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Christianhavn Kopenhagen Gemütlich von der Land- und der Seeseite: Christianshavn © float
Reise

Hygge in Christianshavn

Frischer Hanf und altdänischer Glamour: Christianshavn ist eine Segler-Idylle am Rand von Kopenhagens Altstadt.

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6 Minuten

Der Landgang in Kopenhagen ist Pflichtprogramm für alle Segler, die auf einem Urlaubstörn am Öresund vorbeikommen. Natürlich gibt es die großen Marinas nördlich der Stadt. Doch das ist nichts gegen das Erlebnis, mit dem Boot direkt in das Herz der Metropole zu fahren.

Das Ziel ist Christianshavn. Die im 17. Jahrhundert angelegten künstlichen Inseln und Kanäle waren seinerzeit Teil einer gewaltigen Verteidigungsanlage, später ein Handelsstützpunkt, dann ein Armeleuteviertel. Heute ist Christianshavn ein hippes Szeneviertel zwischen der eleganten Kopenhagener Innenstadt und der Freistadt Christiania, der ehemaligen Militäranlage und heute alternativ geprägten autonomen Gemeinde.

Einfahrt nach Kopenhagen mit historischer Szenerie

Schon bei der Einfahrt nach Kopenhagen von Norden wird die Geschichte der Hansestadt als ehemaliges Handelszentrum der Ostsee sichtbar. Zur Linken sind Industrieanlagen mit Kais für die direkte Rohstoff-Löschung. Gegenüber liegt das Trekroner Fort, das eines der bedeutendsten Zeugnisse der großen Seeschlacht von Kopenhagen von 1801 ist.

  • Das Trekroner Fort wacht über die Stadt © Florian Nierich
  • Seeschlacht in Miniaturform im ehemaligen Marinemuseum © Florian Nierich
  • Die Öresundbrücke aus der Perspektive von Christianshavn © Florian Nierich

Hier hatte der britische Admiral Horatio Nelson während der Schlacht den Befehl seines Flaggschiffs zum Rückzug verweigert, die dänische Flotte besiegt und sich zu Hause den Titel als Seeheld gesichert. Hunderte britische und dänische Seeleute starben bei dem Gefecht.

Weiter geht es mit kleiner Fahrt durchs Hafengebiet, vorbei am Schloss Amalienborg, dem Amtssitz der Königin, auf der rechten und dem ehemaligem Militärhafen auf der linken Seite. Wer Glück hat, erblickt die Königsyacht „Dannebrog“. Sie liegt oft östlich des Fahrwassers auf Reede.

Nach etwa 20 Minuten geht es hart Backbord in den Christianshavns-Kanal. Hier ist erst mal Schluss, denn zwei Fahrradbrücken blockieren den Weg. Sie zeigen, was in Kopenhagen heute Vorfahrt hat: Das Fahrrad ist hier das Hauptverkehrsmittel. Die Fahrradwege sind an diesem Punkt vierspurig und während der Rushhour voll ausgelastet.

Christianshavn
Die neuen Fahrradbrücken sind die Lebensader zwischen Innenstadt und Christianshavn © Florian Nierich

Liegeplatz in Christianshavn

Nach einiger Wartezeit öffnen die Brücken, und es geht hinein in die floating City von Kopenhagen. Jetzt heißt es Augen offen halten und die nächsten Manöver mit Bedacht wählen. Denn dieser Kanal ist nicht nur ein wunderschöner Liegeplatz, sondern auch der Hauptverkehrsweg für Freizeit- und Touristenboote und für Segelyachten eine Sackgasse. Selbst die Picknickboote fahren hier elektrisch.

Mit teilweise deutlich weniger als zehn Meter Breite und vielen Stand-Up-Paddlern, Kanuten und Touristenschiffen gilt es Ruhe zu bewahren und den ersten freien Platz zu besetzen.

Christianshavn
Viele Boote und wenig Platz zum Manövrieren © float

Wem der Liegeplatz gehört und wo man das Hafengeld entrichten soll, lässt sich nur bei lokalen Seglern und Bewohnern in Erfahrung bringen. Die sprechen zumeist Englisch, vereinzelt auch Deutsch.

Als Liegeplatz zu empfehlen ist die Backbordseite bei Einfahrt bis zum ersten Stichsteg gegenüber vom Büro für „Kriminalforsorgen“. Diese Liegeplätze bieten Strom und ein Waschfloß mit Dusche und Toilette. Die Hafengebühren sind mit umgerechnet 10 bis 15 Euro überschaubar.

Christianshavn
Auf der Südseite liegt man im vorderen Teil im Päckchen © float

Nach dem Anlegen gibt es natürlich Anlege-Øl (das örtliche Bier) und ein Hafenkino der ganz besonderen Art. Denn diese Wasserstraße lebt: Bis spät abends fährt hier alles, was schwimmen kann, an uns vorbei – vom kleinen Floß mit Band bis zum Cigarette-Powerboot mit blubberndem V8-Motor. Dabei fällt immer wieder ein lockerer Spruch, oder ein „Cheers“ wird mit gehobener Bierflasche rübergerufen.

Diesem Treiben vom eigenen Cockpit aus beizuwohnen, ist überaus unterhaltsam. Das heute oft bemühte dänische Adjektiv „hyggelig“ drängt sich geradezu auf: Denn gemütlich, malerisch, beschaulich geht es hier zu. Und auch gelassen.

Die schwimmende Stadt

Das Leben auf dem Wasser ist in Kopenhagen omnipräsent. Ob als Tranportmittel, Wohneinheit oder für die abendliche Rundfahrt: In Kopenhagen treffen alle möglichen Arten von Booten aufeinander. Das tiefe Hafenbecken reicht bis in den Nyhavn und ermöglicht es auch großen Luxusyachten und Traditionsseglern, weit in die Stadt hinein zu fahren.

  • ChristianshavnEin paar Sixpacks Carlsberg dürfen bei einer Tour durch die Stadt nicht fehlen © Kerstin Zillmer
  • ChristianshavnOb gekauftes Boot oder Eigenbau, Hauptsache aufs Wasser © Kerstin Zillmer
  • ChristianshavnEin Floß Marke Eigenbau vor der Oper © Kerstin Zillmer
  • ChristianshavnDieser Traditionssegler ist auch auf dem Weg in die Stadt © Kerstin Zillmer
  • ChristianshavnDie flachen Touristenboote legen ein rasantes Tempo an den Tag © Kerstin Zillmer

Ein Leben auf dem Wasser ist ein Traum, den sich einige Kopenhagener realisiert haben. Die verschiedensten Arten von Booten werden hierfür je nach Budget und Bedarf umgebaut. Angefangen vom kleinen Fischkutter mit viereckigem Aufbau bis hin zum großem Hausboot mit Terrasse und Bootsanleger ist einfach alles vertreten.

  • ChristianshavnNicht nur auf Hiddensee werden Reetdächer gebaut © Kerstin Zillmer
  • ChristianshavnEinige Boote würden ohne permanente Lenzpumpe wohl nicht lange schwimmen © Kerstin Zillmer
  • ChristianshavnHausboot mit Boot und Kajak © float
  • ChristianshavnDie Bar schwimmt natürlich auch © float
Christianshavn
Hier wurde eine ganze Fähre zum Hausboot umgebaut © Kerstin Zillmer

Stadterkundung

Der Tag beginnt in Christianshavn mit einem Gang zum Lagkagehuset, einer Dänischen Bäckerei, die sich neben dem Brotbacken auf das Schneckengeschäft spezialisiert hat und die unwiderstehliche „Direktørsneggl“ vertreibt.

Nach dem Frühstück dann mit dem Fahrrad in die Stadt (Mieträder gibt es an jeder Ecke). Die hat natürlich für jeden etwas in petto. Ob Schloss, Einkaufsstraße, Theater, Tivoli oder das alternative Christiania, zwei Tage Land- bzw. Stadtgang kann man sich hier mit Leichtigkeit unterhaltsam gestalten.

  • Der Eingang von Christiania © Florian Nierich
  • Alternative Häuschen in allen Formen © Florian Nierich
  • Die alten Wehrteiche dienen heute als schicke Kulisse © Florian Nierich

Zwei Himmelsrichtungen bieten zwei Extreme. Während man in Christiania auf kreativ umgestaltete Kasematten, Marihuana und Bier trifft, kann man in der nördlich gelegenen Innenstadt stilvoll einkaufen, Museen besuchen oder schick Essen gehen. Der hier gelegene Nyhavn ist bekannter als der Christianshavn. Das Festmachen ist auch hier möglich, nur zur Nacht sollten Anleger mit einem gewissen Geräuschpegel von Land rechnen.

Christianshavn
Der Nyhavn liegt nördlich des Hafenbeckens im Innenstadtbereich © Kerstin Zillmer
Christianshavn
Im Christianshavn geht es ruhiger zu © Kerstin Zillmer

Nördlich von Christianshavn hat sich seit ein paar Jahren der große Open Air Street Food Markt „Reffen“ auf dem ehemaligen Werftgelände entwickelt. Hier lässt man den Tag in entspannter Atmosphäre und großer kulinarischer Varietät ausklingen. Die gesellige Runde sollte dann besser an Bord verlegt werden. Denn dort kostet das Bier aus dem Bordlager nur ein Bruchteil – und sowieso ist es doch „Zuhause“ am schönsten! Vor allem, wenn das im Christianshavn Kanal liegt …

Streetfoodmarkt
Beim Streetfoodmarkt in Reffen © Florian Nierich

Schön war’s, weiter gehts

Nach ein paar Nächten in Kopenhagen hat man dann genug des Trubels und will wieder raus aufs Wasser. An der Fahrradbrücke bildet sich jetzt wieder eine Boots-Traube, die auf die Passage in Richtung Meer wartet.

Kopenhagen
Diese coolen Jungs waren mit ihrem kleinen Holzboot in Kopenhagen – Respekt © Florian Nierich

Es hat dann prompt etwas Befreiendes, den wuseligen Kanal mit dem Schiff zu durchfahren und die Stadt hinter sich zu lassen. Wer Richtung Süden fährt, dem sei ein Kontrastprogramm zu empfehlen.

Gleich hinter der Köge Bucht liegt der malerische Fischerhafen Bögeskov. Durch die versandete Hafeneinfahrt trauen sich hier kaum ausländische Segler hinein. Der Hafen ist dementsprechend urig und wunderbar authentisch.

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