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Die Werft Kolibri lässt auf der Website einen Blumenkranz über Panzer triumphieren. © Werft
Ukraine-Krieg

Werften unter Beschuss

Der Krieg lässt die Werften der Ukraine ruhen. Was lässt sich über die Situation der Mitarbeiter erfahren?

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2 Minuten

Manche Fragen mögen in ihrer Profanität unter den aktuellen Kriegsbedingungen fast pietätlos wirken. Wir wollten aber trotzdem wissen, wie es den Werften in der Ukraine eine Woche nach dem Einmarsch der russischen Armee geht. Wir haben nachgefragt.

„In der Ukraine gibt es nur wenige, aber international renommierte Werften“, erklärt unser ukrainischer Journalistenkollege Bogdan Parfeniuk. Brig, Gala und Grand sind mit ihren Schlauchbooten die bekanntesten. Mit Brig kommt sogar der Weltmarktführer aus der Ukraine. Viele produzieren in der Region Charkiv, eine der zurzeit am heftigsten umkämpften Zonen.

Bei Brig

Mit ihrer Lage nahe Charkiv im Nordosten der Ukraine war die Fertigung von Brig unter den ersten Betroffenen der Invasion. Tag für Tag ist die Region Bombardements und Beschuss ausgesetzt. Dementsprechend wurde bei Brig die Arbeit umgehend eingestellt. Die Belegschaft ist entweder evakuiert worden oder hat sich den Landesverteidigern angeschlossen.

Das bestätigt auch Brig-Importeur Dominik Stockmann gegenüber float. Er steht täglich im Kontakt mit den beiden Werftchefs. Die Eigner sind selbst Auswanderer aus Russland. Im vergangenen Jahr hatte Brig – nach eigenen Angaben der größte Hersteller weltweit für RIBs, die Stückzahlen wegen der großen Nachfrage deutlich erhöht.

Dieses Jahr sollte die Kapazität weiter gesteigert werden. Dafür war eine Erweiterung geplant, auf einem Grundstück direkt hinter der Produktionsstätte. „Obwohl der Betrieb nicht direkt an der Hauptstraße und außerhalb von Charkiv liegt, könnte die Situation sich jederzeit ändern. Die Arbeit von 30 Jahren könnte sich mit einem Panzerbeschuss in Nichts auflösen. „Über Boote zu sprechen, ist jetzt wirklich Nebensache“, sagt Stockmann.

Bei Grand und MS Marine

Am ersten Kriegs-Wochenende gab es Bombenexplosionen in Mykolajiw im Süden der Ukraine, weniger als zwei Kilometer von einer Anlage des RIB-Herstellers MS Marine entfernt. Im Nordosten der Ukraine hat Grand seinen Betrieb in der Gefahrenzone nahe Charkiv.

Entsprechend besorgt zeigt sich Milan Sterk beim Gespräch mit float am Donnerstag. Er ist geschäftsführender Gesellschafter des Grand-Importers MS Marine. „Wir sind momentan im Nebel. Man kann nichts tun.“

Am vergangenen Montag hatte er, nachdem in den ersten Kriegstagen kein Kontakt zur Werft möglich war, dem Branchendienst IBI Entwarnung geben können. „Die Eigentümer von Grand sind jetzt in Sicherheit“, bestätigte Milan Sterk. „Wir verfolgen die Situation sehr gespannt und unterstützen Grand und unsere eigene Fabrik in der Nähe von Odessa so gut wie möglich.“

Mit Blumenkranz gegen Panzer

Auf den Online-Seiten von Brig und Grand ist bis heute vom Krieg nichts zu lesen. Der Schlauchboothersteller Kolibri aus Dnipro positioniert sich im Gegensatz zu den Mitbewerbern so kämpferisch wie friedensbewegt auf seiner Website.

Ein gemaltes Blumenkranzmädchen zertritt Panzer unter seinen Füßen. „Alle Ukrainer verteidigen mit vollem Einsatz die Unabhängigkeit ihres Landes. Das Geschäft muss ruhen!“, fasst Bogdan Parfeniuk die Stimmung zusammen.

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