float Magazine

Retro-Klassiker von Comitti © Messe Friedrichshafen
Interboot Friedrichshafen

Nah, näher, Interboot

Die Interboot zeigt Premieren an Land und zu Wasser – und widmet alternativen Antrieben erstmals einen eigenen Bereich.

von
float Redaktion
in
9 Minuten

Eine lächelnde Brünette blickt den Betrachter herausfordernd an. Hinter ihr breitet sich eine offene Wasserfläche mit den Silhouetten von zwei Segelbooten am Horizont aus – den Rest denkt man sich selbst. „Dein Moment“, so der Slogan der diesjährigen Interboot, ist nach Überzeugung der Messemacher spätestens am 21. September gekommen. Denn dann, am Samstag dieser Woche, startet in Friedrichshafen die 58. Ausgabe der Dreiländerschau. Wir haben schon einmal Boote geguckt.

Die Wassersportmesse liegt nur einen kurzen Schlag vom Bodensee entfernt, und dieses Standortvorteils ist man sich wohl bewusst: Etwa 100 Ausstellungsstücke, sprich Boote, werden schwimmend präsentiert. Von den Messehallen am Flughafen sind regelmäßig kostenlose Shuttlebusse zu den gut zehn Minuten entfernten Anlegern des Messehafens unterwegs.

Im Interboot-Hafen
Im Interboot-Hafen © Messe Friedrichshafen

Das macht den besonderen Reiz der Interboot aus: ein Boot, das dem fachkundigen Flaneur bereits in der Halle aufgefallen ist, lässt sich im Idealfall anschließend auf dem See selbst am Steuer ausprobieren. Näher dran geht kaum.

Es grünt so grün

Am spannendsten sind natürlich die Neuheiten. Die Messe hat hier Platz für etwas thematisch Neues geschaffen. Erstmals gibt es auf der Interboot die Green-Power-Area. Hier wird über lokal emissionsfreie Antriebe informiert – auf dem Bodensee mit seinen begrenzten Distanzen ist das eine bedenkenswerte Alternative.

Eine Weltpremiere in diesem wortwörtlich spannenden Genre zeigt die oberbayerische Werft von Marian Hanke. Die MY Elegance ist ein offenes Elektroboot, das mit Hilfe einer 136 PS starken E-Maschine auf bis zu 70 km/h beschleunigt werden kann.

Auch die neue Rethink-Plastic-Area will den Besuchern ein Umdenken schmackhaft machen. Dazu passt die Flax 27, ein offenes Segelboot, dessen Rumpf komplett aus nicht-fossilen Naturmaterialien besteht. Ein Prototyp des 8,20 Meter langen Rumpfs, entworfen von Judel, Vrolijk & Co, wurde erstmals im Winter auf der boot Düsseldorf gezeigt.

Green Boats
Friedrich Deimann von Greenboats präsentiert seinen neuen Daysailer © Kerstin Zillmer

Segeln groß und klein

Nun steht in Friedrichshafen das fertige Boot: Nach dem Motto „Naturfaser statt Plastik“ hat die Bremer Werft Friedrich J. Deimann, die auch die grüne Bente baut, die Glasfasern durch Flachsfasern ersetzt. Das ist ein äußerst robustes und widerstandsfähiges Material, wovon wir uns bei der Materialprüfung beim Bionik-Innovationszentrum der Hochschule Bremen überzeugen konnten. Als Füllmaterial dient ein Schaumkern aus recycelten PET-Flaschen. Auch das Harz ist „grün“, es wird aus Pflanzenölen gemixt.

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Öko-Innovation hin oder her: Natürlich schlagen die Herzen der Messebesucher vor allem wegen der großen Boote höher. Und davon sind einige vertreten. Eine aufsehenerregende Neuheit präsentiert Bavaria mit der Bavaria C45: Mit 14,43 gehört die komplett neu entwickelte Fahrtenyacht zu den kleineren Produkten der Giebelstädter Werft. Doch hinsichtlich der Raumaufteilung an Bord ist sie ganz groß.

Diverse Innenausbauten bis hin zu einer Fünf-Kabinen-Version für Charterfirmen sind möglich. Letzte Woche war das Schiff mit dem Schwestermodell C40 auf dem Cannes Yachting Festival zu sehen. Für üppige Beleuchtung mit natürlichem Licht sind großflächige Fensteröffnungen im Rumpf eingelassen.

  • Bavaria C45 StyleBavaria C45 Style © Werft
  • Sarch S7Sarch S7 © Bootspunkt
  • Topcat K2XTopcat K2X © Werft
  • Aira 22Aira 22 © Arthur Smeets / Aira Boats

Wer nicht lang und gemütlich, sondern eher kurz und schnell segeln möchte, findet zum Beispiel in der neuen Topcat K2X ein würdiges Sportgerät. Der 5,17 Meter lange Kleinkatamaran vom Ammersee hat eine spezielle Rumpfform: Verbreiterungen der Rümpfe am oberen Ende verringern die Gefahr eines Überschlags durch Unterschneiden erheblich. Damit ist der Kat die ein sicherer Einstieg in den Kosmos des rasanten Doppelrumpfgleitens.

Etwas geruhsamer ist der Einstieg mit der Aira 22: Der hübsche kleine Fahrtenkreuzer – 6,50 Meter lang – wiegt trotz Hubkiel nur 700 Kilogramm, ist also bequem trailerbar. Mit dem breiten Rumpf ist das holländische Boot gutmütig zu segeln. Eine kleine Schlupfkajüte erlaubt spontan improvisiertes Fahrtensegeln. Die Werft bietet auch ein maßgeschneidertes Cockpitzelt für die Aira 22 an. Damit haben bis zu sechs Personen bei jedem Wetter in der Plicht Platz.

Auf Tempo optimiert

Das andere Extrem verkörpert die Sarch S7 – ein durch und durch auf Tempo gedrehtes Produkt. Schon die Rumpfkonstruktion lässt aufmerken: Auf Holzspanten werden Kohlefaser-Matten verlegt, eine Innenschale gibt es nicht. Das macht das nur sieben Meter lange Boot so leicht, um – mit Huii! – auf ein Tempo im zweistellige Knoten-Bereich zu kommen.

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Boat Solutions Seestraße 8 86919 Utting am Ammersee Tel. +49 8806 956590 [email protected]
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„Die Qualität finnischer Boote ist beeindruckend – und mit Werten wie Nachhaltigkeit perfekt für den deutschsprachigen Markt. Gleichzeitig harmoniert der skandinavische Style sehr gut mit unserem Stilgefühl.“ Dominik Entzminger, Boat Solutions – Importeur für Terhi, Silver, AMT – Interboot 2019: Tiger BR im Messehafen, Tiger DC Halle A4/304


Die Einschalen-Bauweise vergrößert den Platz unter Deck, so dass eine ordentliche Komforteinrichtung inklusive Spirituskocher, Spülbecken, Sanitärbereich und sogar Kühlschrank mitfahren können. Mit anderen Worten: Die Sarch S7 ist eine Yacht für Regattafamilien. Die etwas kleinere Sarch S6 ist es auch – für die moderne Kleinfamilie.

Jeanneau Sun Fast 3300
Jeanneau Sun Fast 3300 © Werft

Regattasegler dürfte insbesondere auch eine Segel-Premiere von Jeanneau interessieren: Die neue Sun Fast 3300 wird erstmals in Deutschland gezeigt. Das 9,99 Meter lange Boot soll eine internationale Rennklasse begründen, und seine prognostizierten Fahrdaten legen das nahe: Ein extrem konkav geschnittener, nur 3.500 Kilogramm schwerer Rumpf wird durch bis zu 128 Quadratmeter Segelfläche schon bei mäßigem Wind ins Gleiten gebracht.

Erste Tests mit dem Werft-Team (hier das VIDEO) nach der Präsentation im Winter verliefen vielversprechend. Der extrem gewichtsreduzierte Rumpf stellt ein Novum im Bootsdesign dar. Die Renn-Optimierung ist dem Boot gewissermaßen schon auf zehn Schritt gegen den Wind anzusehen.

Motorboote für Reisen und Familien

Ebenfalls erstmals nach der Weltpremiere in Cannes auf deutschem Boden zu sehen ist die Beneteau GT 32, der neue schnelle Gleiter der französischen Werft. Das Boot basiert auf dem Rumpf von einem der bekannten Flyer-Modelle. Unser Test folgt!

Aus Norwegen stammt die Marex 360 CC – der elegante Cruiser ist ebenfalls seit kurzem auf Messe-Tour durch Europa. Das soeben für den Best of Boats Award nominierte Reiseboot werden wir in Kürze in einem ausführlichen Fahrbericht auf float vorstellen. Die Erfahrung mit der Werft lehrt, dass die Werft ihren selbstbewussten Slogan „König der Meere“ zu Recht führt.

  • Marex 360 CCMarex 360 CC © Werft
  • Jeanneau Cap Camarat 9.0Jeanneau Cap Camarat 9.0 © Werft
  • Jeanneau Merry Fisher 1095Jeanneau Merry Fisher 1095 © Kerstin Zillmer

Award-verdächtig

Jeanneau zeigt einige bewährte Motorboot-Modelle in Friedrichshafen. Aufmerksamkeit dürfte insbesondere die Cap Camarat 9.0 CC erregen, ein schnelles Ausflugsboot für abenteuerlustige Familien und familiäre Abenteurer. Was auf den ersten Blick wie ein kompaktes Anglerboot aussieht, bietet unter Deck viel Platz inklusive einer gemütlichen Bug-Koje.

Ein umlaufendes Gangbord und kindersichere Reling erleichtern Hafenmanöver auf dem neun Meter langen Boot. Die Cap Camarat 9.0 CC, die beim Best of Boats Award 2018 in der Kategorie Best for Fun unter die Besten kam, kann mit zwei bis zu 250 PS starken Außenbordern motorisiert werden.

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Ihr Händler für Viper Powerboats, Jeanneau, Quicksilver, Monterey, Auster, Campion Besuchen Sie uns auf der boot Düsseldorf: Halle A5, Stand 203


Deutlich ausgewachsener wirkt die Jeanneau Merry Fisher 1095. Das Familienboot ist eine Nummer größer und um ein Vielfaches variabler als mancher Marktbegleiter. Extremer Leichtbau und raffiniertes Rumpfdesign erlauben hohes Tempo ohne ständiges Trimmen. Eine empfohlene Marschfahrt von 22 bis 26 Knoten bei zwei bis zu 300 PS starken Außenbordern zeigt, dass die 10,50 Meter lange Cruiser-Fahrtenyacht im rustikalen Angelboot-Stil für Langfahrten prädestiniert ist.

Dazu passt auch das Platzangebot: Im Heck gibt es eine große Sitzgruppe für bis zu acht Personen, unter Deck liegen sage und schreibe drei Kajüten, dazu ein relativ großer Salon und ein bequemer Bug-Ausstieg über die vordere Kajüte.

Schnelle und ganz schnelle Gleiter

Erstmals auf einer deutschen Bootsmesse im Wasser zu sehen ist der Tiger. Die Silver Tiger aus Finnland mit den ungewöhnlichen Rümpfen von Petestep werden zur Interboot in der Halle und im Messehafen präsentiert. Die neue Rumpfform, der abgeflachte Bug mit den integrierten Lichtern und die flache Frontpartie verleihen dem Tiger einen sportlichen Look. Aber seinen eigentlichen Zauber entfaltet das Boot in Testfahrt, denn dann gilt: Der Tiger ist los!

Silver Tiger
Silver Tiger © Kerstin Zillmer

Durch die Deflektoren wird das Wasser nach achtern abgeleitet und nicht als Gischt zur Seite gedrückt, so wie üblich. Das hat verschiedene positive Effekte: Der Rumpf hebt sich damit schneller aus dem Wasser und kommt früher ins Gleiten. Dadurch wird, so der Hersteller, bis zu 35% weniger Kraftstoff benötigt.

Noch eine Schippe drauf legt Viper – und damit ist nicht das für kommendes Jahr angekündigte Silver-Modell gemeint. Die Eigenserie der deutschen Bootsbauer Europe Marine wurde um die Modelle Viper V750 und Viper V233 erweitert: Die beiden bissigen GFK-Kajütboote sind bestens geeignet zum Trailern und für den kleinen Temporausch zwischendurch. Der großen, 7,25 Meter langen Viper macht ein bis zu 400 PS starker Außenborder regelrecht Beine.

Für Ruhepausen zwischendurch gibt es eine Kajüte mit Koje im Bug, die dank groß ausgeschnittenem Dachluk genügend ausgeleuchtet ist. Die kleine Viper V233 schließt eine Lücke: Der 6,95 Meter lange Daycruiser mit zweiter Sitzbank im Heck wiegt nur 1.530 Kilogramm. Bis zu 350 PS bringen ihn rasch in Gleitfahrt. Nur Fliegen ist schöner – oder das Flaggschiff Viper Toxxic 283 zu fahren. Alle sind am Bodensee zu sehen.

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Auf unserem über 17.000 qm großen Firmengelände präsentieren wir die größte Ausstellung Süddeutschlands für Neuboote und Gebrauchtboote und bieten umfassenden und professionellen Service in allen Angelegenheiten rund ums Motorboot.


Als Weltpremiere auf der Interboot zeigt Europe Marine aus der Viper-Serie die Viper V263. Das gut acht Meter lange Kajütboot mit Einbaumotor ist mehr Motoryacht als als ein Weekender.

Etwas günstiger sind die in Polen gefertigten und in Deutschland veredelten Boote der Marke Auster. Wiederum von Europe Marine in Budenheim bei Mainz erdacht, sind diese Boote eine schnelle Alternative für Boote aus den USA. Weltpremiere in Friedrichshafen hat die Auster 520 CD.

  • Viper V 750Viper V 750 © Viper Powerboats
  • Viper V 283 ToxxicViper V 283 Toxxic © Viper Powerboats
  • Campion Allante 595 BRCampion Allante 595 BR © Werft

Neues in der Kompaktklasse

Nach der Übernahme der Deutschlandvertretung für die kanadische Sportbootmarke Campion zeigt Europe Marine am Bodensee drei Modelle der auf kompakte Flitzer spezialisierten Werft: Zu sehen sind ein Bowrider-Trio aus Allante 545i BR SE, Allante 595i BR SE und die schnelle – der Name ist Programm – Chase 550i BR. Merke: Es muss nicht immer US-Produktion sein, wenn American Spirit gemeint ist.

Klein, aber brandneu ist der Quicksilver Activ 605 Cruiser. Dieses Boot ist so neu, dass bisher nur ein Bild vorliegt. Der kleine Kreuzer, die kleine Version des für den BOB-Award 2019 als Finalist nominierten Activ 675 ist länger und breiter als sein Vorgänger, aber noch immer sehr kompakt. Bis zu sechs Personen können mitfahren. Beide Decks – vorn und hinten — lassen sich in Sonnendecks verwandeln. Die halbtransparente Tür, Bullauge und Decksluke lassen Licht und Luft in die mit Doppelliege ausgestatteter Kabine.

Menschen, Motoren und Nautiquitäten

Starke Boote verlangen nach modernen Motoren – und umgekehrt. Der soeben als Europapremiere in Frankreich vorgestellten Mercury-Racing-Motoren mit 450 PS Leistung soll auch auf der Interboot präsentiert werden – dem Vernehmen nach am Heck eines kompakten RIBs. Ganz ohne Benzin geht es auch: Torqeedo präsentiert in der Segelhalle die in diesem Jahr neu eingeführten Batteriesysteme und starken Deep-Blue-Motoren.

Insgesamt sind auf der Interboot 2019 etwa 500 Aussteller vertreten, vom lokalen Anbieter messingbeschlagener Nautiquitäten für die Kajüte bis zur internationalen Yachtwerft – die größten unter ihnen dominieren die großen Hallen. Aber es gibt auch die Kleinen: Kajaks, Schlauchboote, Kites und Jollen.

  • Q-Yachts Q 30Q-Yachts Q 30 © Werft
  • Momentum-E-MotorMomentum-E-Motor © Messe Friedrichshafen
  • Torqeedo Travel 1103Torqeedo Travel 1103 © Torqeedo

Wer irgendwann vor lauter Hecks den Bug nicht mehr sieht, kann sich beim umfangreichen Rahmenprogramm auf der Interboot Academy einnorden lassen. Geboten werden hier unter anderem eine UKW-Funkauffrischung, eine Reihe von Foiling-Vorträgen und Informationen über mögliche Reviere für den nächsten Törn.

Selbst zur Interboot gehen

Das Potenzial, das der Hafen bietet, könnten die Schwaben noch effektiver nutzen. Warum nicht noch viel mehr Boote an den See holen? Denn am Abend setzen die vielen Messegäste aus der Schweiz ohnehin per Fähre über an die andere, helvetische Uferseite des Bodensees.

Die Interboot läuft vom 21. bis 29. September, geöffnet ist die Schau täglich von 10 und 18 Uhr. Im Interboot-Hafen am Bodensee endet die Präsentation täglich um 19 Uhr mit dem Sundowner. Die Tageskarte für Erwachsene kostet elf Euro im Online-Verkauf, an der Tageskasse werden 13 Euro berechnet. Eine Familienkarte (zwei Erwachsene mit beliebig vielen leiblichen Kindern) kostet online 27 Euro, am Kassenhäuschen 30 Euro. Kinder zwischen sechs und 14 Jahre zahlen fünf Euro für den Eintritt.

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