float Magazine

So wie in Neustadt ist die Lage überall an der Ostsee: Liegeplätze sind Mangelware. © Ancora Marina So wie in Neustadt ist die Lage überall an der Ostsee: Liegeplätze sind Mangelware. © Ancora Marina
Liegeplatzsuche

Hilfe, ich finde keinen Liegeplatz für mein Boot!

Der Boom im Bootsmarkt hat eine Kehrseite: In vielen Häfen an der Küste und im Inland ist nichts mehr frei. Welche Alternativen gibt es?

von
in
5 Minuten

Am Berliner Wannsee machte kürzlich ein kurioser Deal von sich reden: Der Eigner einer schmucken Bayliner-Motoryacht kaufte sich ein zweites Boot, einen leicht grünspanigen Fünf-Meter-Kajütkreuzer aus den 1970er-Jahren. Tatsächlich ging es dem Berliner nicht um das Boot – das wurde rasch verschrottet. Das eigentliche Kaufobjekt war der dazugehörige Liegeplatz in einem kleinen Yachthafen am westlichen Seeufer. Denn dort werden Parkmöglichkeiten für Boote zur Mangelware.

Wie sieht’s anderswo mit freien Dauerliegeplätzen aus? „Ganz schlecht!“, sagt Ralf Schmidt vom Yachthafen Ancora Marina in Neustadt. Wer für sein neues Boot eine Box braucht, kriegt eine freundliche Absage. Die Marina, mit 1.400 Liegeplätzen eine der größten Deutschlands, ist bis auf den letzten Platz ausgebucht. Nur einen Platz auf der Warteliste bietet Schmidt an – doch wie lang die ist, kann er nicht sagen. „Das ist dynamisch.“

Auch eine Prognose der Wartezeit fällt dem Yachthafen-Chef schwer: „Das kann nächste Woche sein, aber auch erst nächstes Jahr.“ Es spielt auch keine Rolle, ob die anfragende Person ein Acht-Meter-Boot unterbringen will oder eine 15-Meter-Yacht.

Sporthafen Kiel
Alle neun Häfen des Sporthafens Kiel sind vollständig ausgebucht © Sporthafen Kiel

Nebenan in Kiel sieht es nicht besser aus. „Wir sind übervoll“, heißt es beim Sporthafen Kiel, der insgesamt 2.000 Liegeplätze von der Innenförde bis nach Schilksee verwaltet. Im vergangenen Jahr habe man 300 Absagen verschickt. Eine Warteliste führe man schon seit Jahren nicht mehr. Wichtigster Tipp aus dem Management: „Schauen Sie erst nach einem Liegeplatz, bevor Sie sich ein Boot kaufen – manche stehen jetzt da mit ihrer Zehn-Meter-Yacht und finden nichts.“

Müritz
Pfahlhäuser in den Kanälen der Müritz sind keine Ankerplätze © Kerstin Zillmer

In vielen Yachthäfen ist die Situation ähnlich, sagt auch Axel Brinkmann vom Skipperportal des ADAC: „Das betrifft vor allem die Hotspot-Reviere Ostsee, Müritz und Brandenburgische Gewässer.“ Brinkmann führt das Gedränge in den Häfen vor allem auf den Wassersport-Boom in Folge der Corona-Krise zurück. „2021 hat sich allein die Zahl der Bootsführerscheinprüfungen um 15 Prozent gesteigert.“ Er empfiehlt, möglichst viele Yachthäfen abzuklappern. Tipp: Vereine haben oft noch Liegeplätze speziell für Mitglieder, da lohne eine genauere Nachfrage.

„Der Liegeplatz wird zum Nadelöhr“

„Die Menschen sind verzweifelt, der Liegeplatz wird zum Nadelöhr“, sagt Hans Jaich, größter privater Marina-Betreiber in Deutschland. An sieben Standorten von Bremerhaven bis Rügen vermietet Jaich rund 1.600 Plätze. „Wir waren schon vor der Krise gut ausgelastet, jetzt müssen wir vielen absagen.“ Auch Jaich hat eine Warteliste, doch die Dynamik sei extrem unüberschaubar – daher tut auch der Marina-Betreiber Jaich sich mit Prognosen der Wartezeit schwer.

Was nach Willkür klingt, berührt ein grundsätzliches Problem: Wie bei der Vergabe von Kindergartenplätzen gibt es bei Bootsliegeplätzen keine zentrale Steuerung. Wer einen Platz sucht, hinterlässt wohlmöglich in einem Dutzend Yachthäfen ein Gesuch. Wird irgendwo etwas frei, meldet sich die Marina – doch viele Eigner sagen die übrigen Wartelistenplätze oft nicht ab, sodass sie als Karteileichen weitergeführt werden.

Heiligenhafen
Fast 500 Boote stehen auf der Warteliste, der Hafen bietet 800 Liegeplätze © Sebastian Weimer / Yachthafen Heiligenhafen

Jaich: „Sogar Händler klagen schon, dass sie keine Boote verkaufen können, weil die Liegeplätze fehlen.“ Grotesk: Vor zehn Jahren hatte der Marinabetreiber in einer Studie eine spürbare Schrumpfung prognostiziert. „Unser Szenario war, dass wir 2020 eine Auslastung von 70 Prozent haben würden.“ Das ist nun Geschichte. Natürlich dürfte die Begeisterung bei manchen Neu-Wassersportlern nach Corona wieder sinken: „Sicher, das Wetter kann zu Frust führen – aber Boote sind langwährende Wirtschaftsgüter, die verschwinden nicht so schnell.“ Hinzu kommt: Wie im Automarkt wachsen auch auf dem Wasser die Bootsgrößen seit Jahrzehnten, der verfügbare Parkraum im Hafen nimmt also zwangsläufig ab.

Auch Mooring-Häfen erfordern Infrastruktur

Jaich rechnet daher auch damit, dass die Liegegebühren steigen müssen. Aufgrund der Inflation und heftig erhöhter Wasserpachten der Wasser- und Schifffahrtsämter. Das macht auch die Entwicklung neuer Häfen schwierig. „Es ist leicht, in diesem Geschäft rote Zahlen zu schreiben – allein eine Spundwand verschlingt Millionen.“

Ein besonders krasses Beispiel: Der Yachthafen Kopperby am Ostufer der Schlei machte vor fünf Jahren dicht, weil sich die Modernisierung nicht lohnte. Inzwischen hat er neue Eigentümer, der Umbau ist angeblich im Gang. Doch hier handelt es sich um maximal 100 Liegeplätze. Ein Tropfen auf den heißen Stein?

Kopperby
Der Yachthafen Kopperby am Ostufer der Schlei vor der Stilllegung © im Jaich

Tatsächlich gibt es in den nächsten Jahren wenig Chancen, dass größere Kapazitäten entstehen, glaubt Hans Jaich: „Die Karten sind gelegt, an der Küste sehe ich keine neuen Entwicklungsflächen mehr.“ Im Mittelmeer sind Yachthäfen mit Ankerbojen verbreitet, könnten solche Mooring-Häfen in Deutschland eine Alternative sein? Jaich glaubt das nicht: „Auch wenn man auf Steganlagen verzichtet, ist die Infrastruktur an Land genauso groß, Sie benötigen Parkplätze, WC usw. – und Schwellschutz natürlich auch.“

Marina Minde
Marina Minde in Dänemark wirbt mit Liegeplätzen © Marina Minde

Wer sich eine Yacht zulegen will, könne allenfalls noch ins Ausland ausweichen. Zum Beispiel nach Dänemark: In der nördlichen Flensburger Förde wirbt der Yachthafen Marina Minde mit „Platz für alle“. In fast allen Größen sollen dort noch Liegeplätze vorhanden sein. Die Miete für ein Zehn-Meter-Boot kostet dort über die Sommersaison 1.450 Euro.

Im Vergleich zu anderen Revieren ist das günstig. So sind am Mittelrhein Jahresmieten von 2.000 oder mitunter sogar 4.000 Euro für ähnliche Bootsgrößen bekannt. Und auch hier: „Man kann sich ja glücklich schätzen, überhaupt einen Liegeplatz zu haben“, wie ein Eigner kürzlich im Facebook-Forum „Bootfahren auf dem Rhein“ zum Thema sagte. In Holland soll es nach Aussagen im Forum ähnlich sein.

Zwei Seemeilen nördlich der dänischen Marina Minde im Nübeler Noor betreibt der Soeholm Yacht Service seine Werft mit Hafen. Dazu gehören nicht nur Wasser-, sondern auch Landliegeplätze. Axel Brinkmann vom Skipperportal hält die Lagerung an Land für eine mögliche Alternative: „Wäre eine logische Konsequenz, die Boote liegen doch ohnehin 95 Prozent der Zeit ungenutzt im Hafen.“

Im Mittelmeerraum sind Landliegeplätze üblich

Brinkmann kennt diese Nutzungsart aus dem Mittelmeerraum. Dort seit es durchaus üblich, Eignern einen Landliegeplatz inklusive einer pauschalen Anzahl von Kran-Terminen zu vermieten. Yachten werden so aufgepallt, dass die Crews in der „Trockenzeit“ an Bord wohnen können. Inklusive Treppenanlagen, um sicher von und an Bord zu gelangen. Sogar Landstrom- sowie Frisch- und Abwasserversorgung sind vorhanden.

Hochlager
Keser in Berlin stapelt Neuboote platzsparend im Hochlager. Der Platz ist auch hier rar. © Keser

In anderen Häfen seien regelrechte Hochregallager entstanden, um Yachten sicher zu verstauen und bei Bedarf per Gabelstapler blitzschnell verfügbar zu machen. Marina-Betreiber Hans Jaich sieht diese Option eher skeptisch: „Kranen ist viel zu teuer.“ Doch wenn Wasserliegeplätze zur raren Pretiose werden, spielt diese Investition wohlmöglich bald keine Rolle mehr.

Tipps zur Liegeplatz-Suche

  • Erst den Liegeplatz suchen, dann das Boot kaufen!
  • Suchen Sie möglichst alle Häfen in der bevorzugten Region auf, sprechen Sie persönlich mit Hafenmeistern!
  • Vereine reservieren oft Liegeplätze für ihre Mitglieder, dort kann sich eine Mitgliedschaft doppelt auszahlen.
  • Schauen Sie regelmäßig auf Aushänge, Schwarze Bretter, Kleinanzeigen-Märkte. Auch Tauschbörsen in Supermärkten etc. können helfen!
  • Hinterlassen Sie dort selbst Inserate – je aussagekräftiger, desto besser!
  • Wenn Neuware nicht so wichtig ist: Suchen Sie ein gebrauchtes Boot, das Sie gleich mit Liegeplatz kaufen können! So wie Theresa das gemacht hat.
  • Wenn ein paar Meter weniger nicht zählen: Kaufen Sie ein Trailerboot (maximal 7-8 Meter), dann benötigen Sie keinen Dauerliegeplatz.
  • Weichen Sie auf weniger angesagte Reviere und Häfen aus.
  • Gründen Sie eine Eignergemeinschaft – das ist auch wirtschaftlicher und nachhaltiger!

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

Reklame
Reklame