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Findet dieses Jahr nicht statt: die Bootsmesse in Cannes © Reed Expo
Update Cannes Yachting Festival

Krimi in Cannes: Wer hat wann was abgesagt?

Bürgermeister, Präfekt und Veranstalter weisen sich gegenseitig die Schuld für die Absage von Europas größter Inwater-Bootsmesse zu.

von
Stefan Gerhard
in
3 Minuten

Am Freitag wurde bekannt, dass die größte Inwater-Bootsmesse Europas, das Cannes Yachting Festival, in diesem Jahr nicht stattfinden wird. Der Veranstalter Reed Expo hatte dies ab dem Vormittag den Ausstellern mitgeteilt, zuerst hatte der Branchendienst IBI darüber berichtet – und damit Informationen bestätigt, die float von Branchenvertretern und Ausstellern erhalten hatte.

Als Grund für die Absage gab der Veranstalter die nicht gegebene Genehmigung durch die regionalen Behörden an. Diese Darstellung widerspricht der zuständige Präfekt der Region Alpes-Maritime. Er hat die Verantwortung für die Absage des Festivals rundweg abgestritten. Schließlich mischte sich der Bürgermeister der Stadt Cannes ein. Er nannte das Verweigern der Genehmigung durch den Präfekten „absurd und unfair“.

„Ich habe überhaupt nichts abgesagt“

„Ich habe überhaupt nichts abgesagt“, hatte Bernard Gonzales in einem Interview erklärt, das am Samstagabend in der französischen Zeitung Nice Matin erschienen ist. Er sagte der Zeitung, dass er sich lediglich geweigert habe, eine Ausnahmegenehmigung für 15.000 statt 5.000 Personen zu erteilen.

Präfekt Bernard Gonzales
Bernard Gonzales ist Präfekt der Region Alpres-Maritime © Youtube

Der Präfekt, der erst seit 2019 im Amt ist, sagte im Wortlaut: „Nach mehrstündigen Verhandlungen mit den Organisatoren und Vertretern der Stadt Cannes, insbesondere während eines mehr als zweistündigen Treffens am Donnerstagnachmittag, habe ich mich geweigert, eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen, die es erlaubt, bis zu 15.000 Personen zu empfangen.“

Gonzales erklärte weiter, dass bei der Teilnehmerzahl „zwischen 5.000 und 15.000 Platz für Diskussionen war“. Damit spielte er die Verantwortung für die Absage zurück an den Organisator Reed Expositions. Dagegen steht die am Sonntag veröffentlichte Erklärung der Organisatoren entgegen. Hintergrund für den Disput ist vermutlich, wer für Entschädigungen von Ausstellern und Dienstleistern aufzukommen hat.

Im Vertrauen auf die Politik geplant

Aus Sicht der Veranstalter hatten man das Cannes Yachting Festival im Vertrauen auf die Politik ab Juli final geplant. „Vor drei Wochen, nach der Rede des französischen Ministers für Außenhandel Franck Riester, bestätigte das am 27. Juli 2020 veröffentlichte Dekret, wie von uns erwartet, dass Messen ab dem 1. September ohne Beschränkung der Besucherzahl stattfinden können.“

Sylvie Ernoult Cannes Yachting Festival
Sylvie Ernoult leitet das Cannes Yachting Festival © Reed Expositions

Dann stiegen die Covid-Infektionszahlen in Frankreich. Am 11. August 2020, erklärte Reed Expo heute, „machte die Regierung durch den Premierminister diese Ankündigung plötzlich und unerwartet rückgängig und beschloss, die Abhaltung von Veranstaltungen von mehr als 5.000 Personen in Frankreich bis zum 30. Oktober 2020 zu verbieten“.

Präfekt Gonzales sagte in dem Interview, er habe den Organisatoren vorgeschlagen, „ihr Modell zu überprüfen. Leider vermuteten sie von Beginn der Verhandlungen an, dass es mindestens 15.000 Personen oder gar keine sein würden.“ Gonzales erklärte, es habe keine Pläne dafür gegeben, Aussteller systematisch zu testen, und auch keine klare Einweg-Besucherführung, wie die jetzt in allen Geschäften und Läden vorgeschrieben sei.

Cannes Yachting Festival
Maskenpflicht und Markierungen sollen Besucherströme regeln © Kerstin Zillmer

UPDATE: Bürgermeister widerspricht Präfekten

In einer am Wochenende veröffentlichten Erklärung kritisierte der Bürgermeister von Cannes, David Lisnard, scharf die Entscheidung zur Absage der Messe. „Diese Entscheidung ist aus gesundheitlicher Sicht absurd, wirtschaftlich schädlich und völlig unfair“, erklärte Lisnard. „Schließlich ist diese Entscheidung völlig ungerecht, da alle anderen Veranstaltungen in der Region mit großem Publikum nicht mit gleichem Maß behandelt werden.“

Am Montagnachmittag gab das Büro des Präfekten eine Erklärung ab mit Details zu dem am Donnerstag vorgeschlagenen Kompromiss. Die Regionalbehörde forderte unter anderem die Beschränkung auf Fachbesucher, die zudem vorab angemeldet sein sollten und ein Besucherlimit von 5.000 Personen an jedem der beiden Messehäfen. Außerdem sollten Corona-Tests für das komplette Personal verpflichtend sein.

Kurzum, es waren Vorschriften, die das eigentliche Messekonzept ad absurdum führten. Die Organisatoren lehnten folgerichtig ab. Nun steht Wort gegen Wort – und das bei ordentlichem Buchungsstand, zahlreichen angekündigten Premieren und geplanten Bootstests am Rande der Veranstaltung.

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