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© Zukunft in Grünau e.V. Historische Postkarte, Berlin-Grünau um 1908 © Zukunft in Grünau e.V.
Regatta

Wie Berlin zum Regattasegeln kam

Vor 150 Jahren war die erste Regatta auf Berliner Gewässern.

von in
3 Minuten | 3 Kommentare

Alles beginnt im Mai 1868 mit einem tragischen Unfall. Da ertrinken drei Segler beim Trainingsschlag wenige Tage vorm geplanten Termin der ersten Berliner Segelregatta. Ihr Boot war gekentert. Die Regatta wird kurzfristig um drei Wochen auf den 7. Juni verschoben. Fast auf den Tag genau 150 Jahre später findet jetzt die Jubiläumsregatta statt.

Aufgerufen zum Rennen im Frühjahr 1868 hatte der im Jahr zuvor am Rummelsburger See gegründete Berliner Segler-Club (B.S.C.). Das erste Aufeinandertreffen sollte eigentlich auf dem Müggelsee stattfinden. Den dreifachen Trauerfall im Kopf, wählte man stattdessen die rund drei Kilometer lange Strecke zwischen der Köpenicker Rohrwall-Insel und der „Bammelecke“ in Grünau.

150 Jahre Regatta Berlin
Die Regatta von 1968 in einem zeitgenössischen StichJahrbuch Berliner Segler-Club, 1911

Vergnügen an den Ufern und auf Dampfern

Die Premiere scheint auf recht starkes öffentliches Interesse gestoßen zu sein, wenn man der Berichterstattung der Presse glaubt. Jedenfalls wird die Regatta von einem großen Publikum begleitet und beobachtet. Die Zuschauer haben sich dazu an den Ufern der Spree versammelt oder wohnen dem Spektakel auf Begleitdampfern bei.

Der ein oder andere Schaulustige erinnerte sich sicher noch an den „Segel-Corso“, der zwei Jahrzehnte zuvor wenige Kilometer spreeabwärts in „Stralow“ von der dort ansässigen Tavernengesellschaft arrangiert worden war. Wer auf ein ähnliches Vergnügen hoffte, wurde nicht enttäuscht.

Aber was heißt „Vergnügen“ zu jener Zeit? Zwar ist in den ersten Statuten des B.S.C. noch vom „gemütlichen Beisammensein“ die Rede. Aber mit der Bildung eines Regattakomitees noch vor den ersten Vorstandswahlen ist klar, dass es um den Sport geht. So plant man für Sonntag, den 17. Mai 1868, gleich „ein geordnetes Preissegeln“ auf dem Müggelsee, wie es in der allerersten Berliner Ausschreibung heißt.

Hanseaten nicht zugelassen

Die später antretenden 34 Boote – andere Quellen nennen 37 oder gar 39 Boote – werden nach ihren Segelgrößen in vier Klassen eingeteilt. Man erhofft sich, mit einer Art von Einzelzeitrennen Aufschluss zur Leistungsfähigkeit der verschiedenen Takelagen und Bootsformen zu bekommen. Sachpreise und Siegerwimpel werden ausgelobt. Absolut Zeitbester des gesamten Rennens und Sieger der ersten Gruppe (Segelgröße 35 bis 38 qm) damals ist die Potsdamer Yacht „Albatros“ von Friedrich Burghalter.

150 Jahre Regatta Berlin
Am Steg des BSC in Köpenick, vor 1904Jahrbuch Berliner Segler-Club, 1911

Hamburger Segler sind zu dieser Veranstaltung übrigens nicht zugelassen. Fürchtete man zu starke Konkurrenz? Denn einige Jahre zuvor war ein Hamburger Kaufmann mit seiner 1864 aus Amerika gekauften Schwertyacht für mehrere Jahre in und um Hamburg unschlagbar.

Siegerwimpel für vier Segelklassen

Anlässlich des 150. Jahrestags der ersten Regatta auf Berliner Gewässern veranstaltet der Berliner Segler-Verband dieses Jahr eine Jubiläumsregatta. Auf der historischen Dahme-Strecke bis zum Ende des Langen Sees in Schmöckwitz wird am 9. Juni 2018 gesegelt. Ausrichter sind neben dem Berliner Yacht-Club die Vereine der TSG 1898 und SC Brise 1898.

Berliner Jubiläumsregatta
Blick vom Clubgelände des SC Brise 1898 e.V. auf die Dahme© SC Brise 1898 e.V.

Startberechtigt sind Klassiker in Holzbauweise, also Jollen, Jollenkreuzer und Kielboote. Gewertet wird in Einzelwertung nach Yardstick. Startpunkt ist in Grünau vor dem SC Brise 1898. Die Regattastrecke führt Richtung Schmöckwitz bis zur TSG 1898. Wie vor 150 Jahren werden Siegerwimpel und Sachpreise für die Plätze 1 bis 3 in den verschiedenen Klassen vergeben. Außerdem gibt es eine „Erinnerungsgabe“ für alle Teilnehmer.

Ur-Club ist Mitausrichter

In der Ausschreibung wird der Berliner Yacht-Club (BYC) zwar mit seinem Stander als Mitausrichter aufgeführt. Man erklärt aber auf Anfrage von float, dass der eigene Beitrag zur Regatta eher gering sei. Zwar war dieser Verein vor 150 Jahren der Ausrichter, aber eben auf dem alten Revier.

Hauptverantwortlich für die Berliner Jubiläumsregatta sind also zwei Vereine, die es damals noch gar nicht gegeben hat. Anders als 1868 liegt der Startpunkt rund anderthalb Kilometer hinter der Köpenicker Rohrwall-Insel vorm SC Brise. Die Strecke führt aber über die Bammelecke hinaus bis zum Ende des Langen Sees, wo die Freie Vereinigung der Tourensegler Grünau 1898 zu Hause ist.

150 Jahre Regatta Berlin
Blick über Schmöckwitz auf das Regattarevier© Matthias Renner/Wikimedia CC BY-SA 3.0

Meldestart für Berliner Jubiläumsregatta

Auch der Freundeskreis Klassische Yachten (FKY) unterstützt die Jubiläumsregatta. Die in Kiel ansässigen Klassiker-Freunde stiften einen Preis für die älteste Segelyacht unter den ersten fünf Kielbooten.

Eine Schleppfahrt für die Havel-Lieger im Westen der Stadt startet von der Scharfen Lanke am 8. Juni um 10 Uhr. Natürlich mit einem historischen Schlepper. Ab sofort kann für die Regatta gemeldet werden. Meldeschluss für die Berliner Jubiläumsregatta ist der 2. Juni. Startgeld? Wird nicht erhoben.

Wir danken dem Zukunft in Grünau e.V. für die Bereitstellung von historischem Bildmaterial.

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3 Kommentare

Wilfried Lippert /

Das ist gut geschrieben. Ich bin im Besitz des Jahrbuches von 1911 des BSC und kenne die Geschichte aus erster Hand.
Auch, dass die Segelei mit dem Engländer Drory nach Berlin kam. Der hat hier Gas für die Laternen hergestellt. Sein Sohn Edward Drory hat die Tavernen-Gesellschaft mitgegründet 1835. Auch 1867 beim BSC war er Mitbegründer. Bei der besagten Regatta 1868 saß er als Mitglied der Jury im Boot an der Rundungstonne Bammelecke.
Da er im Familienclan die Leitung der Gasfabrik in Wien übernahm, kümmerte er sich auch dort um den Segelsport und gründete die Union-Yacht-Clubs in Österreich. Er war auch Experte in Sachen Bienenzucht und hatte eine Riesen-Büchersammlung, die seine Frau nach seinem Tod dem Berliner Museum schenkte.

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