float Magazine

Route du Rhum © Jean-Marie Liot, www.jmliot.com
Regatta

Boris Herrmann kachelt durch die Biskaya

Stürmische Winde fordern erste Tribute im Starterfeld der Einhandregatta Route du Rhum in die Karibik.

float Redaktion
von in
4 Minuten

123 Einhandsegler sind gestern, am 4. November, vor Saint-Malo in Frankreich zur elften Route du Rhum gestartet. Und schon hat das Rennen in die Karibik nach Guadeloupe seine ersten Ausfälle. Der 37-jährige Hamburger Boris Herrmann kommt mit der Open 60 „Malizia Yacht Club de Monaco“ sehr gut weg und lag gleich in der Spitzengruppe der IMOCA-Klasse. Andere treffen es weniger gut: Für Sébastien Josse in der Klasse der Riesen-Trimarane ist das Rennen den frühen Morgenstunden des zweiten Tags schon zu Ende. Bei viereinhalb Meter hohen Wellen löst sich, 135 Seemeilen vom Land entfernt, fern der Küste ein Stück vom Rumpf.

Route du Rhum

Probleme am Bug ließen Sébastien Josse aussteigen © Yvan Zedda RdR2018

„Stockdunkel und sehr böig“

Ein technisches Problem im Masttopp wirft auch Herrmann am ersten Nachmittag auf Rang 9 zurück. Nach der ersten Nacht auf See hat der Hamburger sich wieder auf den fünften Rang vorgearbeitet. Aber es sind noch fast 3.300 Seemeilen und rund elf Tage bis zum Ziel auf Guadeloupe.

„Es ist stockdunkel und unter Land sehr böig“, schreibt Boris Herrmann abends von Bord. „Ich habe wieder auf die kleinere Fock gewechselt, aber zeitweise hätte ich lieber mehr Fläche oben.“ Zu Beginn hat die „Malizia“ zunächst das Boot des Top-Favoriten Jérémie Beyou im Kielwasser. Nach anderthalb Stunden ist er hinter der „Charal“ – und der führenden Segelyacht „PRB“ von Vincent Riou, der bei einer Vendee Globe schon einmal als Lebensretter einspringen musste. Als Dritter geht es für Herrmann um die Wendemarke, die von der Regattaleitung für Zigtausende Zuschauer an Land vor die Küste gelegt worden war.

Beim Setzen des Gennakers löst sich eine Vorrichtung im Rigg nicht, mit der das Backstag zum Mast gezogen wird. „Das Schloss im Mast öffnete sich einfach nicht. Ich musste den Gennaker nochmal bergen, falls das Fall mit diesem Deflektor im Mast verklemmt war, und habe das erst nach langem Probieren mit Hin- und Herdrehen des Masts losbekommen.“ erklärt Herrmann. Das Missgeschick kostet ihn ungefähr zehn Seemeilen.

  • Route du RhumHeftige Bedingungen für Boris Herrmann und seine IMOCA © Jean-Marie Liot, www.jmliot.com
  • Route du RhumHält das Material? © Jean-Marie Liot, www.jmliot.com
  • Route du RhumSchwierige Arbeitsbedingungen an Bord © Jean-Marie Liot, www.jmliot.com

Rumpfschaden bei Windstärke 7

Unterdessen meldet einer der Besten in der Ultime-Klasse der Riesentrimarane, dass er in Schwierigkeiten steckt. Sébastien Josse meldet, er habe 135 Seemeilen nordwestlich der spanischen Hafenstadt La Coruna bei Windstärke 7 und viereinhalb Meter hohen Wellen ein Stück vom Bug des rechten Rumpfs verloren. Das Stück sei abgebrochen.

Der französische Skipper des Maxis „Edmond de Rothschild“ blieb unversehrt. Der Mann ist Kummer gewohnt: Bei einer Vendee Globe hatte Sebastien Jossé nach der Kollision seines Boots mit einem unbekannten Schwimmobjekt sein Ruder beschädigt. Zurzeit versucht er, trotz des erheblichen Schadens am Boot, selbst zur Küste zu gelangen. Die Zeit drängt. Denn die äußeren Bedingungen sollen sich in den nächsten anderthalb Tagen durch eine Tiefdruckfront weiter verschlechtern.

Von den schnellsten Mehrrumpfbooten hatte wenige Stunden nach dem Start bereits Armel Le Léac’h, ebenfalls aus Frankreich, mit seiner „Banque Populaire“ einen kurzen Hafenstopp noch in der Bretagne einlegen müssen. Er musste Probleme mit der Energieversorgung an Bord beheben lassen. So führte sein Landsmann François Gabart mit der „Macif“ das Feld an.

Beste IMOCA-Yacht war am Montagvormittag (5. November) der Brite Alex Thomson, der mit der „Hugo Boss“ als Einziger einen Kurs nördlich um ein gesperrtes Verkehrstrennungsgebiet herum gewählt hatte. Das brachte ihm 13 Seemeilen Vorsprung vor der „PRB“, den er bisher hält.

Route du Rhum

Alex Thomson führt das Feld an. © Mark Lloyd, Alex Thomson Racing

In der heutigen Morgendämmerung dümpelte die „Malizia“ bei Flaute und hoher Dünung auf der Suche nach frischem Wind. Nur 2,6 Knoten Durchschnittsgeschwindigkeit über drei Stunden zeugten von einer zähen Warterei. Das ging den meisten Konkurrenten ähnlich. „Bei solchen Bedingungen in einen guten Rhythmus zu kommen, ist besonders schwierig“, lässt Boris Herrmann ausrichten, „aber die nächsten Tage bleiben voraussichtlich noch sehr unruhig.“

Südwest-Wind, der es in sich hat

Bereits heute herrscht der Tiefdruckeinfluss in der Biskaya vor. Dass die Yachten gerade nicht viel Strecke machen können, liegt daran, dass der Kern des Tiefs direkt über einem Großteil des Feldes liegt.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.