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Auf der Erfolgswelle: Großwerften schreiben beste Zahlen trotz fehlender Boote © Four Winns
Wirtschaft

Rekordumsätze für die großen Werften

Die Branchenriesen Brunswick und Beneteau nehmen mehr ein denn je – trotz hakender Lieferketten und verspäteter Boote.

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Rund 600 fertige Boote, die im ersten Halbjahr 2022 weder ausgeliefert noch in Rechnung gestellt werden konnten, meldete die Werftgruppe Beneteau. „Die Auslieferungen dieser bestellten Boote werden auf die zweite Jahreshälfte verschoben“, heißt es in einer Presseerklärung des französischen Konzerns zur aktuellen wirtschaftlichen Lage. Und auch aus den USA gibt es neue Nachrichten.

Auch David Foulkes, CEO der Brunswick Corporation, äußerte sich zeitgleich zu den aktuellen Bootsbeständen des US-Riesen. Das weltgrößte Unternehmen in der Freizeit-Bootsbrache konstatiert einen Rückgang von 55 % gegenüber der Jahreshälfte 2019. „Zum Ende des zweiten Quartals befanden sich weltweit etwa 10.000 Einheiten in den Pipeline-Lagern der Händler“, so Foulkes.

Rekordumsatz trotz Halde

Kontrastierend dazu ist die positive Umsatzentwicklung der Branchenführer im ersten Halbjahr 2022. Trotz der sehr unterschiedlichen Firmenstruktur ähneln sich die aktuellen Trends bei den Franzosen und US-Amerikanern. Zuerst hatte der Branchendienst IBI darüber berichtet.

Die französische Groupe Beneteau, zu dem auch Jeanneau und Prestige, Delphia und einige US-Bootsmarken gehören, ist auch im Baugeschäft aktiv. Der Umsatz der gesamten Firmengruppe stieg von Januar bis Ende Juni 2022 um 8,6 %. Einen Rekordumsatz gab es im Unternehmensbereich Wohnungsbau mit einem Zuwachs um 33 % auf 167 Millionen Euro. Der weitaus größere Umsatzbringer Boote wuchs – aufs gesamte Halbjahr gerechnet – um 2,8 % auf jetzt 540 Millionen Euro.

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Delphia
Die elektrische Delphia ist die neue Marke im Portfolio von Beneteau © Alfred Boer

Brunswick-Chef David Foulkes gab gestern ebenfalls die Ergebnisse für das erste Halbjahr 2022 bekannt. Es seien die besten Ergebnisse, die das Unternehmen je erzielt hat – mit einem Rekordumsatz und einem bereinigten Betriebsergebnis von mehr als 300 Millionen US-Dollar.

Europa leidet, die USA boomen

Ein genauerer Blick auf die Entwicklung der letzten Monate zeigt den aktuellen Konjunkturtrend. Denn der Ukraine-Krieg, die Inflation und andere Faktoren kamen erst im Lauf des letzten Halbjahrs voll zur Wirkung. So meldeten die Franzosen für das zweite Quartal sogar einen Umsatzrückgang von 0,5 %.

Zusätzlich zu den Problemen, mit denen die Branche – trotz Riesenboom – seit etwa 18 Monaten zu kämpfen hat, brachte das zweite Quartal für Brunswick weiteren Gegenwind. Der stärkere Dollar sorgte für eine – aus US-Sicht ungünstige – Veränderung der Wechselkurse. Dieser Faktor war, so Foulkes, mit rund 35 bis 40 Millionen US-Dollar mehr als doppelt so hoch wie erwartet.

Beneteau First 36
Die neue First 36 ist die neue Cruising-Yacht in dieser Reihe © Beneteau

In Europa schrumpfte der Beneteau-Umsatz im ersten Halbjahr 2022 bei den Booten um 7,7 %. Die Firma führt das auf die Unterbrechung der Lieferketten zurück, was insbesondere die größeren Einheiten betraf. Das sogenannte Flottengeschäft – also der Verkauf von Booten in Charterflotten – zog in der ersten Jahreshälfte 2022 auch an. Es gab einen Anstieg der Verkäufe im Chartersegment um 21,6 %.

Gleichzeitig war das Geschäft in Nordamerika mit einem Anstieg beim Umsatz von 15 % sehr erfolgreich. Besonders gut laufen dort Dayboote. Dazu passt, dass die Franzosen das Boat-Club-Geschäft in Nordamerika, insbesondere in Florida, ausbauen. Hier wurden fünf Vermietbasen neu eröffnet.

Höhere Prognose als im Vorjahr

Trotz der Verzögerungen bei der Auslieferung von Booten sei man weiterhin zuversichtlich für den Rest des Jahres. Beneteau bestätigte seine revidierte Prognose für das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit in Höhe von 110 bis 120 Millionen Euro. Das ist deutlich höher als die 95,8 Millionen Euro, die 2021 erzielt wurden.

Foulkes ist vorsichtiger. Er verspricht eine reduzierte Umsatzprognose für das Gesamtjahr „von 6,9 bis 7,1 Milliarden Dollar“. Aus Sicht der meisten anderen Bootsbauer ist das nach immer gigantisch.

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