Klimawandel betrifft auch den Wassersport

Wie Klimawandel und Wetterextreme auch den Wassersport beeinflussen, war dieses Jahr am Edersee zu erleben.

Sebastian Wache

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Sebastian Wache

Noch bis morgen, den 14. Dezember, tagt im polnischen Katowice die 24. UN-Klimakonferenz. Es sei die wichtigste Klimakonferenz seit dem Paris-Gipfel vor drei Jahren, sagt Helmut Hojeski, Chef der österreichischen Delegation. Die Österreicher haben zurzeit den EU-Vorsitz inne. „Denn in Paris haben wir alle zugestimmt, dass wir bis 2018 das Regelwerk fertig haben, mit dem wir das alles auch wirklich umsetzen können. Das ist die Herausforderung.“

Prof. Dr. Paul Becker vom Deutschen Wetterdienst (DWD) fand auf der UN-Konferenz klare Worte: „Der Klimawandel ist längst in Deutschland angekommen. Das Jahr 2018 könnte hierzulande das wärmste, trockenste und sonnigste Jahr seit Aufzeichnungsbeginn werden. Das ist ein Alarmsignal und unterstreicht: Wir müssen schnell Lösungen zur Verminderung der Treibhausgasemissionen finden.“ Welche Auswirkungen haben die Veränderungen des Klimas auf den Wassersport?

  • © DWD
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Seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1881 war es, so der DWD, in Deutschland in keinem Jahr so warm wie in den ersten elf Monaten des Jahres 2018. Die Mitteltemperatur von Januar bis November 2018 lag dieses Jahr bei 11 Grad Celsius. Das sind 2,1 Grad über dem vieljährigen Mittel (gemessen von 1961 bis 1990) für diesen Zeitraum.

Auch beim Niederschlag sind die ersten elf Monate des Jahres 2018 so trocken gewesen wie nie zuvor. Insgesamt fielen bisher 482 Liter Regen pro Quadratmeter. Das sind nur 67 Prozent der in diesen Zeitraum üblichen Menge. Das Triple vollständig macht die bisherige Sonnenscheindauer im Jahr 2018. Von Januar bis November wurden vom DWD 1.990 Sonnenscheinstunden gemessen. Das ist ein Plus von 32 Prozent im Vergleich zum vieljährigen Durchschnitt.

Wetter ist nicht gleich Klima

Das Jahr 2018 hat in Europa und auch in Deutschland gezeigt, dass die Klimaveränderungen massive Auswirkungen auf unser Wetter haben und damit auf unser Leben. Aber fangen wir vorne an: In meinen Seewetter-Seminaren erkläre ich zu Beginn, dass Wetter der augenblickliche Zustand der Atmosphäre ist. Schaut man aus dem Fenster, sieht man Wetter.

Klima ist hingegen das über einen 30-jährigen Referenzzeitraum beobachtete und gemittelte Wetter. Der derzeitig gültige repräsentative Zeitraum für das Klimamittel sind 30 Jahre, und zwar von 1961 bis 1990. Die Messreihen selbst sind oftmals länger. Denn schon um 1881 begann man, die ersten Wetterdaten regelmäßig aufzuzeichnen.

Schauen wir uns die Temperaturen an, finden wir in den langen Messreihen – und auch bei der Betrachtung der aktuellen Situation im Vergleich zum Referenzzeitraum – einen eindeutigen Trend. Es wird wärmer, egal wo wir uns auf der Erde befinden. Die wohl mittlerweile deutlichste Auswirkung dieser Erwärmung zeigt sich beim Temperaturunterschied zwischen der Arktis und den Tropen. Denn genau dieser Unterschied entscheidet maßgeblich über die Tiefdruckentstehung und auch den Jetstream – das bedeutende, sich dynamisch verlagernde Starkwindband, das die Tiefs lenkt.


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Den Tiefdruckgebieten fehlt Energie

2018 war zu beobachten, dass der Jetstream in einer Höhe von etwa 10 Kilometern über der Erdoberfläche sehr schwach war und teils komplett verschwunden ist. Grund dafür war die starke Erwärmung der Arktis und die vergleichsweise weniger starke Erwärmung der Tropfen. Die Unterschiede zwischen beiden Regionen wurden geringer. So fehlte die Energie für Tiefs.

Dazu hat das Schmelzwasser Grönlands zu einem Kaltwassergebiet im Nordatlantik geführt, das die Tiefdruckbildung ebenfalls ausgebremst hat. Das Ergebnis: Die Wettersysteme wurden träger, und Hochs bewegten sich kaum noch von der Stelle. Für Touristen, Obstbauern und Wassersportler auf Nord- und Ostsee war das ein Segen. In anderen Bereichen sah es deutlich dramatischer aus.

Gerade dort, wo regelmäßig und verlässlich Regen benötigt wurde, blieb er aus. Gerade im Juli fiel nur rund 10% der Regenmenge, die sonst in diesem Monat üblich ist. Auch zwischen März und November waren die Monate nahezu bundesweit allesamt zu trocken. Im Frühling fehlten etwa 23 % Regen, im Sommer 45 % und im Herbst sogar 48 % Regen. Zusätzlich sorgte die Sonne mit der Verdunstung für einen weiteren Entzug von Wasser.

Der Mangel an Wasser hat direkte Auswirkungen auf den Wassersport, auch in heimischen Revieren.

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