float Magazine

Hurrikan Hanna Hurrikan Hanna am 25. Juli 2020 vor Texas © NASA
Wetter

Die Hurrikans wüten wieder

Die Hurrikan-Saison ist in vollem Gange – Hanna und Douglas haben bereits gewütet, Isaias könnte in den kommenden Tagen folgen.

von
Sebastian Wache
in
4 Minuten

Auch wenn in Zeiten von Corona vieles von heute auf morgen anders ist, auf eines ist weiterhin Verlass: das Wetter und damit die ersten tropischen Stürme in dieser Saison. Gerade ist Hurrikan Douglas an Hawaii vorbeigezogen, und Hurrikan Hanna hat in Texas gewütet. Segler, die sich in der Karibik, auf den Bahamas oder in den USA aufhalten, sollten deshalb jetzt täglich den Blick auf die Vorhersagen richten.

Mit dem wärmer werdenden Wasser kommt ab Mai durch Verdunstung ausreichend Feuchtigkeit in die Luft. Gemeinsam mit der starken Sonneneinstrahlung und den sich über Zentralafrika austobenden Gewitterzellen ergeben sich Störungen, die ihre Energie aus der Luftfeuchtigkeit ziehen.  Diese Störungen finden dann möglicherweise als Hurrikans ihren Weg in Richtung Karibik oder die USA finden. So ist zumindest der klassische Weg.

Viel mehr Stürme als in den Vorjahren

Dieses Jahr sahen wir auch die Bildung tropischer Stürme vor den Küsten des Westatlantiks. Das hat nichts mit den Wellenstörungen in der tropischen Ostströmung, den so genannten Easterly Waves bei den Kapverden zu tun, sondern eher mit kalter Höhenluft aus dem Norden.

Schauen wir uns die Entwicklung der letzten zehn Jahre an, sehen wir, dass es in diesem Juli bereits neun Stürme gibt. Im Vergleich dazu hatten wir bis zum Juli 2019 nur zwei Stürme, im Jahr 2017 waren es bis dahin nur zwei. Wir hatten dieses Jahr im Vergleich zu allen anderen Jahren schon die doppelte Anzahl Stürme.

Es war zwar mit einem hochaktiven Jahr gerechnet worden, aber die Anzahl von schon bisher neun ist beeindruckend. Zumal es zwischendurch zu den typisch massiven Staubtransporten kam. Diese wurden mit den östlichen Winden aus der Sahara aufgewirbelt und nach Mittelamerika getragen. Das hat die Bildung von tropischen Stürmen unterbunden.

Hurrikan
Störung Nr. 9 und zwei weitere hochaktive Zonen (gelbe Pfeile) © WetterWelt

Schauen wir jetzt auf das aktuelle Satellitenbild, sehen wir nicht nur die Bildung von Sturm Nummer 9, der bei entsprechender Entwicklung auf den Namen Isaias getauft wird. Wir sehen auch weitere hochreichende Wolkenentwicklungen auf dem Weg zu und bei den Kapverden. Das weist auf eine starke konvektive Aktivität hin, also die Hebung der Luftmassen und viel Transport von Wasserdampf in die Atmosphäre. Das wiederum ist die Grundlage für die Bildung von tropischen Stürmen.

Wöchentlich die neue Wetterlage

Aufgrund dieser Häufung und wegen des Potentials, dass die ersten möglichen Stürme schon früher als üblicherweise zu sehen sind, informieren wir bei der WetterWelt wöchentlich über die Wetterlage für Karibiksegler. Wir konnten so schon viele Segler sicher über den Atlantik routen. Einige davon waren wirklich anspruchsvoll. Bereits im Mai sollten sich mit Arthur und Bertha die ersten Tropenstürme auf der Route von der Karibik zu den Azoren zeigen und die Routen der Segler maßgeblich beeinflussen.

Hurrikan Douglas
Hurrikan Douglas vor Hawaii © NASA

Nicht nur auf dem Atlantik sind Stürme aktiv, sondern auch auf dem Pazifik. Hawaii hat erst vor ein paar Tagen mit dem Hurrikan Douglas zu kämpfen gehabt. Die Inselgruppe kam aber glücklicherweise recht glimpflich davon. Auch dort sind wir bereits bei Sturm Nummer 8. Die erste tropische Störung mit starken Winden wurde sogar schon im April registriert.

2020 wird eine Rekordsaison

Diese Saison startet also nicht nur überaus früh, so bringt bisher auch mehr Stürme. Wenn es so weitergeht, steuern wir auf eine Rekordsaison hin. Natürlich sagt die Häufigkeit der Sturmtätigkeit noch nichts über die zu erwartende Stärke aus: Erst ab 118 km/h wird ein Sturm zu einem Hurrikan. Mit dieser Kraft richtet er allerdings auch sehr viel Schaden an. Vor allem die Wassermassen, die sich in der feuchtwarmen Region bilden, sind für die eher ungeschützten Inseln in der Karibik verheerend.

Die weltweit ansteigenden Temperaturen erwärmen auch die Wassertemperaturen der Meere. die Verdunstung nimmt zu, es gelangt mehr Wasserdampf und Energie in die Atmosphäre. Und das verstärkt die Hurrikans. Hurrikan Irma im Jahr 2017 war der bis dahin stärkste jemals gemessene Hurrikan. Klima- und Hurrikanforscher erwarten, dass wir Hurrikans der höchsten Kategorie 5 immer häufiger zu erwarten haben.

Stürme haben ein schwer vorhersehbares Eigenleben

Mit den Vorhersagen sollte man dennoch vorsichtig sein. Denn die tropischen Stürme haben häufig ein „Eigenleben“ und sind von den üblichen Wettermodellen der Meteorologen nur schwer exakt vorherzusagen. Das zeigte sich deutlich beim Sturm Gonzalo: Alle Prognose-Modelle waren bis 24 Stunden vorher davon ausgegangen, dass der Sturm die Insel Grenada nördlich passiert. Am Ende zog er, etwas abgeschwächt, direkt über die Insel hinweg.

Satellites See Hurricanes Douglas, Hanna

Anders war es der Hurrikan Hanna. Als tropischer Sturm entstand er im Golf von Mexiko und sollte so auch auf Texas treffen. Kurz bevor er die Küste erreichte, wurde er auf Hurrikan-Niveau hochgestuft –zum ersten Mal in diesem Jahr im Atlantik. Isaias (Nummer 9) könnte noch in den kommenden Tagen folgen.

Es ist also Vorsicht für alle Segler in der Region geboten. Der tägliche Blick auf die Wettermodelle ist in diesen Tagen absolut Pflicht.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.