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America's Cup ACR AC 75 Monohull Der neue AC-75-Monohull American Magic des New York Yacht Club trainiert vor Rhode Island © Amory Ross / AC
36. America's Cup

Fliegen für den Cup

Der America’s Cup ist eine Welt für sich; voll starker Persönlichkeiten, spannender Rennen und skurriler Anekdoten. Eine kleine Einführung.

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11 Minuten

Die Traditionalisten hatten sich zu früh gefreut: Nachdem für den kommenden America’s Cup Einrumpfboote vorgeschrieben worden waren, frohlockten viele Fans. Sie nahmen an, die berühmte Regatta würde nun endlich wieder zum Segeln auf die gute, alte Art zurückkehren, weg von den rasenden Sportgeräten, die eher schweben als schwimmen.

Pustekuchen: Kurz nach der Herausforderung wurde der neue AC-75-Monohull als Konzept vorgestellt. Was war das für ein Schiff! Nicht nur die konservative Fraktion machte große Augen.

Beim 36th America’s Cup, der im Februar 2021 im Hauraki-Golf vor Auckland (Neuseeland) starten soll, werden nun also erstmals AC-75-Yachten am Start sein. Es ist davon auszugehen, dass diese Konstruktionen während der gesamten Regatta übers Wasser fliegen werden.

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So sollte der Bootstyp werden: Entwurf für den neuen AC 75 Monohull © ETNZ

Noch schwieriger zu segeln

Sie haben zwar nur den einen Rumpf – aber an seinen Seiten dicke Gelenke, über die seltsam geschwungene Arme mit riesigen Foils ins Wasser gesenkt oder daraus hervorgeholt werden.

Beim Segeln wird das gesamte Gewicht des Rumpfes jeweils von der Tragfläche in Lee aus dem Wasser gehoben. Die Boote sind direkte Nachkommen der foilenden Katamarane. Aber: Sie sind noch etwas schwieriger zu segeln.

Der 1,1 Tonnen schwere Foil, der gerade nicht im Wasser ist, tut Dienst als Luvballast, während sein Zwilling in zehn Meter Entfernung das Schiff aus dem Wasser stemmt. Die so erzielte wirksame Breite des Schiffs gibt ihm seine Power. Die elfköpfige Crew bringt nochmal bis zu 990 Kilo Ballast auf den Hebel.

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Die Britannia von Team Ineos trainiert vor Portsmouth (UK) © Lloyd Images/AC

Die Schiffe haben keinen Kiel

Die Schiffe haben keinen Kiel, sie fliegen tatsächlich nur auf dem Lee-Foil und den „Tragflächen“ des Ruders übers Wasser. Ein Balance-Akt wie bei einer riesigen „Moth“. Der Brite Ben Ainslie, einer der Herausforderer, räumte ein, dass er beim Training mit einem Übungsboot viel geschwommen ist.

Von acht Teams, die sich zur Herausforderung gebildet hatten, sind ein Jahr vor dem Cup nur noch drei übrig:

Britannia (Royal Yacht Squadron Racing, Team Ineos)
Luna Rossa (Circolo della Vela Sicilia, Team Prada Pirelli)
Amerian Magic (New York Yacht Club, Teams Bella Mente Racing, Quantum Racing)

Cup-Verteidiger Emirates Team New Zealand startet für die „Royal New Zealand Yacht Squadron“. Alle Teams dürfen zwei Boote bauen: Eines zum Testen und Lernen. Das zweite ist dann das Boot für die entscheidenden Wettkämpfe.

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Vorbereitungen in Auckland: der AC 75 Monohull von Team New Zealand © ETNZ

Vor 170 Jahren begann es

Es war ein weiter Weg vom Schoner „America“, der dem Cup seinen Namen gab, bis zum heutige Wettbewerb. Er begann – das wurde schon öfter erzählt – mit einem Rennen um die Isle of Wight anlässlich der Weltausstellung 1851. Ein paar amerikanische Geschäftsleute um den Gründer des New York Yacht Club wollten es den Engländern, die vor nicht allzu langer Zeit noch ihre Kolonialherren gewesen waren, einmal richtig zeigen.

Sie waren mit der neugebauten „America“ einer Einladung des angesehensten englischen Clubs, der Royal Yacht Squadron, gefolgt. Darin war von Freundschaft, aber nicht vom Regattasegeln die Rede. Industriell waren die Amerikaner auf der Weltausstellung mit Revolvern der Marke Colt, landwirtschaftlichem Gerät und einem begabten Schlossöffner, Mr. Briggs aus New York, vertreten. Insgeheim befanden sich die Vereinigten Staaten jedoch längst auf dem Weg zur bedeutenden Industriemacht.

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Noch im selben Jahr von Fitz H. Lane in Öl verewigt: Die America gewinnt 1851 die Regatta © Public Domain

Faule Ausreden der Briten

Zunächst fand sich kein Gegner für die „America“: Die britischen Gentlemen mochten nicht gegen dieses Schiff antreten. Schon bei der Ankunft vor Cowes war es seinem Empfangskomitee davon gesegelt. Auch als die Amerikaner ein Preisgeld von 10.000 Pfund auslobten, passierte nichts. Faule Ausrede der Briten: Die „America“ gehöre keinem einzelnen Gentleman, sondern einem Syndikat.

Erst als die angesehene Londoner „Times“ den Mut ihrer Landsleute anzweifelte, erklärte man sich bereit, die „America“ beim Club-Rennen um den 100 Guineas Cup der Königin mitsegeln zu lassen. „America“ startete als Letzte nach 14 britischen Yachten. Doch nach der Häfte der 58 Meilen hatte sie das Feld bereits zweieinhalb Meilen hinter sich – und siegte komfortabel mit 24 Minuten Vorsprung (andere Quellen sprechen von acht Minuten) vor der britischen „Aurora“.

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Erster Sieger und Namenspate: die Schoneryacht America in einer späteren Aufnahme © Public Domain

Die prominente Zuschauerin Queen Victoria soll an Bord ihrer Yacht einen Offizier gefragt haben, wer denn Zweiter sei – worauf der Mann entgegnete: „Es gibt keinen Zweiten, Madam.“ Aber diese Andekdote ist vermutlich zu schön, um wahr zu sein.

„Aurora“ rechnerisch Sieger

Es gab durchaus einen ehrenvollen Zweiten: „Aurora“ war das kleinste Schiff der Flotte und hätte nach jeder Handicap-Formel der Welt rechnerisch vorn gelegen. Was der „America“ letztlich ihren Sieg eingetragen hat, das waren ihre radikalen, scharfgeschnittenen Linien, ihre dichter gewebten Baumvollsegel und das Können ihres Skippers Dick Brown, eines New Yorker Lotsen.

Besseres Material, bessere Konstruktion, seglerisches Können – das sollte die kommenden 160 Jahre das Erfolgsrezept bei America’s Cup bleiben. Dazu viel Geld und die Bereitschaft, mit harten Bandagen zu kämpfen, gern auch vor Gericht.

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Der Kommodore des America's Cup: John Cox Stevens © Public Domain

1857 starb John Cox Stevens, der von seinem Amt als Kommodore des NYYC zwei Jahre zuvor zurückgetreten war. Seine Erben übergaben dem Club den Cup und einen Brief: die 239 Worte lange Stiftungsurkunde, die berühmte „Deed of Gift“. Diese Urkunde ist bis heute gewissermaßen die Verfassung des America’s Cup. Sie legt unter anderem fest, dass der Cup ein freundschaftlicher Wettbewerb zwischen Ländern sein soll. Doch zugleich müssen es immer Clubs sein, die den Verteidiger herausfordern – und keine Einzelpersonen oder Regierungen.

Steinreiche Herausforderer

Der Herausforderer muss deshalb immer ein Club „eines anderen Landes“ sein. Für den kommenden Wettbewerb konnte also kein neuseeländischer Club den neuseeländischen Verteidiger herausfordern. Doch in Wirklichkeit sind es immer Personen, die als treibende Kraft hinter einer Herausforderung stecken. In den meisten Fällen steinreich: Harold S. Vanderbildt, Sir Thomas Lipton, Baron Marcel Bich, der „Hinterwäldler“ Bill Koch (der sich selbst als „hick from Kansas“ beschrieb), der Australier Alan Bond, der Schweizer Pharma-Milliardär Ernesto Bertarelli, der amerikanische Software-Milliardär Larry Ellison.

Die Club-Suche der Cup-willigen Multimillionäre und Milliardäre nimmt bisweilen bizarre Formen an. Vom Mercury Bay Boating Club, der 1987 noch nicht einmal ein Bootshaus besaß sondern nur einen Wagen am Strand, hatte man noch nie gehört, bis der Investmentbanker und Eigentümer der Insel Great Mercury, Michael Fay, seine Herausforderung startete. Larry Ellisons Leute sprachen 2001 mit einem halben Dutzend Yacht-Clubs in Kalifornien, bevor Ellison, bis dahin ein Fremdkörper im Segelestablishment, sich für den sehr bodenständigen Golden Gate Yacht Club entschied, um mit ihm den Genfer Club „Societé Nautique de Genève“ (Alinghi) herauszufordern.

Viel Geld, Ehrgeiz und Ego

Im kommenden Cup ist der italienische Club „Circolo della Vela Sicilia“ der Challenger of Record, dahinter steckt das Luna-Rossa-Team des Prada-Milliardärs Patrizio Bertelli. Der Gedanke, dass Clubs und keine Personen die Herausforderer sein sollen, war gut. Aber er bildet nur eine Art Gegengewicht zur Realität. Der America’s Cup war die Spielwiese ausgesprochen reicher Männer, denen es vor allem um nationale Ehren geht, und ein bisschen Ruhm für sich selbst.

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1901: Die drei Yachten Constitution, Columbia und Independence nach dem Start © Public Domain

Die amerikanischen Boote hießen entweder nach amerikanischen Tugenden „Freedom“, „Liberty“, „Coureageous“, „Endeavour“ oder „USA“, „Yankee“, „America“, „America³“ „Young America“ und „Stars and Stripes“. Dahinter standen immer Männer mit Geld und sozialem Ehrgeiz und großem Ego. Ein amerikanischer Journalist verglich ihre Cup-Aktivitäten drastisch mit den Weitpinkel-Wettbewerben kleiner Jungs.

Das sehen die Eigner natürlich anders: Für Bill Koch (1992, „America³“) war es eine intellektuelle Herausforderung. Er gewann den Cup im ersten Anlauf, ein Novum in der Geschichte, und gab „nur“ 68 Millionen Dollar aus.

Rechtliche Spitzfindigkeiten

Des weiteren schreibt die Deed of Gift den New York Supreme Court als das Gericht vor, das im Falle von Streitigkeiten anzurufen ist. Außerdem skizziert sie den Herausforderungsprozess: Wer als erstes dem Inhaber des Cups eine Herausforderung reicht, muss als Herausforderer akzeptiert werden. Es muss weiterhin ein Club sein, der seine Jahresregatta auf einem See- oder Küstenrevier abhält. Dieses kann auch – wie im Falle des Schweizer Clubs – etwas weiter entfernt sein, etwa im Mittelmeer.

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In den 30ern der gängige Schiffstyp für den Cup: die J-Class © Public Domain

1987 hatte der Neuseeländer Michael Fay die Amerikaner überrumpelt, indem er seinem Anwalt einfach mal die Deed of Gift zu lesen gab. Der Jurist fand prompt heraus, dass es keine Vorschrift gab, die als Schiffstyp die damals üblichen Zwölfern verlangte. Die Zwölfer waren nur eine Vereinbarung zwischen den Parteien – wenn man sich nicht einig wurde, galt die Deed of Gift.

Und die schrieb lediglich eine Wasserlinienlänge vor: maximal 90 Fuß bei slupgetakelten Yachten und 115 Fuß bei Zweimastern. Fay forderte den San Diego Yacht Club bei der Austragung im Jahr 1988 mit einem 90-Fuß-Schiff heraus. Die Amerikaner hatten keine Chance, mit einem ähnlich großen Schiff zu kontern, aber ihnen fiel auf, dass die Deed of Gift auch die Anzahl der Rümpfe nicht vorgibt. So antwortete Dennis Conner mit einem 45-Fuß-Katamaran. 44 Fuß ist die kürzeste Wasserlinienlänge, die die Deed of Gift zulässt.

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Sail Stars & Stripes today: Segeln gehen auf dem Siegerschiff von 1987 © Public Domain

Ende der alten Rennyachten

Bis 1988 wurden die Cup-Rennen mit mehr oder weniger normalen Rennyachten ausgetragen. Es waren prachtvolle Schiffe, jeweils die Top-Produkte des zeitgenössischen Yachtbaus. Mit fachkundiger Crew konnten auch normale Segler sie steuern. In Auckland segeln heute Touristen auf ausgedienten America’s Cuppern, und sie dürfen auch ans Steuer.

Nach den Riesenschiffen der frühen Jahre kam die J-Class (1930 – 1937), nach dem Zweiten Weltkrieg die 12-mR-Klasse, die berühmten Zwölfer. Diese Klasse beruhte auf einer Formel von 1908, die mehrfach modernisiert wurde. Vielen gilt diese Zeit als die Blüte des America’s Cups.

Auf der Verteidiger-Seite bewarben sich meist mehrere Syndikate um das Recht, den Cup verteidigen zu dürfen, auf der Gegenseite kämpften ebenfalls mehrere Bewerber darum, ins Match Race um den Cup einzuziehen.

1983 entriss „Australia II“, vom Konstrukteur Ben Lexcen mit einem geheimnisvollen Flügelkiel ausgestattet, den Amerikanern den „heiligen Gral des Segelns“. Sie hatten sich seiner so sicher gewähnt, dass er 132 Jahre auf seinem Sockel im New York Yacht Club (NYYC) festgeschraubt gewesen war.

1987 ging der Cup zurück

US-Skipper Dennis Conner hatte zuvor getönt, wer den Cup verliere, müssen seinen Kopf an dessen Stelle platzieren, aber er tat dies natürlich nicht, sondern holte ihn 1987 in die Staaten zurück – aber nicht zum New York Yacht Club, sondern nach San Diego. Michael Fay startete daraufhin seine Attacke mit dem Riesenschiff, die Conner mit dem oben erwähnten Kat noch einmal abwehren konnte.

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Herausforderer 1988: Die 90-Fuß-Einrumpfyacht KZ 1 der Neuseeländer © Chatani

Ab 1992 brach eine neue Ära an. Die Zwölfer galten als überholte Formel, in der die Konstrukteure die Schiffe nur noch mit Tricks schneller machen konnten, eine neue Formel musste her, die International America’s Cup Class (IACC). Es waren schlanke Schiffe, die bei 26 Meter Länge nur 4,5 Meter breit waren. Von 24 Tonnen Gesamtgewicht entfielen 19 Tonnen auf den Kielballast.

Auch der Cup-Modus wurde verändert, der America’s Cup sollte für das Publikum über längere Zeit spannend und damit für die Sponsoren lohnend sein. Was den Cup seit jeher so spannend macht, ist die Tatsache, dass er ein Match Race, ein Zweikampf ist. Es gibt einen Sieger und mindestens einen, manchmal auch mehrere Verlierer. There is no second, Ma’am.

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2009 vor San Diego: Das Team USA trainiert für den großen Zweikampf © G. Martin-Raget/BMW Oracle Racing

Archaisches Duell unter Segeln

Es ist die archaische Geschichte von David gegen Goliath, Ali gegen Forman, ein dramatischer Zweikampf. Auch wenn sich mehrere um den Job des Duellanten bewerben – am Ende bleibt es ein Duell. Unter den potenziellen Herausforderern ist der erste, der eine Herausforderung einreicht, der so genannte challenger of record.

Der Verteidiger braucht keine weiteren Herausforderungen zu akzeptieren. Der Challenger of Record kann mit dem Verteidiger Regeln aushandeln, andernfalls gilt – wir kennen das bereits – die Stiftungsurkunde.

Der Cup ging 1995 nach Neuseeland, dann wieder in die USA, dann wieder nach Neuseeland. Für die Neuseeländer war ihr Skipper Russell Coutts ein Nationalheld, und später ein Vaterlandsverräter, als er beim „Alinghi“-Team des Schweizer Pharma-Milliardärs Ernesto Bertarelli anheuert.

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Der Monster-Trimaran BMW Oracle von Larry Ellison © G. Martin-Raget/BMW Oracle Racing

Dort war auch der dreifache deutsche Olympia-Sieger Jochen Schümann als Segler und als Manager eingestiegen, der mit Bertarelli und Coutts 2003 und 2007 den Cup gewann.

2010 krempelte Herausforderer Larry Ellison zusammen mit Russell Coutts, der jetzt den Schweizern den Rücken gekehrt hatte, die AC-Welt komplett um. Mit einer Klage hebelte Ellison die gesamte Konkurrenz aus.

Er gewann mit dem Monster-Trimaran „BMW-Oracle“, dessen Wing-Mast 67-Meter hoch war, in nur zwei Rennen den Cup gegen den Katamaran „Alinghi“. Danach führten Coutts und Ellison eine „Weltcup“-Serie mit 45-Fuß-Katamaren ein, um die Herausforderung und den eigentlichen Cup wurde in 72-Fuß-Katamaranen gesegelt.

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Ab 2011 im Einsatz: One Design AC 45-Katamarane bei einer Vorregatta der World Series © AC

Knapper Sieg für das US-Team

Die Rennen um den 34. America’s Cup waren das Dramatischste, was das Publikum je sah: In einer Serie von 17 Wettfahrten lagen die Neuseeländer mit Dean Barker als Skipper bereits 8:1 vorn, es fehlte ihnen nur noch ein Sieg zum Cup. Auch bei der nächsten Wettfahrt gingen sie als erste durchs Ziel, die allerdings wegen des knappen Zeitlimits nicht gewertet wurde.

Doch die Amerikaner gaben sich nicht geschlagen. „Was, wenn wir ab jetzt jedes Rennen gewinnen?“ fragte „Oracle“-Skipper Jimmy Spithill laut. Und sein Team hatte die Lektionen aus den vorangegangenen Niederlagen über Nacht gelernt. Es verteidigte den Cup. Nie sah ein Verlierer so bemitleidenswert aus wie ETNZ-Skipper Dean Barker.

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Dramatischer Auftakt, am Ende siegreich: BMW Oracle kenterte beim Training vor San Francisco © AC

Den nächsten Cup, diesmal auf AC-50-Katamaranen vor Hamilton (Bermuda) gewannen die Neuseeländer, die damit vorerst die Katamaran-Ära beendeten.

Deutsche blieben dem Cup fern

Ernsthafte Initiativen aus Deutschland hat es übrigens bisher nicht gegeben. Der Internet-Milliardär Ralph Dommermuth brachte 2005 erstmals eine deutsche IACC-Yacht an den Start. Die Gattin des damaligen Bundespräsidenten Eva Luise Köhler taufte sie 2006 auf „Germany One“.

Doch nach entmutigenden Platzierungen zogen sich die Sponsoren bald zurück. Zu einem echten Angriff auf den Cup ist es nie gekommen – möglich, dass es hierzulande einfach an schwerreichen Egomanen mit Segel-Passion mangelt?

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2017 auf Bermuda: Den 35. America's Cup gewannen die Neuseeländer © Hamish Hooper/ETNZ

Für eine erfolgreiche Cup-Teilnahme benötigt der Herausforderer – trotz aller Versuche, die Kosten einzudämmen – auch heute mindestens 100 Millionen Euro. Larry Ellison hat vor zehn Jahren angeblich 300 Millionen US-Dollar versenkt.

Noch geht es harmonisch zu

Aktuell geht es für einen America’s Cup bisher geradezu harmonisch zwischen Verteidiger und Challenger of Record zu. Man einigte sich auf den Bootstyp. Dann die Wettfahrtregeln. Zuletzt auf die Windgeschwindigkeiten, bei denen gekämpft werden darf. Wegen des Corona-Virus wurden die ersten zwei Regatten der Weltserie vor Cagliari (Sizilien) und Portsmouth (GB) abgesagt, unter Einschaltung des Schiedsgerichts.

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Die Defiant von Team American Magic trainiert vor Rhode Island © Amory Ross/AC

So bleibt nur noch das „Weihnachtsrennen“ der Weltcup-Serie, bei dem Verteidiger und Herausforderer ihre Kräfte messen können. Diese Weltcup-Serie hat mit dem eigentlichen America’s Cup aber nichts zu tun, sie ist nur gut fürs Publikum und die Sponsoren. Erst im Februar 2021 wird es auf dem Hauraki-Golf vor Auckland ernst.

Dann geht es in der eigentlichen Herausforderer-Serie, dem Prada-Cup (früher: Louis-Vuitton-Cup), darum, wer in den entscheidenden Match Races ab dem 6. März 2021 gegen Neuseeland segelt. Wer als erster sieben Punkte hat, hat die „Kanne“. Sollten es die Briten sein, könnte der 100-Guineas-Cup der Queen Victoria nach 170 Jahren endlich die Heimreise antreten.

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2013: Die Kanne wartet auf den Sieger des 34. America's Cup in der Bucht von San Francisco © America's Cup

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