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Die Spannung des Segels ist entscheidend, so Oliver Ochse © Kerstin Zillmer
Segelberater

Wie trimme ich meine Segel optimal?

Segellektion #2: Um ein Boot hoch am Wind zu segeln, muss der Trimm stimmen. Wie das geht, erklärt Segelberater Oliver Ochse.

von
float Redaktion
in
3 Minuten

Wenn der Steuermann seine Steuerfäden (siehe Teil 1) im Griff hat und danach steuert, geht es weiter mit dem Trimm der Fock. Ein großer Teil des Segeltrimms findet vor allem auf dem Hoch-am-Wind-Kurs statt. Dabei soll ein möglichst kleiner Winkel zum Wind mit einer guten Geschwindigkeit gefahren werden. Auf Kursen, die nicht hoch am Wind sind, kommen Zusatzsegel wie Code Zero, Gennaker oder Spinnaker zum Einsatz.

VMG, was ist denn das?

Die Kombination aus Winkel und Geschwindigkeit nennt man VMG, vom englischen „Velocity made good“, auf deutsch Luvgeschwindigkeit. Dieser Begriff begegnet uns auch wieder, wenn es um die Zusatzsegel geht. Mit VMG bezeichnet man beim Segeln die Geschwindigkeit, mit der ein Boot ein Ziel, das genau in Windrichtung liegt, erreichen kann.

Wie trimmt man aber die Fock, um ein gutes VMG erreichen zu können? Der Winkel, in dem ein Boot hoch am Wind fahren kann, ist von vielen Faktoren abhängig. Ein ganz wichtiger Punkt ist der Durchhang des Vorstags. Je mehr das Vorstag nach Lee sichelt, desto weiter wandert der Punkt nach Lee, an dem die Anströmung am Vorliek der Fock beginnt – und der Steuermann muss weiter abfallen.

Das ist vielleicht nicht viel, macht aber sicher zwei oder drei Grad Höhe aus. Die richtige Riggspannung ist also enorm wichtig. Zu viel Riggspannung macht sich übrigens manchmal dadurch bemerkbar, dass die Klotür nicht mehr aufgeht, weil sich der ganze Bootsrumpf zusammengezogen hat.

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Erst Rigg-, dann Fallspannung

Scherz beiseite: Als Faustformel gilt, dass die Wantenspannung ungefähr 25 % der Bruchlast der Wanten beträgt. Wieviel genau das bei welchen Bedingungen ist, verrate ich gerne während eines Privattrainings, wenn ich mit auf ein Eignerboot gehe und das Rigg durchmesse.

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Messen der Fallspannung © Kerstin Zillmer
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© Kerstin Zillmer

Ist die Riggspannung geklärt, geht es an die Fallspannung. Die Segel sollten erst einmal faltenfrei sein. Falten bei den Stagreitern der Fock oder den Mastrutschern beim Großsegel sind ein gutes Indiz für ein zu loses Fall. Falten parallel zur Liekrichtung sind immer ein Zeichen für eine Überdehnungsfalte.

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Falten im Groß © Kerstin Zillmer

Fallspannung und Cunningham

Die Fallspannung muss man natürlich anpassen, wenn sich die Windverhältnisse ändern. Zwischen den jeweiligen Faltentypen liegt ein großer Bereich, in dem das Segel bauchiger oder flacher getrimmt wird. Also: Erst die Falten raus und dann schauen, ob das jeweilige Segel bauchig oder flach getrimmt werden soll.

Manchmal entsteht ein Gegenbauch im Vorliekbereich des Großsegels. Das liegt meist daran, dass der Wind, der aus der Fock herausweht, gegen die Lee-Seite des Großsegels drückt. Das passiert sehr häufig bei großen, weit überlappenden Vorsegeln wie einer Genua. Vielleicht ist das Segel aber auch nur etwas in die Jahre gekommen und dadurch ein wenig aus der Form geraten. Das passiert im Alter eben – und ein bisschen Bauch ist ja nicht schlimm.

Segelberater
© Kerstin Zillmer
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© Kerstin Zillmer

Der Gegenbauch

Den Gegenbauch kann ich mit dem Cunningham-Strecker, also dem Vorliekstrecker des Großsegels, herausziehen. Häufig entsteht der Gegenbauch bei wenig Wind, wenn die Großschot nicht so hart angezogen wird und der Großbaum aus der Mittschiffslinie heraus in Lee steht.

Da hilft auch der Großschot-Traveller – zumindest wenn dieser ordentlich lang ist und möglichst über die ganze Breite des Cockpits (und nicht nur des Niedergangs) geht. Wenn der Traveller nun nach Luv gezogen wird, verringert sich der Gegenbauch. Allerdings sollte der Großbaum maximal bis zur Mittschifflinie gezogen werden.

Mit dem Cunningham kann man also den Vorliekbereich trimmen – fast wie mit dem Großfall. Dabei wird der Punkt der tiefsten Profiltiefe weiter nach unten und etwas nach vorne gezogen und so das Segel flacher getrimmt. Ein flacheres Segelprofil erzeugt weniger Druck. Weniger Druck lässt das Boot aufrechter und damit auch schneller fahren. Außerdem behält der Vorschoter seine gesunde Gesichtsfarbe.

Mehr erfahren kannst Du auf der Segelberater-Website von Oliver Ochse.

Der Unterliekstrecker macht das Gleiche wie ein Cunningham, nur im unteren Teil des Großsegels. Hier entsteht nicht wirklich viel Krängung, weil’s ja der untere Teil ist. Aber Kleinvieh macht auch Mist. Wenn ich in einem Revier mit hohen Wellen fahre, nutze ich den Bauch im Unterliek, um mehr Power im Segel zu haben, um gegen die Wellen anzukommen.

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