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Die Erderwärmung setzt den großen Ozeanwirbeln zu © Ryan Loughlin
Klimawandel

Die Ozeanwirbel wandern polwärts

Die windgetriebenen Meeresströmungen der Ozeane verlagern sich. Satellitendaten aus 40 Jahren zeigen, was die Ursache ist.

von
Stefan Gerhard
in
2 Minuten

Die großen, windgetriebenen Strömungssysteme der Ozeane haben sich in den letzten 40 Jahren mit hohem Tempo Richtung Pol verschoben. Zu diesem Ergebnis kommen Forscherinnen und Forscher des Alfred-Wegener-Instituts. Im Zentrum für Polar- und Meeresforschung wurden globale Langzeit-Satellitendaten zur Temperatur der Meeresoberflächen und zur Höhe des Meeresspiegels ausgewertet.

Verlagerung gigantischer Wassermassen

Aus beiden Datensätzen lassen sich Rückschlüsse auf den Verlauf der großräumigen Oberflächenströmungen ziehen. „Demnach verschieben sich sowohl auf der Nordhalbkugel als auch auf der Südhalbkugel der Erde die Grenzen der sogenannten Ozeanwirbel und ihrer wichtigen Randströme um 800 Meter pro Jahr Richtung Pol“, heißt es in der heute veröffentlichten Pressemeldung. Die zugrunde liegende Studie erschien gerade im Fachmagazin Geophysical Research Letters.

Ozeanwirbel AWI Yang Hu
Schematische Darstellung windgetriebener Ozeanzirkulation (schwarze Pfeile) und ihrer Bewegung (weiße Pfeile) durch globale Erwärmung © Yang Hu / AWI

Angetrieben werde diese Verlagerung gigantischer Wassermassen maßgeblich durch die Erderwärmung, wie zum Beispiel Berechnungen mit einem neuen AWI-Klimamodell belegen. Die Folgen des Wandels spürten Mensch und Natur, berichten die Forscher: „Unter anderem steigt in den betroffenen Regionen der Meeresspiegel, Arten wandern ab und Sturmgebiete ziehen auf neuen Bahnen.“

Acht riesige Wasserwirbel weltweit

In den großen, windgetriebenen Meeresströmungen der Erde bewegt sich das Wasser – vereinfacht ausgedrückt – im Kreis. Weltweit gibt es acht der riesigen Wirbel – drei im Atlantik, drei im Pazifik und jeweils einen im Indischen sowie im Südlichen Ozean. Diese rotierenden Strömungssysteme bestimmen maßgeblich das Wetter und die marine Produktivität in den Küstenregionen der Erde.

Gravierende Temperaturveränderungen gab es bisher unter anderem im Golf von Maine mit der Verlagerung des Golfstroms. Dort sind in der Folge die Kabeljaubestände abgewandert. Ähnliche Beobachtungen machten Wissenschaftler auch vor der Ostküste Uruguays und Argentiniens, wo sich der Brasilstrom allmählich Richtung Süden verschiebt. Die Verschiebung der magnetischen Pole hat damit nichts zu tun.

Roaring Forties
„Wetterextreme © Frank Roedel / AWI

Fest steht, dass die Verschiebung der großen Strömungssysteme weitreichende Folgen für Mensch und Umwelt hat. „Mit den westlichen Randströmen verschieben sich zum Beispiel die Pfade der Winterstürme und des Jetstream“, erklärt der AWI-Wissenschaftler Hu Yang. So sind die Wetterextreme stärker geworden, und immer öfter gibt es Hochwasser an Nordsee und Ostseeküste.

Neues Forschungsmodell aus Bremerhaven

Die Ozeanwirbel weltweit und über lange Zeiträume hinweg zu überwachen, scheiterte bislang an den enormen Kosten für ozeanografische Langzeitmessungen. AWI-Forschende aber haben nun einen neuen Ansatz gefunden, mit dem genau das vergleichsweise einfach gelingt. Die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen analysierten nun Langzeit-Satellitendaten zur Oberflächentemperatur und -höhe der Weltmeere.

„Klimawandel
„Gigantische © Armand Khoury

Anhand von Temperatur- und Höhenunterschieden konnten sie so die Lage der großen Strömungssysteme und ihre räumliche Ausdehnung rekonstruieren. „Beim Vergleich der Daten zeigte sich dann, dass sich in den zurückliegenden 40 Jahren alle acht großen windgetriebenen Oberflächenströmungssysteme polwärts verschoben haben“, so der Ozeanograph und Erstautor Hu Yang.

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