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Mermaid Parade Coney Island © Jennivere Kenlon (CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)
Unterwegs

Seejungfrauen in New York

Eine halbe Million New Yorker feiert jedes Jahr die Mermaid Parade auf Coney Island

float Redaktion
von in
3 Minuten

Es ist wieder soweit. Was für die Schweden Mittsommer, ist für den aufgeschlossenen Teil der Bevölkerung von New York City die Mermaid Parade auf Coney Island. Um den längsten Tag des Jahres herum, kurz bevor der New Yorker Sommer am heißesten ist, sind hier die Meergeister los: Die Mermaid Parade kommt. Auf der Halbinsel im Süden des Stadtteils Brooklyn fallen Tausende von Seejungfrauen und Neptunen ein, angetan mit Fischhaut, Muschel-BHs in allen Größen und Seemannsgarn. Sie feiern den Beginn der Badesaison – und in ihrem Schlepptau sind rund eine halbe Million Zuschauer, egal ob die Sonne dräut oder es regnet.

Seit drei Jahrzehnten ozeanisches Gewühle

In den 1950er-Jahren, der großen Zeit von Coney Island als Vergnügungsviertel für New Yorker Arbeiter und Neu-Immigranten, gab es fast jeden Tag einen anderen Aufzug: die Parade der Polizisten und – getrennt davon – der Feuerwehrmänner ebenso wie die „Baby Parade“, zu der die Kleinsten im Bollerwagen über den Boardwalk geschoben wurden.

Die wildesten Kostüme bewertet anschließend eine zufällig besetzte Jury. Wer 100 Dollar zahlt, sucht mit aus, sagt Paradengründer Dick Zigun.

Zum ozeanischen Verständnis der Organisatoren, der Künstlergruppe Coney Island USA, gehören gold angemalte Drag Queens ebenso dazu wie dreieinhalb Meter hohe Hummer – oder Matrosen, die Kerle lieben. „Wirklich alle kommen: vom Szenekünstler über Lesben und Hip-Hop-Teenager bis zu russischen und jamaikanischen Immigranten“, zählte der Paradensprecher und -erfinder Dick Zigun auf. Das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten seit dem Start im Jahr 1980 nicht verändert. In diesem Jahr gehen die Parade-Teilnehmer zum 36. Mal am Start.

Mermaid Parade Coney Island

© April Sikorski (CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Mermaid Parade Coney Island

© Richie S (CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Schon Blondie und Iggy Pop waren Königin und König

Ihren Underground-Charme hat die Mermaid Parade, die zum ersten Mal 1983 mit 200 Teilnehmern und einigen verwunderten Passanten als Zuschauern stattfand, bis heute behalten. Dick Zigun, der tätowierte Performance-Künstler, offizieller Standesbeamter des Staats New York und spiritus rector zahlreicher Burlesque-Shows, hält das Zepter des Umzugs seit 1980 in der Hand, getreu dem Credo der veranstaltenden (See-) Graswurzelaktivisten: „ozeanisch denken, lokal handeln“.

Dem Gang durch die Gemeinde folgt das Ritual am Stadtstrand: Während eine haitianische Voodoo-Band spielt, landen Früchte als Opfer im Ozean (und werden von Kindern schnell wieder eingesammelt). Dann ein Schnitt durchs lange Band am Strand, und die Badesaison ist eröffnet. Die wildesten Kostüme bewertet anschließend eine zufällig besetzte Jury. „Wer 100 Dollar zahlt, sucht mit aus“, verspricht Zigun – mit hochkarätigem Vorsitz.

Mermaid Parade Coney Island

© Steven Pisano (CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Mermaid Parade Coney Island

© Richie S (CC BY 2.0, via Wikimedia Commons)

Im Jahr 2000 führte Punkrocker Iggy Pop als König Neptun den Dreizack, im Jahr zuvor war es die Rapperin Queen Latifah. 2009 trat Schauspieler Harvey Keitel als König Neptun auf. Im letzten Jahr waren die Hoheiten Deborah Harry und Jim Stein. Die ergrauten Exzellenzen sind lebende Konstanten der New Yorker Undergroundkultur mit ihrer Band Blondie, die es ungefähr ebenso lange gibt wie die Mermaid Parade. In diesem Jahr führen die international weniger bekannten Lokalgrößen Amanda Palmer und Neil Gaiman das Jurorenzepter.

Extra Action Marching Band – Mermaid Parade 2013 by geo geller

Am kommenden Wochenende findet die Mermaid Parade wieder statt. Los geht es am 16. Juni 2018 um 13 Uhr. Treffpunkt ist die Surf Avenue, Ecke West 21st Street. Das gesamte Festprogramm ist auf der Website
coneyisland.com zu finden.

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