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Mobile Teststationen sollen in Berlin Impfungen gegen Corona beschleunigen © Mat Napo
Corona-Impfung

Berlin will Bootsfahrer impfen

Mit Wassersportlern will Berlin über Ostern testen, wie mobile Impf-Zentren angenommen werden. Die Aktion erntet auch Kritik.

von
float Redaktion
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Um einen reibungslosen Start in die Wassersportsaison zu ermöglichen, hat sich Berlin zu einem bemerkenswerten Pilotprojekt entschlossen: Ab heute bis zum Ostermontag werden an mehreren großen Marinas in der Hauptstadt sowie auf zwei Booten der Wasserschutzpolizei Corona-Schutzimpfungen für Wassersportler angeboten.

So werden über die Ostertage an ausgewählten Wassersportvereinen am Wannsee, an der Unterhavel, dem Müggelsee und auf der Müggelspree, an den Tegeler Gewässern sowie an der Rummelsburger Bucht Impfstationen eingerichtet, die Clubmitgliedern und Tagesgästen Impfungen verabreichen.

Wasserschutzpolizei
Medizinisch geschultes Personal verstärkt die Polizei-Crews über Ostern © Polizei Berlin / CC BY SA 4.0

Mit dem von der Charité begleiteten Pilotprojekt will der Berliner Senat eruieren, wie alternative Impfzentren in der Bevölkerung ankommen. Hat diese Aktion Erfolg, ist die Ausweitung auch auf Minigolfplätze und Shopping-Center geplant.

Kennzeichen ist die Quarantäneflagge

Zusätzlich zu den stationären Impf-Stationen, wo nur Ältere und „vulnerable Zielgruppen“ die Vakzine erhalten, sind die mobilen Anlaufstellen prinzipiell für alle Altersgruppen (ab 16 Jahren) offen. Von Karfreitag bis Ostermontag kreuzen zwei Patrouillenboote der Wasserschutzpolizei Berlin mit Vakzin-Auftrag auf dem Wannsee und Müggelsee. Auf Zuruf gehen die Schiffe – sofern Wind- und Wetterlage es gestatten – bei Seglern und Motorbooten längsseits. Die an Bord befindlichen Amtsärzte verabreichen die Spritze von Schiff zu Schiff, dann wird die Leinenverbindung wieder gelöst.

Astra Zeneca
Der Impfstoff von Astra Zeneca wird in den anderen Berliner Impfzentren zurzeit nicht verimpft © Mat Napo

Das Ganze dauert keine fünf Minuten, verspricht die Polizei. Auf Wunsch könne auch ein Erinnerungsfoto von der maritimen Impfung geschossen werden. Den wichtigen offiziellen Impfbeleg erhalten die Wassersportler bei Vorlage des Bootsscheins anschließend automatisch per Post. Für die Zustellung per Mail prüfe man noch die technischen Voraussetzungen, heißt es.

An- und Ablegemanöver sowie Fotografie haben die freiwillig über die Ostertage eingesetzten Kräfte bereits an den vergangenen Wochenenden eisern trainiert. „Wer sich impfen lassen will, setzt einfach die gelbe Signalflagge Q oder gibt das Zeichen von Hand“, sagt Polizeiobermeisterin Antje Kortenkamp. Auf dieses Signal habe man sich innerhalb der Senatsinnenverwaltung schnell einigen können, weil es traditionell das Zeichen für Quarantäne sei.

Angler kritisieren Aktion

Bei erwünschter hoher Resonanz ist daran gedacht, die „Aktion Wasserspritze“ – so der offizielle Name – dauerhaft über den gesamten Sommer jedes Wochenende fortzuführen. Das teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales mit. „Berlin liegt am und im Wasser – aber es steht uns nicht zum Hals, und das wollen wir mit dieser Aktion unterstreichen“, sagt Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci gestern.

Ruderer Wannsee
Ruderer, hier auf dem Wannsee, gehen bei der Aktion Wasserspritze vorerst leer aus © Peter Schulz

Vereinzelt kam auch Kritik an dem Projekt: Der  Berliner Castingsport- und Anglerverband (BCAV) ließ über einen Sprecher mitteilen, man sei von der „einseitigen Bevorzugung enttäuscht“. Der Berlin-Brandenburger Wasserski-Verband e.V. bedauerte, dass für sie die Aktion zu früh käme. Aber Funktionäre äußerten die Hoffnung, dass das Pilotprojekt den nötigen Erfolg habe, um dauerhaft auf dem Wasser fortgeführt zu werden.

Brandenburg beteiligt sich nicht an der Aktion. Als Flächenstaat, so heißt es aus dem federführenden Innenministerium, könne man diese – grundsätzlich als positiv bewertete – Aktion nicht effektiv selbst durchführen. Schwerpunkteinsätze in besonders frequentierten Regionen wie den Potsdamer Gewäsern lehnte die Behörde im Vorfeld ab.

Impfrationen kommen aus Tempelhof

Wie weit reichen die Vorräte überhaupt? „Wir haben 12.000 Dosen für diese Aktion reserviert“, sagt der zuständige Amtsarzt Dierk Heck-Zielinski gegenüber float. Das sollte problemlos über Ostern reichen, so der Mediziner.

Berlin
Keine Durchfahrt für Corona, so das Motto der Aktion Wasserspritze © Kerstin Zillmer

Der Ursprung der Impfrationen für die „Aktion Wasserspritze“ ist das Impfzentrum Tempelhof: Dort seien in der vergangenen Woche so große Mengen an ungenutztem Impfstoff der Sorte Astra Zeneca angefallen, dass sie für dieses und andere Projekte zur Verfügung stünden. Heck-Zielinski: „In Tempelhof wollte sie keiner haben, aber vielleicht sind die Bootsfahrer weniger anspruchsvoll. Es heißt doch nicht umsonst: Seefahrt ist Not.“

Hier ist der Überblick aller mobilen Impfstationen in den Berliner Wassersportrevieren.

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