float Magazine

© Wetterwache
Sturmflut

Landunter an der Ostsee

Das nächste Sturmtief im Norden kommt. Tief Benjamin sorgt auch für Hochwasser an der Ostseeküste.

Sebastian Wache
von in
3 Minuten

Auch in der Ostsee gibt es Gezeiten. Doch ist der Tidenhub hier meist kaum wahrnehmbar. Anders sieht es dagegen zwischen Herbst und Frühling aus. Wenn sich zwischen Island und Schottland Tiefs bilden und den Weg in die Nordsee finden, nehmen die Gezeiten in der Ostsee Fahrt auf. Eine Sturmflut, wie die Menschen an der Nord- und Ostsee sie gerade erleben, ist dann die Folge. Heute Abend wird wegen Tief Benjamin in St. Pauli der Wasserstand voraussichtlich zwei Meter über dem mittleren Hochwasser liegen. Für Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein werden heute Sturmböen bis Stärke 10 erwartet. Doch wie genau entsteht eine Ostsee-Sturmflut?

Wind drückt das Wasser Richtung Baltikum

Abhängig von der Zugbahn und Einwirkdauer des Tiefs entsteht an der Vorderseite des Tiefkerns ein Südwestwind. Je näher der Wind nun an Norddeutschland heranrückt, um so stärker wird er. Die Lage des Tiefs sorgt dafür, dass der Winddruck das Ostseewasser in Richtung Baltikum drückt. Strandspaziergänger haben dann, bei der Ruhe vor dem eigentlichen Sturm, das Glück, mehr Strand, Steine und Muscheln sehen zu können. Denn es fehlt deutlich an Wasser.

Gleichzeitig entwickelt sich an der Nordsee eine Sturmflut. Gerade, wenn ein Tief über Süd-Norwegen nach Dänemark eindringt, dreht der Wind über West auf Nordwest. Dann herrscht an der deutschen Westküste ein großer Staudruck. Große Wassermassen können sich jetzt von der nördlichen Nordsee aus auf den Weg machen, dass es zu einer Sturmflut und zum Elbe-Hochwasser kommt. An der Ostsee ist zu dem Zeitpunkt meist außer mehr Wind nicht viel los.

Sturm an Nord- und Ostsee

Der Badewanneneffekt stellt sich ein © Wetterwache

Badewanneneffekt nach der Sturmzeit

Das ändert sich 12 bis 24 Stunden nach der Sturmflut in der Nordsee rasant. Denn der Wind dreht mit dem Abzug des Tiefs über Polen weiter rechts auf Nord bis teils Nordost. Im schlimmsten Falle geht es sogar direkt auf Ost, dann sich dahinter sogar ein Skandinavienhoch einstellen sollte. Das im Baltikum angestaute Wasser strömt zurück, und der sogenannte Badewanneneffekt stellt sich ein. Weil das Ostseebecken im Vergleich zu allen anderen Meeren recht klein ist, schwappt das Wasser, unterstützt vom gedrehten Wind, auch schnell wieder zurück.

Bei nördlichen bis nordöstlichen Wind kommt neben dem Wasser aus dem Baltikum meist auch noch das Wasser aus der dänischen Südsee hinzu. Die Wassermassen treffen sich an der schleswig-holsteinischen Küste, in den Förden sowie in der Mecklenburger Bucht mit seinen Flusszuläufen. Dann bilden Wasserhöhen von mehr als einem Meter das Ostsee-Hochwasser oder die Ostsee-Sturmflut. Am Strand zeigt sich das nächste Schauspiel: Hohe Wellenberge brechen sich an den Kaimauern und kommen über. Oft sind ganze Steganlagen unter Wasser.

Sturm an Nord- und Ostsee

Stege unter Wasser

Sturm an Nord- und Ostsee

© Sebastian Wache

Das nächste Sturmtief ist da

Dieses Jahr sorgte dieses Wetterphänomen am 2. Januar für Überflutungen und erhebliche Schäden zwischen Flensburg und Wismar. Auch in dieser zweiten Januarwoche sorgt das nächste Sturmtief für diese Wetter- und Wasserlage. Wie hoch der Wasserstand an der Ostsee steigt, lässt sich meist erst 24 bis 12 Stunden vor dem erwartetem Höchststand genauer vorher sagen. Zu sehr weichen die Prognosen im Detail noch ab. Dass es allerdings zu Hochwasser kommt, ist meist aber schon an der Wetterlage sichtbar, bevor die Wasserstandsmodelle erste Ergebnisse zeigen.

Sturm an Nord- und Ostsee

Überflutungen können ganze Strandabschnitte wegspülen © Wetterwache

Was für die Küstenbewohner der Ostsee und für Urlauber ein wirklich spannendes Naturschauspiel ist, sorgt auf der anderen Seite für große Schäden und Küstenabbrüche. Ganze Strandabschnitte werden weggespült und sammeln sich an andere Stelle wieder an. Die Strände wandern, im wahrsten Sinne des Wortes. Kommt es in Zukunft durch den Klimawandel zum erwarteten Meeresspiegelanstieg, werden diese extremen „Einzelereignisse“ für weitere, teils noch größere Schäden auch entlang der Ostseeküste sorgen.

Unser Autor Sebastian Wache macht als Diplom-Meteorologe für WetterWelt Wetterberatung, Seminare, Gutachten, Törn- und Regattaberatung.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.