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Ostsee, Cottbus © Patrick Pleul, ZB
Cottbuser Ostsee

Kein Wasser für den Ostsee

Der Ostsee soll das neue Wassersportparadies in Cottbus werden – wenn die Spree genug Wasser führt. Zurzeit ist hier Wasserstopp.

von
Kerstin Zillmer
in
3 Minuten

Am 12. April dieses Jahres war es soweit. Die Schleuse für die Flutung des Cottbusser Ostsees wurde geöffnet und die neue Zukunft der ehemaligen Tagebau-Region ergoß sich in die ehemalige Kohlengrube. Der Ostsee, der geplant größte künstliche Binnensee Deutschland, füllte sich langsam mit Spreewasser. 19 Quadratkilometer Wasserfläche und 26 Kilometer Küstenlinie sollen es werden.

Doch schon zwei Wochen später, Ende April 2019, war der Hahn wieder zu. Und er wird es in diesem Herbst vorerst auch bleiben. Das wurde von der LEAG, der Lausitz Energie Bergbau AG, gerade bestätigt.

Ostsee
Hier fließt das Flutungswasser aus der Spree in den Ostsee © Stadt Cottbus

Ein kleiner Bruder der Ostsee

Der Plan war und ist kühn: Die Ostsee soll bis 2025 einen kleinen Bruder bekommen: Ostsee. Die Stadt Cottbus, bisher regionale Metropole im Kohlerevier, wird damit in Zukunft zur Hafenstadt. Und die Region kann sich zu einem prosperierenden Wassersportrevier entwickeln. So hofft man in Cottbus.

Doch die Planer haben den Klimawandel nicht eingerechnet. Weil es seit zwei Jahren nicht mehr genug regnet in Brandenburg und auch die Flüsse unter Wassermangel leiden, floß nur für wenige Tage Spreewasser in das neue Seebecken.

Ausgekohlt…

Zwischen 1981 und 2015 wurden im Tagebau Cottbus Nord rund 220 Millionen Tonnen Braunkohle gefördert. Vor vier Jahren hatte es sich hier ausgekohlt, wie es im Fachjargon heißt – und der Tagebau wurde geschlossen. Aus dem braunen Kohlerevier soll im nächsten Jahrzehnt ein blaues Wassersportparadies werden.

Der Plan für die neue Nutzung der großen Kohle-Kuhle wurde schon 2001 in einem europaweit ausgeschriebenen Wettbewerb als Ideensammlung entwickelt. Der Masterplan des Ostsees enthält 17 Projekte für Tourismus, Freizeit und Erholung. Zwei moderne Häfen sind für Cottbus und Neuendorf geplant. Das ist noch nicht alles.

Dazu kommen in der Planung Surfstrände, Campingplätze und Fähranleger. Und ein Radweg rund um den See. Für die rund 24.000 Menschen, die in der Lausitz vom Kohleausstieg betroffen sind und neue Betätigungsfelder suchen, sind das neue Perspektiven.

Cottbus wird Hafenstadt

Der See wird Cottbus komplett verändern, glaubt Dennis Kettlitz, Vorsitzender des Fördervereins Cottbusser Ostsee e.V.. Der Verein will den Ostsee durch Aktionen und Informationsveranstaltungen wie den Seegang stärker ins Bewusstsein bringen. Cottbus muss den See mit der Stadt verbinden, findet Kettlitz. Zwischen See und Stadt liegen knapp vier Kilometer Wald und Industriegebiet. Wohngebiete sollen im neuen Stadtteil namens Seevorstadt entstehen. Das ist die größte Herausforderungen vor der die Stadt steht, und das ist unabhängig vom Flutungsprozess, sagt Kettlitz.

Ostsee
Häfen, Surfstrände, Campingplätze und Fähranleger sind geplant © Stadt Cottbus

Kein Seewasser aus der Spree

Wenn der See einmal komplett mit Wasser gefüllt ist, soll er ein Volumen von 150 Millionen Kubikmetern haben. Zweieinhalb bis drei Meter wird er tief sein – an manchen Stellen sogar bis zu 30 Meter. Doch in den dürren und heißen Sommern 2018 und 2019 sank der Wasserpegel der Spree so stark, dass die Flutung des Ostsees verschoben werden muss – bis auf weiteres.

In diesem Jahr mussten wegen der anhaltenden Trockenheit sogar Brandenburgs Flüsse mit Wasser aus der Talsperre Spremberg aufgefüllt werden, sagen Vertreter des Landesamts für Umwelt. Seit Mitte April 2019, nachdem der Ostsee den Hahn zugesperrt bekommen hatte, wurden 1,4 Millionen Kubikmeter Wasser in die Spree und andere Flüsse der Region geleitet. Damit sie „in Bewegung“ bleiben, wie der Leiter der Abteilung Wasserschutz, Kurt Augustin, es gegenüber der Lausitzer Rundschau nannte.

Nach aktuellen Informationen des Umweltministeriums hat das Auffüllen der Talsperren und Speicher bis zum Frühjahr 2020 oberste Priorität. Die brandenburgisch-sächsische Arbeitsgruppe „Extremsituation“ empfiehlt deshalb, dass das Abpumpen von Wasser aus Flüssen und Seen weiter eingeschränkt bleibt.

Ostsee
Zu 13 % ist der Ostsee gefüllt © D. Kettlitz

Fast eine Million Kubikmeter Wasser

Der Hahn für den Ostsee bleibt also vorerst geschlossen. Das Wasserdefizit der Spree sei noch immer zu groß, bestätigt LEAG-Sprecher Thoralf Schirmer. Der ehemalige Tagebau wird zu 80% über die Spree geflutet. Zu 13 Prozent ist der Ostsee bisher gefüllt. Die jeweils aktuelle Wasserstandsmeldung erscheint wöchentlich auf der Website der LEAG. „Bislang sind 728.656 Kubikmeter Spreewasser dort hineingeflossen“, erklärt Schirmer. Die übrigen 20% des künftigen Seewassers werden durch den Wiederanstieg des Grundwassers erwartet.

Die LEAG sieht das Flutungsziel bis Mitte der 2020er-Jahre aber nicht gefährdet. Der Unternehmenssprecher versichert: „Unser genereller Flutungsplan ist durch die anhaltende Trockenperiode nicht in Gefahr, weil wir solche längeren Trockenzeiten mit einkalkuliert haben.“ In die sechs bis sieben Jahre der Flutung hat die LEAG zwei Jahre Flutungspausen eingerechnet. Hoffentlich reicht das.

Cottbuser Ostsee: See in Sicht

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