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Peter Twelkmeyer in seiner Marina © Florian Diesing / Seenland Peter Twelkmeyer in seiner Marina © Florian Diesing / Seenland
Peter Twelkmeyer

Zuhause im Yachthafen

Peter Twelkmeyer ist Chef der Marina Lanke Berlin. Der größte Yachthafen der Region ist seit über 100 Jahren im Familienbesitz.

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Peter Twelkmeyer an den Telefonhörer zu bekommen, ist mitunter gar nicht so leicht. Sein Kalender ist voll mit wichtigen Terminen. Erst ein Besuch auf einer Bau- und Technikmesse in Berlin, dann die Boot Düsseldorf, auf der sein Yachthafen mit einem eigenen Stand vertreten ist. Ein Muss für alle, die im Wassersport- und Bootsbusiness unterwegs sind. Dazwischen noch das normale Tagesgeschäft einer Marina mit hunderten Liegeplätzen, mit Segelschule, Charterflotte, Werft, Bootshandel und Restaurant. „Aber ich habe Spaß daran“, sagt Twelkmeyer. Daher mache es ihm auch heute, mit 72 Jahren, nichts aus, bis auf wenige Wochen im Jahr sieben Tage die Woche auf Zack zu sein.

Marina Lanke
Umfangreiche Bauprojekte stehen auf dem Gelände der Marina Lanke an. © Magazin Seenland/Florian Diesing

Die Werft als Abenteuerspielplatz

Seit fast 50 Jahren leitet Peter Twelkmeyer zusammen mit seiner Frau Annette die Marina Lanke Berlin AG. Der mit rund 480 Bootsliegeplätzen größte Yachthafen in Berlin und Brandenburg zieht sich am Ufer der Scharfen Lanke entlang, einer Bucht der Havel im Berliner Stadtteil Spandau. Hier ist Peter Twelkmeyer aufgewachsen, hier nahm das Familienunternehmen seinen Anfang. „Ich bin rund 50 Meter vom Wasser entfernt geboren. Wasser und Werft – damit bin ich großgeworden“, erzählt er.

Wenn der Beruf Leidenschaft und gleichzeitig auch Hobby ist

Denn wo heute Bootsurlauber festmachen, gründete Twelkmeyers Großvater Hugo Reinicke 1919 die Reinicke-Werft. Sportboote wurden dort gebaut, von kleinen Jollen bis zu Sonderklassen, mit denen damals vor allem der Adel und andere Gutbetuchte segelten. 1943 übernahm Vater Hanne die Werft und konzentrierte sich auf den Bau von Binnenschiffen mit Längen bis zu 80 Metern und 1.000 Tonnen Tragfähigkeit. Über 100 solcher Lastkähne für Massengüter wie Holz oder Kohle verließen in den nächsten 22 Jahren die Werfthallen.

350 Mitarbeiter werkelten hier in den Hochzeiten – für den kleinen Peter und seine Schwester war die Werft jedoch vor allem eines: ein Kinderparadies, ein Spielplatz, den sonst keiner hatte. „Wir brauchten weder Buddelkasten noch Spielzeug“, erinnert er sich. Zwischen den Booten Verstecken spielen, reinkrabbeln, alles begutachten – das war seine Welt.

Raus auf die Weltmeere und in die weite Welt

Genauso wie später das Segeln. „Eigentlich habe ich erst Segeln und dann Laufen gelernt“, scherzt er. Kein Wunder: Schon Großvater und Vater waren erfolgreich unterm Wind unterwegs. Im Grunde war die Familie ständig auf dem Wasser. Selbst im Winter, bei Minusgraden. Dann wurde eben auf Eis gesegelt.

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Als kleiner Steppke von zehn Jahren begann Peter Twelkmeyer dann, an Regatten teilzunehmen. Und brachte es später, in den 1970er Jahren, zu erstaunlichen Erfolgen: Mehrmals wurde er Deutscher und Berliner Meister, 1978 dann sogar Vizeweltmeister. Viel von der Welt gesehen habe er in dieser Zeit, erzählt er. Japan, Australien, die USA und ganz Europa. Doch letztendlich zog es ihn immer wieder zurück an die Havel.

Dass er einmal das Familienunternehmen in dritter Generation weiterführen würde, war für ihn schon immer klar. Das Handwerkszeug dazu lernte er in einer Schlosserlehre – und auf einem Wanderjahr quer durch die USA. Als Motorenschlosser tingelte Twelkmeyer 1967/68 von Hersteller zu Hersteller – von Chicago am Lake Michigan über Miami am Atlantik bis nach San Francisco am Pazifik. Eine Menge habe er dort gelernt, was man in Sachen Wassersport und Bootstourismus noch so alles erreichen kann. Wissen, das er gut gebrauchen konnte, als er 1974 – der Schiffbau wurde 1965 aufgegeben – die Geschäftsführung der Marina Lanke übernahm.

Marina Lanke
© Magazin Seenland/Florian Diesing

Über 20.000 Seemannspatente

Nach und nach baute er den Yachthafen zu einem der führenden Wassersportzentren Ostdeutschlands auf und aus. 1975 erfüllte sich seinen Traum von einer eigenen Segelschule, in der bis heute rund 20.000 Bootsbegeisterte ihren Führerschein gemacht haben. Darunter auch der ein oder andere Promi wie der ehemalige FDP-Politiker Guido Westerwelle. Nach der Wende dann ein neues Geschäftsfeld: Twelkmeyer stieg als Erster in der Region in den Chartertourismus ein und baute zusammen mit einem Freund eine Hausbootflotte auf.

Zehn dieser schwimmenden Ferienwohnungen können Urlauber heute bei ihm mieten, können die umliegenden Reviere mit, aber – dank des Charterscheins – auch ohne Bootsführerschein erkunden. Er selbst, sagt Twelkmeyer, habe jeden Flusskilometer Brandenburgs und Mecklenburg-Vorpommerns abgefahren. Sein persönlicher Favorit? „Auf jeden Fall alles rund um Berlin“, schwärmt er. Zum Beispiel einmal quer durch die Hauptstadt und dann südostwärts zum Scharmützelsee.

Doch es gab auch dunkle Stunden für das Unternehmen und die Familie. Zweimal wüteten Großbrände an der Scharfen Lanke, zerstörten 2011 die 113 Jahre alte historische Bootshalle und 2014 die 3.000 Quadratmeter große Winterlagerhalle samt der dort lagernden Boote. Auch die über Jahrzehnte gesammelten Erinnerungen, Fotos, Zeichnungen und Pläne, wurden vernichtet „Unsere gesamte Geschichte ist in den Flammen aufgegangen. Das war und ist ein herber Schlag.“

Marina Lanke
© Magazin Seenland/Florian Diesing

Die vierte Generation übernimmt bald das Ruder

Davon unterkriegen ließ sich Familie Twelkmeyer jedoch nicht. Alles wurde wieder aufgebaut. Und auch für die Zukunft ist noch viel geplant. Allein in den nächsten drei Jahren werden große Investitionen in das Unternehmen gesteckt. Für weitere Liegeplätze, eine große Winterlagerhalle und zwei Verwaltungstrakte. „Das macht man natürlich nur, wenn man weiß, dass es weitergeht“, sagt Twelkmeyer. Dafür ist gesorgt, die vierte Generation steht schon in den Startlöchern.

Tochter Antonia studiert Tourismus, lernt bei den Eltern viel über die Branche und wird das Familienunternehmen in ein paar Jahren übernehmen. „Sie ist schon ganz gespannt darauf und hat wahnsinnig viel Spaß an der Arbeit im Unternehmen“, sagt Twelkmeyer mit Stolz.

Ob er sich dann komplett in den Ruhestand zurückziehen werde? Auf keinen Fall, vollkommen ausgeschlossen. Das Chefbüro werde er dann zwar räumen, aber in seinem neuen Reich eine Etage höher trotzdem weiterhin ein Auge auf die Geschäfte werfen: „Das hier war und ist ja mein Leben, ich kann doch nicht den ganzen Tag Golf spielen. Mein Kalender wird also weiterhin voll sein.“

Dieser Text stammt aus dem Magazin Seenland – dem Reisemagazin für Urlaub auf dem Boot in Mecklenburg und Brandenburg. Die Autorin des Beitrags ist Christin Meißner. Zu beziehen ist die aktuelle Ausgabe des Reisemagazins direkt im Magazin-Shop des Verlags sowie deutschlandweit im Zeitschriftenhandel.

Ein Kommentar

Michael Krieg /

Vater Hans „Hanne“ Twelkmeyer (VSaW) … auch in der H-Jollen-Szene der 1950er-Jahre eine bekannte, feste und erfolgreiche Größe. Seine H-Jollen – wie wohl auch alle anderen späteren Boote – hießen „Alte Liebe“. Die H 182, gebaut auf der Lanke-Werft von Hugo Reinicke, Schwiegervater (?) von Hans „Hanne“ Twelkmeier – im Messbrief mit ‚i‘ geschrieben -, wird/wurde (?) gerade frisch überholt am Bodensee angeboten. Auf der Alster in Hamburg segelte noch vor einigen Jahren ein ehemaliger Drachen unter dem Namen.
Geplant war lange ein Besuch der Lanke-Werft, um für das Archiv der H-Jollen-Klassenvereinigung evt. Erinnerungen, Fotos, Zeichnungen und Plänezu sichern. Dann kam uns der Brand zuvor. Bitter!

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