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Freundeskreis Klassischer Yachten 12mR-Yacht „Sphinx“ beim Rendezvous der Klassiker 2017 © Sören Hese
Szene

Ein Fest für Classic Sailors

Deutschlands Klassikerszene traf sich in Hamburg

Tommy Loewe
von in
5 Minuten

Seit mehr als zehn Jahren füllt sich am ersten Februar-Wochenende die marmorne Halle des Hamburger Völkerkunde-Museums mit hunderten Enthusiasten der klassischen Yachtszene. Dann lädt der Freundeskreis Klassischer Yachten (FKY) zum alljährlichen Wintertreffen an der Rothenbaumchaussee ein. Und jeder darf kommen, egal ob Mitglied oder nicht.

Die Eigner und Mitsegler von klassischen Jollen, Schärenkreuzern, Jollenkreuzern oder den imposanten Meterklassen bemühen sich um Plätze im Auditorium, einem großen Hörsaal mit alten Holzbänken, um dort Vorträgen zu lauschen. Andere bleiben einfach in der Halle oder im Restaurant, um alte Freunde zu treffen und über ihre schwimmenden Schätze und die Abenteuer auf Reisen und Regatten des vergangenen Sommers zu schnacken.

Freundeskreis Klassischer Yachten

Spannende Vorträge im Auditorium des Völkerkunde-Museums © Ariane Schulz

Wieder sind viele aus der ganzen Republik gekommen, einige sogar aus Österreich, der Schweiz und aus Skandinavien. Wilfried Horns, der Haupt-Initiator des FKY, sieht man die Freude an: Nach mittlerweile 30-jährigem Bestehen findet der Freundeskreis heute höchste Beachtung und Zuspruch in der internationalen Klassikerszene. Und das in ganz Europa, von St. Tropez bis Risör in Norwegen, und vor allem auch in Übersee und an der amerikanischen Ostküste.

Die Beiträge an diesem Abend sind abwechslungreich: Der Schweizer Bootsbauer Stefan Züst erzählt äußerst poetisch und mit lakonischem Humor von seiner Reise entlang der schwedischen und finnischen Küste bis zu den Åland-Inseln. Ansässig in Altnau am Bodensee hat er einen Lake Constance Pilot Cutter (LCPC) entworfen und in seiner Werkstatt gebaut. Das neun Meter lange Boot mit Hubkiel ist sogar trailerbar.

Seinen Cutter hat Züst im letzten Sommer per Trailer nach Stockholm gebracht und ist damit 1.500 Seemeilen rund um den Bottnischen Meerbusen geschippert. Mal war er alleine, mal unterwegs mit einem Freund. Da er gerade zum zweiten Mal Vater geworden war, musste er seine Island-Reise erstmal verschieben. Diesen Abschnitt wollte er zusammen mit der Familie segeln. „Sofie ist noch ein Baby, und was mögen Babies? Klar, Busen! Damit war die Entscheidung klar.“ erzählt er verschmitzt seinem Publikum. Stefan Züst berichtet hier nicht zum ersten Mal von seinen Abenteuern: Seine Reise einhand rund Irland oder von den 1.000 Seemeilen entlang der norwegischen Nordwestküste waren auch schon Thema beim FKY.

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Das interessierte Publikum © Ariane Schulz

Auch die anderen Beiträge sind ausgesprochen interessant: Dirk Grah berichtet sehr launig von der dreijährigen Restauration seiner Hansa-Jolle 73 von Abeking und Rasmussen von 1958, die auf den Namen „Sans Soucis“ hört. Das Neusetzen von 1.800 Mahagoni-Proppen ist nur ein Beispiel für die vielen von ihm selbst ausgeführten Arbeiten an seiner A&R-Jolle. Für das aufwändige Projekt hat Grah den Restaurierungspreis bei den Hamburg Summer Classics 2017 des Hamburger Segel-Clubs erhalten. Zwischenzeitlich habe er das Schiff schon in „Wir schaffen das“ umbenennen wollen, erzählt Grah. Dafür wollte er die Bundeskanzlerin als Taufpatin gewinnen. Das Kanzleramt habe eine nette Absage geschickt. Und „Sans Soucis“ – ohne Sorgen – sei schließlich auch ein schöner Name.

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Dirk Grah und Wilfried Erdmann © Ariane Schulz

Ausnahmesegler Wilfried Erdmann von der Schlei wurde für seine 1.268 Seemeilen weite Fahrt mit der Hansa-Jolle 33 „Kathena Gunilla“ geehrt. Sie führte ihn 2003 in 144 Tagen einmal rund um die damals noch neuen Bundesländer. Erdmann war seinerzeit vor allem von der Einfachheit des kleinen Kielschwerters begeistert.

Als dritter Referent berichtete der Hamburger Tim Müller von seiner zweijährigen Ausbildung auf der International Yacht Restauration School in Newport, Rhode Island. Die Restauratorenschule war im Jahr 1995 von der ehemaligen J-Class-Eignerin Elizabeth Meyer gegründet worden. Mitgebracht hat Müller aus der neuen Welt reichlich Know-how, viele Freundschaften und ein tolles kleines Bötchen vom Typ Beetle Cat. Dieses Boot segelt nun ein Freund von ihm auf der Hamburger Alster.

Alle Beiträge waren mit erstklassigen Fotos bebildert, die das Erzählte dokumentierten. Fotokunst – unterlegt mit stimmungsvoller Musik – boten die Diashows der Yachtfotografen Nico Krauss und Sören Hese. Ihre Bilder veranlassten Moderator Wilfried Horns zu dem Statement, dass Holzbootsegeln einfach glücklich macht.

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Klassischer Spitzgatter, Titelbild des Bildbands 'Kleine Klassiker' © Nico Krauss

Rolf Bähr, der ehemalige DSV-Präsident und frühere Vorsitzende des Berliner Vereins Seglerhaus am Wannsee, der kürzlich sein Jubiläum feierte, lud zum 150. Jubiläum der ältesten deutschen Regatta am 9. und 10. Juni 2018 auf die Berliner Dahme ein. Es gab auch Informationen zu den Regatten, dem Rendezvous der Klassiker in Kiel, 125 Jahren Aal-Regatta in Eckernförde und 30 Jahren German Classics vor Laboe.

Freundeskreis Klassischer Yachten

30. German Classics 2018 © Hinnerk Bodendieck

Traditionell fand der Abend mit einer Filmvorführung seinen Ausklang. Filmbilder von Tom Nitsch mit traumhaften Szenen vom Klassikersegeln bei Sonne und Wind vor St. Tropez ließen den Gästen das Herz aufgehen. Erst gegen Mitternacht machte sich die Seglerschar im Hamburger Winterschmuddelwetter auf den Heimweg – um viele Eindrücke, neue Bekanntschaften und Begegnungen mit alten Freunden reicher.

Eine weitere Veranstaltung für die Klassiker-Szene hatte bereits am Vortag im Völkerkundemuseum stattgefunden: Beim 4. Classic Yacht Symposium drehte sich alles mehr um Fachfragen, sachliche Information und Diskussion. Etwa 130 Bootsbauer, Bootseigner und andere Interessierte waren gekommen, um einem Vortrag über klassische Rennjollenklassen von Artur Vlasaty aus Wien zu folgen. Zu erleben war auch eine profunde Abhandlung über Korrosion von Dr. Joachim Göllner von der Universität Magdeburg.

Auch zwei Restaurationsprojekte wurden vorgestellt: Der Bootsbauer und Werftbesitzer Heiner Kemmer berichtete von der Komplett-Restauration eines beinahe verlorenen 30er-Schärenkreuzers, der „Hathi“ von 1928. Der gelernte Bootsbauer Arne Kind berichtete von der Restauration der „Karo 3“, eines Vertens-Kreuzers von 1933, die er vollständig in Eigenarbeit durchführt.

Beide Projekte ähneln sich, nicht nur hinsichtlich der Materialverwendung und Konstruktionsweise: Der Arbeitsaufwand war in beiden Fällen zuletzt fast doppelt so groß wie vorab eingeschätzt. Und unterscheiden sich doch: Während der eine Restaurator seinem Kunden die im Verlauf des Projekts steigenden Kosten erklären muss, genießt der andere die ruhige und konzentrierte Arbeit als Ausgleich zum Beruf.

Eine Podiumsdiskussion mit Branchenexperten zum Thema geriet aufgrund der ausführlichen Vorträge leider etwas zu kurz. Dafür gab es beim abschließenden gemeinsamen Abendessen Gelegenheit, viele Themen noch eingehender zu besprechen – ein äußerst gelungenes Format.

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50er Seefahrtkreuzer bei den 60 Seemeilen von Berlin © Sören Hese

Der FKY wartet übrigens immer noch auf eine Entscheidung der Stadt Kiel, ob er das Gelände des ehemaligen British Yacht Clubs in Stickenhörn für sein geplantes Zentrum klassischer Yachtsport mit Yachthafen und gläserner Werft nutzen kann. Deshalb war dieses Projekt beim Wintertreffen noch kein Thema. Der Verein residiert derzeit weiter in der ehemaligen Polizeiwache in Kiel-Holtenau und hofft.

Eine positive Entscheidung wäre der ständig wachsenden, engagierten Mitgliederschaft zu wünschen, die im Gegensatz zum allgemeinen Trend im Segelsport erstaunlich viele jüngere Leute mitzieht. Wer einmal in Laboe bei den German Classics – an Land oder auf dem Wasser – dabei war, kennt den Spirit in dieser Szene.

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