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29er auf der Kieler Woche © Sascha Klahn
Kieler Woche

Mit vereinten Kräften in Kiel

Heute startet die Kieler Woche, elf Wochen später als geplant und ohne Volksfest. Aber mit der Weltspitze des Segelsports.

von
Max Leopold Käther
in
3 Minuten

Heute beginnt die ungewöhnlichste Ausgabe der Kieler Woche seit ihrem Start 1882 – ohne Publikum vor Ort. Wo sonst Pagoden stehen, sorgen Absperrgitter für den nötigen Abstand, Supervisoren beantworten Fragen. Die Jollen werden mit Mund-Nasen-Schutz aufgebaut, die je nach Klasse in abgetrennten Bereichen sortiert sind.

Alles das ist besser als nichts, denn immerhin findet sie überhaupt statt. Daran hatten Mitte März nicht alle geglaubt, als die Verantwortlichen der Kieler Woche entschieden hatten, die diesjährige Ausgabe von der letzten kompletten Juni-Woche auf Anfang September zu verschieben. Wenige Tage nach der Nachricht aus Kiel hatte auch das Team der Warnemünder Woche entschieden zu verschieben. Die 83. Ausgabe findet erst im Jahr 2021 statt. Ende April wurde dann auch die 132. Travemünder Woche ins kommende Jahr verlegt.

Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer hatte im März noch gehofft, möglichst schnell zur Normalität zurückzukehren. Dann ist auch wieder Zeit, gemeinsam zu segeln, zu feiern und die Kieler Woche zu genießen“, so Kämpfer.  Auch wenn Nordeuropas größtes Volksfest dieses Jahr nicht verspätet gefeiert werden kann, wird zumindest gesegelt.

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Auf das Volksjahr wird dieses Jahr verzichtet © Kieler Woche

Segeln in geschlossener Gesellschaft

„Schilksee wird zu einer geschlossenen Gesellschaft ohne Eventareal. Das Hafengelände wird für die Öffentlichkeit abgesperrt. Die Aktiven sind mit Trainern und Organisatoren unter sich“, heißt es. Realisiert wird das mit Einlasstickets, die der Crew der Kieler Woche, Seglerinnen, Seglern und ihren Begleitern Zugang zu bestimmten Arealen gewähren sollen.

„Dabei steht die Gesundheit aller Beteiligten ganz klar im Vordergrund. Hygienevorschriften und Mindestabstandsregeln müssten eingehalten werden“, sagt der Organisationsleiter der Kieler-Woche-Regatten, Dirk Ramhorst. Das seien enorme Herausforderungen. Denen stelle man sich aber, um den Sportlerinnen und Sportlern auch dieses Jahr die Möglichkeit zu geben, Regatta zu segeln.

Ganz auf Publikum müssen die Regattierenden dennoch nicht verzichten. Die Veranstalter wollen noch mehr auf digitale Öffentlichkeitsarbeit setzen. Neben den sozialen Netzwerken sollen die Regatten für Segelfans in aller Welt auch umfangreich über das „Kieler-Woche-TV“ virtuell zugänglich gemacht werden. Darum kümmere sich die Stadt, die auch die Kosten trägt, heißt es.

Die Weltspitze segelt ohne Zuschauer

Ob mit Publikum oder ohne, der Durst nach Wettsegeln dürfte bei den Aktiven enorm sein. Die Weltspitze des Segelsports hat sich angekündigt. Viele sehen die internationale Konkurrenz nach den Weltmeisterschaften im Januar und Februar zum ersten Mal wieder auf der Regattabahn.

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Erik Heil und Thomas Plößel vom NRV haben das Olympiaticket im 49er bereits gelöst © S. Klahn/Kieler Woche

Zu den Top Ten ebendieser WM gesellen sich die drei Olympia-Medaillengewinnerinnen von Rio de Janeiro im Laser Radial. Die Goldmedaillen-Gewinner im 49er FX und Nacra 17, der Silbermedaillen-Gewinner im Laser Standard und die Bronze-Crews im 49er und Nacra haben ebenfalls gemeldet – von weiteren Welt- und Europameistern und früheren Kieler Woche-Siegern ganz zu schweigen.

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Tina Lutz und Susann Beucke führen im 49er FX vor der abschließenden Regattaserie © Sascha Klahn / Kieler Woche

Für Deutschlands Segelspitze geht es in den olympischen Klassen noch um ihren Platz bei den ebenfalls auf 2021 verschobenen Sommerspielen in Japan. Im Nacra 17 und Laser Radial soll die Kieler Woche in die nationale Wertung eingehen. Im 49er und im 49er FX ist es die dritte und damit finale Ausscheidungsregatta. Tina Lutz und Susann Beucke führen im 49er FX vor der abschließenden Regattaserie.

Es geht um die Olympia-Nominierungen

Nach der Kieler Woche steht fest, wer nominiert ist. Um für die nationale Olympia-Qualifikation zu punkten, muss man zumindest einen Platz unter den Top 20 erreichen. Für Platz 1 gibt es 25 Punkte, für Rang zwei 22 Punkte, der Dritte erhält 20 Punkte. Von Platz vier (17) bis Platz 20 (1 Punkt) nimmt die Punktezahl linear ab.

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Die Halbtrocken will ihren Platz in der Deutschen Meisterschaft im Seesegeln verteidigen © segel-bilder.de

Nadine Stegenwalner, Sportdirektorin des Deutschen Segler-Verbands, freut sich, dass die Leistungssegler wieder Regatta segeln: „Und dann noch vor unserer Haustür des Bundesstützpunkts. Das German Sailing Team hat die letzten Wochen gut genutzt”, sagt sie. „Es bleibt jetzt abzuwarten, wie es umgesetzt wird.“

Doch auch die internationalen Gäste kommen nicht auf den letzten Drücker. Um in Kiel dabei sein zu können, haben viele schon vor einigen Tagen ihr Trainingslager in Europa aufgeschlagen. Auch, um die Quarantänte-Vorschriften zur Teilnahme an der Kieler Woche zu erfüllen.

Kieler Woche 2020 im Überblick

Teil I: 5. bis 8. September
420er, 505er, Europe, J/80, J/70, J/24, Laser 4.7, Laser Radial open, Contender, Musto Skiff

Teil II: 10. bis 13. September
49er, 49erFX, Laser Radial W, Laser Standard M, OK-Jolle, Finn, Nacra 17, Formula 18, 29er

Teil III: 5. bis 13. September
IDM: ORC I bis IV, IDM: Double Hand.
Aalregatta, Welcome Race, Senatspreis, Silbernes Band

Alle Infos hier bei der Kieler Woche und zuschauen kann man hier.

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