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An der Schleuse Zaaren wird noch länger gebaut © WSA Eberswalde

Schleuse Zaaren bleibt dicht

Seit letztem Herbst ist die Schleuse Zaaren unpassierbar. Der direkte Weg von Berlin zur Müritz bleibt weiter gesperrt – auf unbestimmte Zeit.

Stefan Gerhard
von in
2 Minuten | 4 Kommentare

Seit mehr als einem halben Jahr ist die Schleuse Zaaren an der Obere-Havel-Wasserstraße unpassierbar. Die im letzten Herbst angekündigten „Unterhaltungsarbeiten“ an der Schleuse waren ursprünglich bis Ende April 2019 geplant. Im März wurde nach Munitionsfunden der Termin auf den Sommer verschoben. Heute teilte das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Eberswalde mit, dass auch der projektierte Öffnungstermin zum 1. August 2019 kippt. Einen neuen Termin für die Wiederinbetriebnahme gibt es nicht.

Ein Blitzschlag ruiniert den Zeitplan

Der Grund für die Verzögerung ist höhere Gewalt. In der float vorliegenden Erklärung des Eberswalder Amts heißt es: „Während der starken Unwetter in den letzten Wochen in Teilen von Brandenburg kam es zu einem Blitzeinschlag in das Betonwerk in Templin, welches die Baustelle beliefert. Die komplette Steuerungstechnik wurde dabei zerstört.“

Dadurch wurde die Lieferung von Betonmischungen für mehrere Tage unterbrochen, und im Umland gibt es leider keine geeignete Ersatzmischanlage. Damit nicht genug, erklärt WSA-Leiter Peter Münch: „Darüber hinaus musste die Betonage infolge von Starkregen mehrfach unterbrochen werden, ebenso beeinträchtigen die hohen Lufttemperaturen das Betonieren erheblich.“

Schleuse Zehdenick

Bootscharterer sind stark beeinträchtigt © Reinhard Kraasch, CC BY-SA 4.0

Bedauern, aber kein neuer Termin

Die Folgen sind fatal. Der Auftragnehmer habe, so das WSA, mitgeteilt, dass „infolge der Ereignisse und des dadurch erheblich gestörten Bauablaufes … der Termin zur Verkehrsfreigabe am 01.08.2019 nicht mehr zu halten ist“. Damit ist mit einer weiteren Verschiebung des Inbetriebnahme Termins zu rechnen.

Eigentlich hatte man einen Spurt einlegen wollen, so Amtsleiter Peter Münch: „Wir hatten durch Beschleunigungsmaßnahmen und enge Bauberatungen den Termin 1. August fest im Blick. Wir werden schnellstmöglich einen neuen Termin in Absprache mit unserem Auftragnehmer bekanntgeben.“ Ein konkretes Datum nannte er nicht.

Revier abgeschnitten

Jährlich passieren rund 10.000 Sportboote diese Schleuse an der Hauptverbindung zwischen Berlin, der Brandenburgischen und der Mecklenburgischen Seenplatte. Die Müritz, die Mecklenburgische Seenplatte und die Gewässer im Norden Brandenburgs, also von den Rheinsberger Gewässern bis nach Fürstenberg inklusive der Lychener Gewässer, sind seitdem nur von Norden erreichbar. Von Berlin kommend, ist das Fahrtgebiet der Havel bis Zehdenick erreichbar.

Was weiterhin funktioniert, ist die Verbindung für den muskelbetriebenen Wassersport. Das Umtragen von Kanus ist auf einem ausgeschilderten Weg um die Schleuse möglich.

Schleuse Zehdenick

Bis hierhin und nicht weiter: Hastbrücke in Zehdenick © Reinhard Kraasch, CC BY-SA 4.0

Schon im März regte sich daher Protest. „Es ist, als trennt man eine Hauptschlagader durch“, sagte der Potsdamer IHK-Chef Peter Heydenbluth dem RBB. Das wird von Charteranbietern in der Region bestätigt.

Weiterhin auf Verschleiß gefahren

Auch beim Bundesverband Wassersportwirtschaft ist man alarmiert. Gegenüber float erklärte Geschäftsführer Jürgen Tracht: „Die maritime Infrastruktur ist marode, die Schleusen sind im Durchschnitt 105 Jahre alt. Derzeit gibt es keine umfassende Datenaufnahme über den Erhaltungszustand der Wasserbauwerke an den touristisch genutzten Bundeswasserstraßen. Dementsprechend gibt es auch keinen Investitionsplan der nach Prioritäten geordnet wäre. Es wird also weiterhin auf Verschleiß gefahren und erst dann repariert, wenn die Infrastruktur ausfällt.“ Bereits am kommenden Montag wird es im Bundesverkehrsministerium ein Treffen zum Thema Schleuse Zaaren geben, wie float erfahren hat.

4 Kommentare

Thomas Schnarr /

Schuld ist die ganze Planung des WSA bzw. der ausführenden Baufirma. Es ist seit mind. 1950 bekannt, dass es sich um ein ehemaliges militärisches Gebiet handelt, die Zufahrtsstr. um die es bei den Munitionsfunden geht hätte man bis in 80cm Tiefe vor Beginn der Bauarbeiten prüfen können. Ein Blitzschlag ist ein unvorhersehbares Ereignis, ja, aber wenn die ausführende Firma einen Vertrag mit Schwenk hat, hätte man sich von Schwenk Gransee beliefern lassen können, ein bischen mehr Verzögerer hätte die wenigen km mehr ausgeglichen. Starkregen hatten wir 2-3 mal in der Region, bei vernünftiger Sicherung der Baustelle auch kein Problem und witterungsbedingte Beonierschwierigkeiten? An anderen Baustellen wird die Betonage auch in die Nacht verlegt, ein paar Strahler und die Arbeiter brauchen auch nicht bei Hitze arbeiten. Es sind alles nur faule Ausreden, für ein Bauvorhaben, dass wegen absolut schlechter Planung von vorn herein, wegen schlechter Planung zum Scheitern verurteilt war. Münch sollte seinen Hut nehmen, wegen Unfähigkeit, und der Baufirma sollte man eine gehörige Vertragsstrafe aufbrummen. Ausbaden müssen es wieder die kleinen Leute, die ihren wohl verdienten Urlaub nicht so nehmen können wie sie ihn geplant haben, und die Unternehmen die von der Tourismusbranche leben!

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Anna Lohschmindt /

Was für ein Genuss für die, die wirklich WasserSPORT betreiben, die Paddler und Ruderer, die jetzt Ruhe haben! Die OHW war für die wie Fahrradfahren auf der Autobahn, Lärm, Gestank, Rücksichtslosigkeit und auch Unvermögen der Motorbootfahrer machten die eigentlich schöne Tour ziemlich schrecklich…

Antwort
Thomas Schnarr /

Wir reden hier von einer Bundeswasserstraße, jeder ordentliche Motorbootfahrer hat selber mal als Paddler angefangen und wird sich bei kleineren Wasserfahrzeugen immer rücksichtsvoll benehmen, die das nicht un sind zum Einen Rowdis oder dumme Menschen, zum Anderen aber auch die kleinen Wasserfahrzeuge selbst (solches seid ihr nämlich auf einer Bundeswasserstraße) die sich benehmen als gehöre nur ihnen die Havel und bewegen sich kreuz und quer im Fahrwasser. Also immer schön den Ball flach halten!

Antwort
Michel /

Der wirtschaftliche Schaden für die Region dürfte weit über den Baukosten liegen….

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