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© Jean-Jacques Savin Jean Jaques Salvin in seiner Tonne © Salvin
Atlantiküberquerung

Wie Diogenes über den Atlantik

Ein 71-jähriger Franzose will sich in einer Tonne über den Atlantik treiben lassen. Kurz vor Weihnachten geht es los.

Kerstin Zillmer
von in
3 Minuten

Manche besteigen blind den Mount Everest. Andere hüpfen den Marathon auf einem Bein. Andere, man glaubt es kaum, wollen sich in einer selbstgebauten Sperrholztonne von den Kanaren aus über den Atlantik treiben lassen, nur von Wind und Welle getrieben. Leute gibt’s!

Der Mann, um den es geht, ist der 71-jährige Franzose Jean-Jacques Savin. Er wird sicher kein Klaustrophobiker sein, denn seine Reise wird etwa drei Monate dauern. Die Behausung, in der er für diese Zeit leben wird, ist drei Meter lang, 2,10 m breit und wiegt 450 kg. Damit er sieht, wohin er dümpelt, hat er kleine Bullaugen einbauen lassen. Und damit er nicht von Containerschiffen einfach über den Haufen gefahren wird, hat er das dicke runde Ding leuchtfarben angestrichen.

Jean-Jacques Savin

Mit Epoxy laminiert © Savin

Um den 20. Dezember will er los, wenn die Winde günstig stehen – und wird hoffentlich ein ruhiges, besinnliches Weihnachten an Bord verbringen. Wenn Jean-Jacques Savin nach Weihnachten und Silvester noch immer in Feierlaune ist, kann er auch seinen 72. Geburtstag am 14. Januar an Bord seiner Tonne begehen.

Jean-Jacques Savin

Projekt TESA © Savin

Jean Jaques Savin

Jean Jaques Savin in der Tonne © Savin

Der ehemalige Fallschirmspringer kennt sicher das Gefühl, nicht zu wissen, wo genau man landet. „Wohin es geht, weiß ich nicht genau, Barbados oder Guadeloupe“, sagte der Triathlet der französichen Nachrichtenagenur AFP. Er wolle „das Gefühl von Freiheit“ erleben und „den Reichtum und die Tierwelt des Meeres bewundern“.

Salvins Tonne hat einen Schlafplatz

Platz genug ist ja bekanntlich in der kleinsten Hütte. So hat Salvin in seiner Tonne einen Schlafplatz, eine Sitzecke, eine Küchenzeile, einen Kartentisch und etwas Stauraum. Für ein Bad war kein Platz, da muss wohl die Pütz reichen. Einen Fernseher hat er auch, nämlich ein Bullauge im Boden, durch das er die Fische beobachten kann. Damit er geortet werden kann, hat er sich auch wissenschaftlichen Zwecken zur Verfügung gestellt und eine Boje an Bord, die die Strömungen messen wird.

Jean-Jacques Savin

Der Blick auf den Atlantik © Savin

Sein großes Vorbild ist Alain Bombard, bekannt durch seine wissenschaftlichen Studien zur Überlebensfähigkeit von Schiffbrüchigen. Er hatte sich im Selbstversuch 1952 mit einem Schlauchboot über den Atlantik gewagt. 65 Tage war er unterwegs, angeblich ohne Trinkwasser und Lebensmittel an Bord seines Gummiboots. Ernährt habe er sich von Fischen, deren ausgepresste Flüssigkeit er als Trinkwasser genutzt habe. Bombard landete auf Barbados. „Aber ich heiße nicht Alain Bombard“, kontert Savin. „Ich wäre damals nicht mit ihm losgefahren.“ Wie er sich ernähren wird, werden wir sicher noch erfahren.

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Es haben schon viele auf verrückte Weise den Atlantik überquert. float berichtete über zwei junge Finnen, die mit einem 4,30 m langen Motorboot mit dem passenden Namen „Psycopaatilla“ über den Atlantik fuhren, vom Kurs abkamen, von einem Frachtschiff aufgenommen wurden, sich wieder aussetzen ließen, dann mit ihrem Boot kenterten und zum Schluss tatsächlich ankamen.

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Psycopaatilla © Seppo Muraja

Vor kurzem hat erst ein kleines autonomes Segelboot namens „SB Met“ bei der Microtransat Challenge den Atlantischen Ozean erfolgreich überquert, ferngesteuert ohne Crew an Bord. Warum soll dann nicht auch einem Diogenes in der Tonne die Reise gelingen? Die Götter werden bestimmt mit ihm sein.

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