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Werner Dornscheidt und Jürgen Tracht Werner Dornscheidt (l.) und Jürgen Tracht © Messe Düsseldorf / BVWW
Wirtschaft

Zweimal 33 Jahre am Steuer

Mit boot-Boss Werner Dornscheidt und Verbandschef Jürgen Tracht treten zwei Macher der deutschen Bootsbranche zeitgleich ab.

von
Stefan Gerhard
in
3 Minuten

Sag zum Abschied leise Servus? Das ist nicht exakt die Art, wie zwei rheinische Macher in den Ruhestand gehen. „Nicht quatschen. Machen!“ zitiert die Presse-Crew der Messe Düsseldorf ihren Chef Werner Dornscheidt, der heute seinen letzten Arbeitstag hat. Verantwortlich auch für die weltgrößte Bootsmesse boot, geht er in den Ruhestand nach gut 33 Jahren im selben Unternehmen. Ebenso geht es Jürgen Tracht, der am selben Tag, nur wenige Kilometer rheinaufwärts in Köln, nach einem Dritteljahrhundert  als Geschäftsführer des Bundesverbands Wassersport feierlich verabschiedet wird.

Ohne die beiden Manager wäre die deutsche Wassersportbranche nicht das, was sie heute ist: ein weltweit bedeutender Markt und Marktplatz in Sachen Boot. Beide haben ihr Netzwerk vom Rhein aus aufgebaut und gepflegt. Auch ihrer Hartnäckigkeit ist es verdanken, dass die einst bescheiden gestartete boot Düsseldorf sich zur größten Messe überhaupt für fast alle Spielarten des Wassersports entwickelt hat.

Wolfram Diener
Der neue Messe-Chef Wolfram Diener © Messe Düsseldorf / Andreas Wiese

Junges Trio führt weiter

Wolfram Diener rückt an die Spitze der Messe Düsseldorf. Seit 2018 ist er operativer Geschäftsführer bei der Messe Düsseldorf, zum 1. Juli übernimmt er den Vorsitz der Geschäftsführung. Er kann gleich Neues zeigen. Nachdem die gut 12.000 Quadratmeter große Halle 1 neu in Betrieb genommen wurde, wird dieses Jahr der neue Eingang Süd mit einem 20 Meter hohen und 7.800 Quadratmeter großen Vordach fertiggestellt.

„Messe, das ist mein Leben“, sagt Dornscheidt. Als er 1987 bei der Messe Düsseldorf einstieg, hatte die Messe erstmals 100.000 Besucher. Er hat die Messe Düsseldorf geprägt: Ihre Unternehmensstrategie und ihre internationale Ausrichtung hat er in knapp 17 Jahren als Vorsitzender der Geschäftsführung wesentlich zu verantworten. Der Auslandsanteil – über alle Messen – bei den Ausstellern in Düsseldorf stieg von 58 % auf zuletzt 73,4 %, bei den Besuchern von 34 % auf 37,1 %.

Mehr Zahlen? 2004 übernahm Dornscheidt die Unternehmensführung bei einer Rendite von 6,4 % und 34,4 % Eigenkapitalquote, heißt es von der Messe. Die Rendite stieg zuletzt auf 14,8 %, die Eigenkapitalquote auf 66 %. Das letzte volle Geschäftsjahr unter seiner Führung schloss die Messe mit einem Umsatzanstieg von 28,7 % auf 378,5 Millionen Euro ab. Im Vorjahr war es 294 Millionen Euro.

Auch wenn die aktuellen Rahmenbedingungen für Event-Veranstalter alles andere als rosig sind, sieht der CEO das Unternehmen in besten Händen: „Die Mannschaft arbeitet bereits an einem Neustart und entwickelt weitere digitale Ergänzungen“, so wie sich auch die Bootsbranche digital neu erfindet.

Werner Dornscheidt
Werner Dornscheidt © Messe Düsseldorf / Andreas Wiese

Erfolgreiches Netzwerk am Rhein

Als ideeller Träger der boot Düsseldorf ist für den Branchenverband die Verbindung zur Bootsschau am Rhein traditionell eng – allerdings schon vor der Führung durch Werner Dornscheidt und Jürgen Tracht, der als Mitglied des boot-Messerats das Ohr an der Branche hatte. Und die Messemacher hatten stets ein Gefühl für Trends – und für deren publikumswirksame Inszenierung.

boot Düsseldorf
Ein Wassermotorrad, präsentiert 1975 in der Halle © Messe Düsseldorf

Als Jürgen Tracht 1987 die Geschäftsführung beim BVWW übernahm, hatte der Bundesverband Wassersportwirtschaft 230 Mitglieder. Heute sind es rund doppelt so viele. Den BVWW entwickelte Tracht zu einem schlagkräftigen Industrieverband und Sprachrohr der Branche in Deutschland. Und auch gegenüber der Politik und den Landes- und Bundesbehörden, wie zuletzt bei der nimmer endenden Gesichte des Sanierungsstaus bei maroden Wasserstraßen.

Zwei seiner wirtschaftlich wirksamen Erfolge waren die Einführung der Führerscheinfreiheit für Charterboote auf beliebten Gewässern und die Anhebung der Führerscheingrenze für Motorboote von 5 auf 15 PS.

Karsten Stahlhut
Neu an der Spitze des Branchenverbands BVWW ist Karsten Stahlhut © BVWW

Karsten Stahlhut ist sein Nachfolger an der Spitze des Branchenverbands. Der 42-jährige ist studierter Betriebswirt mit Schwerpunkt Marketing und Tourismus – und Wassersportler. In Bad Pyrmont war er als Geschäftsführer der dortigen Tourismus GmbH seit 2010 für die strategische Weiterentwicklung des Standortes zu einem Wellness- und Gesundheits-Resort verantwortlich. Unser ausführliches Gespräch mit Karsten Stahlhut auf float folgt in Kürze.

Auf die Frage, ob er der Branche erhalten bleibe, hat Jürgen Tracht übrigens eine klare Antwort: „Alles hat seine Zeit. Irgendwann ist es genug.“ Er gehe jetzt erst einmal segeln mit Freunden, in der Ostsee oder anderen nördlichen Revieren.

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