wieder über Bord bugsiert werden.

Immer wieder sieht man sie im Film essen. 4.000 Kalorien in genau abgezählten Päckchen in Form von Astronautennahrung müssen sie täglich zu sich nehmen. Dazu trinken sie mindestens vier Liter aufbereitetes Meerwasser aus dem automatischen Watermaker. Trotzdem zehrt die Strapaze nicht nur an ihren Nerven, sondern auch am Gewicht, von dem sie eine Menge verlieren. Sonne und Salzwasser setzen ihrer Haut zu, die Hände sind rissig und voller Blasen. Und für die Hintern bastelt Cätschi Polster, um die Qualen zu lindern.

Als eine Frau aussteigt, springt Timna ein

Der schön geschnitten und vertonte Film zeichnet ein Bild von ganz normalen Frauen, die sich ein sehr besonderes Ziel gesetzt haben. Einfühlsam wird jede Frau vorgestellt und ihr Weg, bis alle zu einem eingespielten Team an Bord werden. Denn sie sind keine Extremsportlerinnen, die ein Leben lang für Wettkämpfe trainieren. Als eine Frau während der Vorbereitungen aussteigt, springt Timna ein, die Tochter von Steffi. Beide werden auf dem Ozean zu Teammitgliedern und dabei zu engen Vertrauten.

RowHHome
Ankunft im Ziel in Antigua © Ben Duffy/TWAC

Denn die Nähe und Enge an Bord verbindet die Frauen, schweißt sie zusammen – bei den vielen Gespräche, die sie über Nacht in endlosen Stunden der Dunkelheit führen und sie nicht Hand vor Augen sehen. Aber das Größte ist das Naturerleben auf dem Atlantik, das sie verändert.

Als sie nach der Vorpremiere am Montag ein zweites Mal die Fackeln anzünden, ist sie wieder da: die Freude der Ankunft in Antigua. Nur dass sie jetzt auf einem Bus auf dem Hamburger Heiligengeistfeld stehen und nicht mehr auf der schaukelnden „Doris“ im Atlantik.

Buch zu verlosen für float friends

Der Film kommt im Herbst in die Kinos, die Daten dazu gibt es später auf der Website der Wellenbrecherinnen. Es wird auch ein Buch über die Wellenbrecherinnen geben. Wir verlosen ein Exemplar unter unseren float friends. Mehr dazu in unserem heutigen float Friday Newsletter.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame