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H-Jolle, Blaues Band © Archiv Michael Krieg
TRADITIONSREGATTA

Klassentreff mit 70

Die älteste Wettfahrtserie der H-Jollen-Klasse feiert Jubiläum.

Michael Krieg
von in
3 Minuten

Am kommenden Wochenende wird am Langen See im Südosten Berlins um das „Blaue Band“ gesegelt. Die älteste Wettfahrtserie der H-Jollen-Klasse findet im siebzigsten Jahr statt. Diesmal also am 8. und 9. Juli in Berlin-Schmöckwitz, beim Wassersportverein 1921 e.V.

Seit einigen Jahren ist das Klassentreffen, bei dem eigentlich alte und neue H-Jollen gemeinsam Regatten segeln sollten, auch das inoffizielle Meeting der klassischen, in Vollholz gebauten H-Jollen. Die Spannung ist groß: Denn in den vergangenen Jahren fanden immer weniger Eigner der Traditionsjollen den Weg nach Berlin, es sei denn, zu Jubiläumstreffen – wie 1997 zum 50. Durchgang und 2007 im 60. Jahr des „Blauen Bandes“.

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BDS-H-Jolle beim Blauen Band 2016 © Michael Krieg

Getrennte und wiedervereinigte Klasse

Die erste Wettfahrt um das „Blaue Band vom Langen See“ für H-Jollen war im August 1947 mit 33 Booten erstmalig gestartet worden. Für einige Generationen von H-Jollen-Seglern im ostdeutschen Bund Deutscher Segler (BDS) war die Wettfahrt neben der DDR-Meisterschaft die wichtigste und prestigeträchtigste Regatta des Jahres. Die Gewinner des „Blauen Bandes“ genossen in der Klasse immer größten Respekt.

Nach dem Fall der Mauer trafen sich im Sommer 1990 erstmals wieder H-Jollen-Segler aus West und Ost zum „Blauen Band“ – nach 30 Jahren Pause, nachdem bis 1961 West-Berliner H-Jollen-Segler bei dieser Regatta mit gestartet waren.

  • alternative textH 189 Gewinnerin 1955
  • alternative textH 482, Blaues-Band Gewinnerin 1958
  • alternative textBDS-H-Jollen beim Start zum Blauen Band 1980er Jahre.

Westdeutsche H-Jollen-Segler waren übrigens, mit einer Ausnahme, nie zu Gast bei dieser Regatta auf dem Langen See – im Gegensatz übrigens zu H-Jollen-Seglern aus der DDR, meist aus Ost-Berlin, die noch 1955 bei der Westmeisterschaft mit sieben Mannschaften in Steinhude vertreten waren.

Nach dem Mauerbau am 13. August 1961 konnten die Westberliner Mitglieder des H-Jollen-Clubs Grün-Weiß ihren Verein im Ostteil der Stadt nicht mehr aufsuchen. Schlimmer noch: Auch ihre Jollen wurden zurückgehalten und erst viel später auf Druck des Internationalen Seglerverbands herausgegeben. Viele Westberliner Grün-Weiß-Mitglieder wurden Mitglied im Segel-Club Nordstern Spandau am Tegeler See. Nach dem Fall der Mauer gingen einige zurück in ihren alten Verein, der inzwischen wieder seinen ursprünglichen Namen, Wassersportverein 1921 e. V., angenommen hatte. Damit schloss sich der Kreis.

Anspruchsvolle Enge im Revier

Das erste gemeinsame „Blaue Band“ 1990 war, wie man sich denken kann, für viele Teilnehmer eine äußerst emotionale und ebenso denkwürdige Veranstaltung. Neu für die westdeutschen Gäste war (und ist bis heute) die Möglichkeit, in einer der „Lauben“ zu übernachten – kleine Wohneinheiten seitlich an den Bootshäusern, die den Gästen auf dem schönen, mit Kiefern bestandenem Grundstück des Vereins zur Verfügung gestellt werden.

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Der große Regattakurs ist, je nach Windverhältnissen sowohl auf dem Langen See als auch auf dem Seddinsee abzusegeln. Es handelt sich also um einen Streckenkurs – mit der zusätzlichen Tücke einer nicht zu unterschätzenden Enge im Übergang der beiden Seen. Hier wurde mancher, der souverän führte, vom Feld nicht nur eingeholt, sondern schlicht abgehängt. Up-and-down-Kurse werden je nach Windrichtung nur auf dem Seddinsee gestartet.

Tradition des langen Listenlesens

Gewonnen haben letztendlich meist die Favoriten. An die einstigen Sieger wird, alle Jahre wieder, bei der Siegerehrung erinnert, in einer langen Liste von Jahr 1947 an – für westdeutsche Ohren war das damals eher ungewöhnlich.

Auch die H-Jolle des damaligen Obmanns der Alt-H-Jollen in der Klassenvereinigung – die H 527, ex H 386 (BDS) – stand nach über 30 Jahren wieder unter dem Baum, unter dem sie seinerzeit auf den Namen „Wackerle“ getauft worden war – mein Boot. Sie war eine der H-Jollen, die nach 1961 zunächst zurückgehalten und erst 1964 freigegeben wurde, weil ihr ursprünglicher Eigner in West-Berlin wohnte. Im Westen wurde die H-Jolle dann neu vermessen und bekam die DSV-Segelnummer H 527 (die Zwei mit Unterstrich!), Name „Kobold“. Mir wurde sie dann mit einem Deckschaden Ende der 1980er Jahre geschenkt, hergerichtet und von mir einige Jahre gesegelt, unter anderem beim ersten Blauen Band nach der Wende.

Bei der Siegerehrung und Preisübergabe 2016, als sich alle noch anwesenden Alt-Mitglieder des Vereins zur Preisübergabe eingefunden hatten, gab es seitens der Klassenvereinigung das Versprechen, dass zum Jubiläum 2017 mindestens 30 H-Jollen am Start sein werden, vor allem auch klassische. Viele Startzusagen gibt es schon. Auch Eigner der noch existierenden Siegerjollen vergangener Jahre und noch lebende Regattateilnehmer des „Blauen Bands“ haben ihr Kommen für dieses Wochenende angekündigt.

Alle Infos:
Blaues Band 2017
Wassersportverein 1921 e.V.

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