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Kap der Guten Hoffnung

Hoffnung mit Tücken

Was Afrikas bekanntestes Kap besonders macht

Stephan Boden
von in
4 Minuten

Unter Seefahrern gibt es eine besondere Auswahl an herausragenden Meilensteinen: das Kap Hoorn, den Äquator, den arktischen und antarktischen Kreis – und natürlich das Kap der Guten Hoffnung.

Seitdem das Vorgebirge im Süden Afrikas 1488 vom portugiesischen Seefahrer und Entdecker Bartolomeu Dias für die moderne Seefahrt entdeckt wurde, ranken sich viele Geschichten und Sagen um den Felsen. Dias war vom portugiesischen König Johann II. beauftragt worden, einen Seeweg nach Indien zu finden. Von den Meeren südlich des Äquators war damals kaum etwas bekannt, es gab weder Karten noch Aufzeichnungen.

Zwar war man sich schon lange sicher, dass die Erde keine Scheibe ist. Aber wie man von A nach B kommt, wusste man nur an bekannten Küstenlinien. Lange ging man davon aus, dass südlich der Sahara die Erde zu Ende ist. Dennoch waren die Vertreter der christlichen Seefahrt, auch wegen Marco Polos Entdeckungsreisen über Land, der guten Hoffnung, dass es einen Weg gen Osten über das Wasser nach Indien gab – anders als Christoph Kolumbus, der den Seeweg nach Indien eher im Westen vermutete.

Indien war das Land mit den kostbaren Gewürzen, und der Handel mit dieser Region boomte seinerzeit in Europa. Einen „schnellen“ Seeweg dorthin zu finden, war deshalb eine lukrative Mission. Portugal unternahm erhebliche Anstrengungen, sich diesen Handelsweg exklusiv zu sichern. Fast 3.000 Seeleute kamen bei dieser Suche ums Leben. Mit der Entdeckung des Kaps durch Dias wurde diese gute Hoffnung jedoch wieder größer.

Dias nannte die Landspitze bei der Entdeckung zunächst das „Kap der Stürme“. König Johann II. von Portugal gab dem Felszipfel später – wegen der gestiegenen Hoffnung auf lukrative Geschäfte – den heutigen Namen. Vasco Da Gama schaffte es schließlich 1498, den Weg um das Kap herum nach Indien zu finden. Noch heute wird der Name in englischsprachigen Ländern als ein Synonym für erreichte oder zu erreichende Meilensteine benutzt, sprich für Hoffnungen.

„It is my cape of good hope, and if it isn’t I will probably bite your nose off.“ (Es ist mein Kap der guten Hoffnung und falls nicht, beiße ich Dir die Nase ab.) Mervyn Peake

Karte von 1757 © J. vd. Schley via Wikimedia Commons

Tischtuchwolken

So schön der Name auch klingt, so zickig ist dieses Revier. Deshalb wird die Gegend noch heute gerne Kap der Stürme genannt. Zwischen Mai und Oktober ist hier unten Regenzeit, anschließend wehen oft die sehr gefürchteten Southeaster oder es herrscht totale Flaute. Hinzu kommt der von den Einheimischen „Tablecloth“ (also Tischtuch) genannte Föhnwind, der vom Tafelberg herabweht und diesen mit herabhängenden Wolken umhüllt – so wie ein Tischtuch.

Hier der aktuelle Wind am Kap

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Tablecloth-Fallwind über Kapstadt © pixabay

Dem Seefahrer setzt jedoch neben Sturm und Fallwinden vom Tafelberg noch etwas anderes zu: der Agulhas-Strom. Diese Strömung bringt, aus dem Indischen Ozean kommend, warmes und salzhaltiges Wasser ans Kap, bevor der bis zu vier Knoten starke Strom gleich nach der Rundung der Südspitze wieder kehrtmacht. Das Wasser trifft dort nämlich auf den kalten Benguela-Strom aus dem Atlantik. So entstehen mächtige Ozeanwirbel, die teilweise 200 Kilometer Durchmesser haben und bis zu zwei Knoten schnell sind. Sie sind noch in fünf Kilometern Tiefe messbar.

Das Strömungslabyrinth und gegenläufig drückender Wind führen zu unangenehmen, teilweise gefährlichen Wellen bis zu fünf Metern Höhe. Es geht dort oft wie in einem großen Eierkocher zu. Die Südspitze Afrikas ist außerdem für sogenannte Freak-Waves bekannt, also Monsterwellen, deren Höhe mehr als das Doppelte des Mittelwerts der höchsten Wellen eines Seegangs überschreitet. Diese Ungetüme können kleine Schiffe nahezu verschlucken.

Hier die aktuelle Strömung vorm Kap

Denkmal für Bartolomeu Dias in Kapstadt © RedCoat, via Wikimedia Commons

Bis zu den Zeiten moderner Navigation per Plotter hatte das Kap der Guten Hoffnung noch eine weitere Tücke parat, die zahlreiche Opfer forderte: Segelschiffe, die von Osten kamen, konnten das östlich des Kaps der Guten Hoffnung gelegene Cape Hangklip leicht mit Cape Point verwechseln, das zusammen mit den Kap der Guten Hoffnung den Wegpunkt markiert, an dem man wieder nach Norden fährt. Ein fataler Fehler! Denn so segelten viele Schiffe statt um Afrikas Spitze herum in eine Bucht, die deswegen auch False Bay (also Falsche Bucht) genannt wird. Dort wurden bei Tauchgängen mehr als 300 Schiffswracks gefunden.

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© Johantheghost, via Wikimedia Commons

Bis der Suezkanal im Jahr 1869 dem Kap der Guten Hoffnung die seefahrerische Bedeutung nahm, fürchtete man dieses Kap mehr als Kap Hoorn. Wohl auch deshalb ist die Legende des Fliegenden Holländers am Kap der Guten Hoffnung verortet: Der unglückselige Kapitän Bernard Fokke schwor und fluchte im Sturm, notfalls bis zum jüngsten Tag zu segeln, um dieses Kap zu umrunden. Dieser Fluch traf ihn selbst, und der Sage nach irrt er seither auf dem Meer herum, ohne einen Hafen anzulaufen oder durch den Tod erlöst zu werden. Der Unglücksrabe Fokke kann dort unten nicht mal baden gehen, denn es gibt vor dem Kap auch eine Menge Haie.

Das Kap der Guten Hoffnung ist übrigens nicht der südlichste Punkt Afrikas. Den bildet das weiter südöstlich gelegene Kap Agulhas. Man ist bis heute nicht zu 100 % sicher, ob der Entdecker Dias 1488 das „Kap der Stürme“ oder doch das Kap Agulhas vermessen hat. Details wie dieses und zu anderen Indien-Entdeckungsreisen waren wegen ihres hohen Werts als Wissensvorsprung beim Finden eines Handelsweges zu den asiatischen Gewürzen von den Portugiesen streng geheim gehalten worden.

Alle Aufzeichnungen dazu hielt man 100 Jahre unter Verschluss. Als der Engländer Sir Francis Drake das Schloss von Sagres 1587 niederbrannte, wurden alle Unterlagen aus der Entdeckerzeit zerstört. Man weiß heute also nur noch sehr wenig mit Bestimmtheit über die Entdeckungsfahrten im südlichen Afrika. Dennoch gilt Dias als der Entdecker eines der berüchtigsten Kaps der Welt.

Entdeckerstrand am Tafelberg © pixabay

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