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Ziemlich sicher: das Cannes Yachting Festival 2021 startet am 7. September © Reed
Cannes Yachting Festival

Cannes kann wieder

Nach einem Jahr Pause startet das Cannes Yachting Festival neu. 560 Boote zeigt Europas größte Inwater-Messe, sollte nichts dazwischenkommen.

von
Stefan Gerhard
in
7 Minuten

War da was? Fast 600 Boote von klein bis ganz groß, darunter 110 Segelyachten und weit über 100 Bootspremieren, sollen beim Cannes Yachting Festival kommende Woche zu sehen sein. Es könnte nach einem Jahr Zwangspause klappen mit der Premiere als erste große internationale Bootsmesse in diesem Jahr. Sofern denn nichts Unvorhergesehenes dazwischenkommt bis zum Eröffnungstag am kommenden Dienstag.

Letztes Jahr war die Bootsmesse in Cannes nach einem krimireifen Behördenstreit kurzfristig abgesagt worden. Noch knapper war es 2020 nur bei der Southampton Boat Show, die am Vorabend der Eröffnung – alles war schon aufgebaut – von den Behörden die Genehmigung entzogen bekam.

Yachting Festival Cannes
Das Yachting Festival findet an beiden Enden der Bucht von Cannes statt © Reed

Entsprechend schmallippig zeigten sich die potenziellen Aussteller in den letzten Monaten, hin- und hergerissen zwischen Bootsboom, langsam drehenden Lieferketten und dem weltweiten Schrecken von 2020. So ein Debakel will niemand noch einmal erleben.

Nun also scheint alles im Süden Frankreichs zu laufen. 560 Boote von drei bis 45 Metern Länge können entdeckt werden. Damit hat die Mittelmeermesse die gewohnte Größe vergangener Jahre.

Premieren, Premieren

Kleiner Rundgang durch die Premieren gefällig? Vor dem Palais des Festivals steht von Frauscher die TimeSquare 20. Das ausgeklügelte Design des Elektro-Kats mit viel Platz auf dem großen Sonnendeck erschließt sich, wenn man an Bord geht. Für uns ein Fescher Freiraum auf 20 m².

Auf der anderen Seite der Croisette, am Port Canto, hat die finnische Werft Nautor’s Swan die neue Swan 58 festgebunden. Bemerkenswert ist auch die polnische Sunreef 70. Der Riesen-Kat kann vollständig „personalisiert“ werden. Sprich, es gibt eine unendliche Auswahl an Ausstattungen und Dekoren.

Fountaine Pajot MY 4.S
Solide 36 Fuß: Fountaine Pajot MY 4.S © Werft
Sunreef 70
Riese auf zwei Rümpfen: Sunreef 70 © Werft

Geht es dagegen am Quai Max Laubeuf aufs Messegelände, ist der Motor-Kat Fountaine Pajot MY 4.S nicht fern. Er bietet fast 40 % mehr Platz als Einrumpfboote gleicher Größe. Die Werft hat Teile ihrer Motoryacht-Flotte über Nacht länger gemacht, allerdings nur auf dem Papier. Die „4“ findet sich in den technischen Daten der Premiere nicht wieder: Der Motor-Katamaran ist elf Meter lang, also 36 Fuß.

Nicht weit davon entfernt stellt Axopar das Sondermodell Brabus Shadow 900 XC vor, die neueste Variante der Zusammenarbeit mit dem Bottroper Autotuner. Als Weltpremiere zeigt die finnische Firma auf dem Sprung zum Weltmarkt die Axopar 25 mit T-Top-Dach. Außerdem ist das neue 22-Fuß-Modell Axopar X Jobe unter den ausgestellten Booten.

Axopar X Jobe
Axopar X Jobe © Werft

Am Quai Saint-Pierre angekommen, ist die Solaris Power 44 Open mit einer Länge von 13,47 m zu besichtigen. Der sehr große Tender läuft mit zwei IPS650-Motoren (Volvo Penta D6) und erreicht – wer’s braucht – mehr als 38 Knoten.

Groß und größer

Nach dem Quai Saint-Pierre folgt die Pantiero-Esplanade, wo die Motoryachten zwischen 10 und 25 Metern liegen. Beneteau zeigt hier als Messe-Weltpremiere den Grand Trawler 62, dessen Schöpfer wir interviewt haben.
Ebenfalls auf der Esplanade präsentiert der niederländische Bootsbauer Roughneck das ebenso komfortable wie optisch elegante RIB Roughneck 1010. Das 10-Meter-Boot gibt es in zwei Versionen: als Open und als Kabinenversion.

Azimut Grande Trideck
38 Meter auf drei Decks: Azimut Grande Trideck © Werft

Etwas weiter im Vieux Port, auf der Jetée, zeigt Azimut sein erstes „Plus-Eins“-Schiff mit drei Decks, die Grande Trideck. Bei einer Schiffslänge von 38,20 Metern ergibt das … wie viele Meter Deck? Die italienische Werftgruppe, die vor allem Superyachten baut, setzt schon lange auf Cannes statt auf Genua, um große Schiffe zu zeigen.

Wally WHY 200
Wally wird wuchtig: die WHY 200 © Werft

Ebenfalls auf der Jetée zieht Sanlorenzo den Kürzeren. Denn mit 36,92 m Länge ist die SL120 anderthalb Meter kürzer. Dafür ist das Design interessanter, da asymmetrisch – mit einer seitlichen Brücke an Backbord. Der klingende Name Wally ist der Ferretti-Gruppe wenige Meter weiter gut genug für ein erstes Superyacht-Projekt: WHY 200 heißt der elegante Motor-Einrümpfer mit Panoramablick.

Neuheiten von A bis Z

Weitere Highlights nach Marken in alphabetischer Reihenfolge? Aber gerne. Der spanische Hersteller Astondoa stellt sein 25 Meter langes Superyachtmodell As8 erstmals international vor. Das neueste Modell der Flybridge-Linie, die As5, und die Astondoa 377 Coupe sind nicht viel kürzer.

Fairline Yachts bringt als Weltpremiere die F//LINE 33 mit, der ein neues Cockpit-Layout und Hardtop verpasst wurde. Außerdem als Neuheit angekündigt sind die Targa 45 und Targa 50 (beide als Open) und eine Targa 65.

Auch Grand Banks, Spezialist für seegängige und extrem robuste Motoryachten, zeigt Neues. Lange hat’s gedauert, jetzt ist es soweit mit der europäischen Markteinführung der Grand Banks 54.

Neue Dayboat-Serie von Jeanneau

Eine neue Serie luxuriöser Tagesboote hat Jeanneau im Juli angekündigt. Diese neue Linie wird auf der Cannes Boat Show vorgestellt. Die offizielle Markteinführung erfolgt zur boot Düsseldorf im Januar 2022 mit der Präsentation des ersten Modells. Außerdem gibt es Updates bei den Cap Camarats.

Merry Fisher 795 Sport
Merry Fisher 795 Sport der Serie 2 © Werft

Neu sind die Cap Camarat 7.5 der Serie 3 in den Deckvarianten CC und WA. Ebenfalls neu und in Cannes zu sehen ist auch die neueste Merry Fisher, das Modell 795 Sport. Gezeigt werden in Cannes auch die von uns bereits gefahrenen Familienboote Merry Fisher 1095 Fly und die Cap Camarat 12.5 WA – neben einigen anderen Segelyacht- und Motorbootmodellen von Jeanneau.

Lagoon stellt in Port Canto die Seventy7, die Sixty5 und die Modelle 55, 46, 42 und 40 vor. Der finnische Hersteller Nautor Swan zeigt neben der 58er-Premiere die zweite Baunummer seiner 30 Meter langen Swan 98, entworfen von German Frers.

Neel 43
Dreibeiner Neel 43 © Werft

Neel ist die Werft, die ihren Namen bei Bedarf umdreht, wenn einmal Motor-Multihulls gebaut werden. Als Weltpremiere gezeigt werden die Neel 43, die im Frühjahr ihren Stapellauf hatte, und auch die Neel 47 wird ausgestellt.

Princess, Prestige und andere Riesen

In nur wenigen Jahren hat die italienische Werft programmatisch mächtig ausgebaut und eine schöne Reihe edler Motorboote neben der Segelyacht-Range aufgelegt. Das bislang größte Schiff ist die Pardo Endurance 60, die wir auf der Bootsmesse in Cannes selbst am Steuer kennenlernen werden.

Prestige X70
Prestige X70 © Werft

Im vergangenen Jahr erstmals als Rendering auf der boot Düsseldorf gezeigt und im letzten Spätsommer nur kurz angekündet, wird die Prestige X70 jetzt als Messe-Weltpremiere in Cannes gezeigt. float geht an Bord und fährt raus mit dem Erstling der neuen Modellreihe. Wir werden berichten. Außerdem zu sehen sind die Prestige-Modelle 420, 520, 590, 460 S und natürlich die neue Prestige 690.
Für die britische Marke Princess Yachts ist Cannes mindestens ebenso wichtig wie die fast parallel laufende nationale Messe in Southampton. An der Mittelmeerküste werden die neue Princess Y72 weltweit erstmals und die Princess X95 als Europapremiere vorgestellt.

Von Ryck bis RIB

Eine Weltpremiere fern der Heimat hat in Cannes das Familienboot Ryck 280. Die neue Motorbootmarke der Hanse Group ist nach dem Flüsschen am deutschen Hauptquartier der Werft benannt, wird in Polen gefertigt und weltweit ausgeliefert.

Ryck 280
Hattrick von Hanse: Ryck 280 © Werft

Erstmals begegnete uns Silent Yachts vor einigen Jahren beim Cannes Yachting Festival. Wir besichtigten die Silent 55, fuhren den Solarkatamaran wenig später mit den BOB-Juroren – der Rest ist Award-Geschichte. Beim CYF 2021 erstmals zu sehen ist die neue Silent 60, die mit einem rotierenden Segel ausgestattet ist und so für noch mehr Autarkie bei dem mit Solarzellen und hybridem Antrieb ausgestatteten Schiff sorgt.

Kommen wir damit zu den RIBs. Die neue Tecnorib Pirelli 35, eine griechisch-italienische Zusammenarbeit, ist zum ersten Mal in Cannes ausgestellt, zusammen mit der 42-Fuß-Version. Den BOB-Juroren steht die schnelle Premiere auch auf dem Wasser zur Verfügung.

Die neue RIB Couture zeigt der französische RIB-Pionier mit der Zodiac Medline 9 mit einem Jahr Verspätung, denn im Jahr 2020 fielen so gut wie alle Bootsmessen aus. Brandneu ist das neue elektrische Tender-RIB, das Zodiac als Weltpremiere in Cannes zeigt. Angetrieben werden die 3,10 und 3,40 m kurzen Boote der eOpen-Serie mit Außenbordern des Typs Torqeedo Cruise. Die „große“ Variante mit Torqeedo Deep Blue gibt es schon etwas länger.

Trennung von Segeln und Motorbooten

Zum zweiten Mal ist das Festival nach Bootstypen gegliedert. Motorboote sind im Vieux Port ausgestellt, während die Segelboote im Port Canto am anderen Ende des prächtigen Boulevards de la Croisette festgemacht werden.

Cannes Segelhafen Port Canto
Der neue Segelhafen Port Canto in Cannes © Reed

Um mehr Publikum zu den Seglern zu bringen, ist der Eintritt zum Port Canto, der als neuer Standort das Platzproblem der Messe löste, bis 11 Uhr kostenlos. Ein Shuttle-Service zu Land und zu Wasser verbindet die beiden Häfen. Der Landweg zu Fuß ist, wir haben es wiederholt ausprobiert, eher mühsam und länglich.

Ein für Probefahrten reservierter Bereich

Aus Sicherheitsgründen, wie es offiziell heißt, wurde ein neuer Bereich für Probefahrten eingerichtet. Es ist nämlich möglich, mit Termin aufs Meer hinauszufahren, um das ein oder andere Boot betreut zu testen. Der Testhafen liegt jetzt außerhalb der eigentlichen Veranstaltung, um die Besucherströme innerhalb des Hafengebiets zu reduzieren.

Bisher starteten die Boote, wo sie eben im Vieux Port lagen. Und sie mussten dazu den Laufweg der Messegäste passieren, der über eine Klappbrücke führte. Das Hafenkino entfällt also, wenn man vor der offenen Klappbrücke den Bootsneuheiten beim Auslaufen zuschaut.

Grüne Zone in Cannes

„Der Yachtsport verschließt nicht die Augen gegenüber der Umweltkrise“, heißt es in einer der jüngsten Pressemeldungen der Veranstalter. „Marinas, der nautische Sektor, Bootsindustrie und Bootsnutzer sind sich seit einigen Jahren der Folgen ihrer Aktivitäten für die Umwelt bewusst.“ Erkenntnis ist bekanntermaßen der erste Schritt.

Pinball Boat
Teils elektrisch: das Pinball Boat © Werft
Overboat
Overboat, elektrisch auf Foils © Werft

Was bedeutet das fürs Cannes Yachting Festival? Ein weiteres Segment innerhalb der Veranstaltung, die sich beriets 2019 einen etwas grüneren Anstrich gab. In diesem Jahr können Besucher einer „grünen Route“ folgen, wo gut 50 Aussteller rund 80 Boote oder Equipment vorstellen, die unter „umweltfreundlichen Gesichtspunkten innovativ“ sind. Wir beleuchten dieses Segment in einem eigenen Beitrag in der kommenden Woche.

Digital und mit Maske

Zuletzt 2019 waren mehr als 50.000 Besucher in Cannes, bei mehr als 550 Ausstellern. Beim Konflikt mit den Behörden 2020 ging es um sehr viel geringere Besucherzahlen, die gleichzeitig aufs Gelände durften. Aber vor zwölf Monaten war auch noch niemand geimpft.

Cannes
Frankreichs Seglerlegende Jean Le Cam nimmt kein Blatt vor den Mund, höchstens eine Maske © Olivier Blanchet / Alea

Zum ersten Mal ist der Ticketverkauf des Yachting Festivals vollständig digital. An den Eingängen werden keine Eintrittskarten mehr verkauft. Besucher kaufen vorab ein E-Ticket mit QR-Code. Wer aufs Gelände will, muss einen gültigen Gesundheitspass vorzeigen.

„Wenn möglich“ wird es in einigen Bereichen Einbahnwege geben, damit die Besucher mit unterschiedlicher Laufrichtung sich nicht ins Gehege geraten. Das Tragen einer Maske ist Pflicht, sowohl innen als auch im Außenbereich. Damit wird das Yachting Festival in Cannes auf jeden Fall eine heiße Sache.

Yachting Festival Cannes in Daten

Wo: Vieux Port und Port Canto, Cannes
Wann: 7. bis 12. September 2021 von 10 bis 19 Uhr, am Fr bis 22 Uhr
Mehr: Lageplan und Online-Tickets auf der englischsprachigen Website

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