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Yachthafen Lippe an der Ostsee kurz vorm Saisonstart 2021 © Michael Krieg
Yachthafen Lippe

Das Schweigen im Yachthafen Lippe

Ist der Yachthafen Lippe für immer dicht, fragten wir, als die Ostsee-Zufahrt versandete. Was hat sich seit 2019 getan?

von
Michael Krieg
in
6 Minuten

Es ist einer der ursprünglichsten Häfen an der Südküste der Ostsee. Weitab vom Schuss, in einer Nebenbucht der östlichen Kieler Bucht, liegt der Yachthafen Lippe. Idyllisch gelegen in einem Naturschutzgebiet am Rande des sogenannten Großen Binnensees und nicht weit weg vom einstigen Fischerdorf Hohwacht auf der einen und der 700-Seelen-Gemeinde Behrensdorf auf der anderen Seite.

Die Idylle wurde aber vor zwei Jahren heftig gestört. Winterstürme hatten die schmale Hafenzufahrt versanden lassen. Außerdem sorgte eine Barre vor der Hafeneinfahrt quer zur Einfahrt dafür, dass den Hafen kaum jemand mehr verlassen oder anlaufen konnte – auch nicht das Seenotrettungsboot „Woltera“ der Seenotretter und einige Fischerboote. Auch 210 Liegeplatzbesitzer waren von der Blockade vorm Saisonstart betroffen.

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Die versandete Hafeneinfahrt mit dem Rettungsboot Woltera © Michael Krieg

Am Abend des 24. Mai 2019 konnte float dann die gute Nachricht verbreiten: Ein Schwimmbagger war eingetroffen und hatte vor dem Yachthafen Lippe die versandete Fahrrinne der Hafeneinfahrt freigebaggert. Hafenlieger, Vereinsmitglieder des ansässigen Yachtclubs Lippe-Ostsee (YCLO) und Segelgäste konnten wieder entspannt ihrem Freizeitvergnügen nachgehen.

Auch die ansässigen Fischer konnten zum Fischfang ein- und auslaufen. Vor allem aber hatten die Seenotretter wieder Meerzugang für ihre oft lebensrettenden Einsätze. Deren Einsätze hätten ansonsten von einer der weit entfernt liegenden Stationen in Laboe oder Heiligenhafen aus gefahren werden müssen.

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Einmalige Hilfe vom Land

Wo lag das Problem? Wie seinerzeit berichtet, hatte der Eigentümer des Hafens, Franz Graf von Waldersee, Hausherr auf Gut Waterneversdorf am anderen Ende des Großen Binnensees, die Fahrrinne des kleinen Sportboothafens in den letzten Jahren immer mit einer Sondergenehmigung ausbaggern lassen. Die Übernahme der Kosten für eine neue Genehmigung aufgrund neuer gesetzlicher Regeln, sprich Auflagen, lehnte er aber ab.

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Die sehr schmale Einfahrt zum Yachthafen Lippe © Michael Krieg

Hilfe kam – zumindest allerdings nur für ein Jahr – ausnahmsweise vom Land Schleswig-Holstein. Die Behörden übernahmen die Kosten der notwendigen Ausbaggerung für 2019. Zuvor hatte der Herr des Hafens damit gedroht, alles dicht zu machen.

Für die Freihaltung von Sand in der direkten, sehr schmalen Einfahrt vom Hafenbecken bis zur Ostsee ist allerdings keine Genehmigung erforderlich. Immerhin das hatte der Eigentümer seinerzeit veranlasst.

Taube Ohren, schweigsame Lieger

Zwei Jahre später fragen sich betroffene Lieger und Mitglieder des Yachtclubs Lippe immer noch, wie es um die Zukunft des Hafens bestellt ist. Denn wenn die Fahrrinne durch die Sandbank zur Ostsee wieder zuspülen sollte, müsste wieder gebaggert werden. Viele waren sich damals nicht sicher, was die Zukunft bringen würde. Heute stößt man auf Nachfrage bei Yachtclub-Mitgliedern aber auf taube Ohren.

Ein Eintrag ins Gästebuch des Vereins vom letzten Jahr spricht Bände: „Warum steht hier nirgendwo, dass der Hafen schon wieder versandet und damit kaum anzulaufen ist? Wir konnten kurz vor Pfingsten mit 1,20 m Tiefe nur mit Glück passieren. Bitte schreibt doch diese Info unter News.“

Yachthafen Lippe
Das Vereinsgebäude des Yachtclubs Lippe © Michael Krieg

Diese Rückmeldung scheint zu bestätigen, dass immer noch mit einer Versandung zu rechnen ist. Der gewünschte Hinweis unter „News“ war auf der Website des Yachtclubs Lippe jedenfalls nicht zu finden. 
Vielleicht deshalb, um das Verhältnis zum Eigentümer des Hafens nicht noch weiter zu belasten?
Auf Nachfrage bestätigte uns das Umweltministerium, dass seit 2019 nicht mehr gebaggert wurde. Eine erneute Anfrage hätte es nicht gegeben, erklärt Joschka Touré, stellvertretender Pressesprecher im Landesministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt, Natur und Digitalisierung, gegenüber float.

Die „Woltera“ ist weg – und kommt wieder

Im vergangenen Winter lag die „Woltera“, das Rettungsboot der Seenotretter-Freiwilligenstation Lippe/Weissenhaus, noch im Yachthafen. Im März 2021 war es dann weg. Auf Nachfrage erklärt uns Ralf Baur von den Seenotrettern in Vertretung des Pressesprechers Christian Stipeldey, dass sich das Boot „zur turnusgemäßen Generalüberholung auf der Werft Tamsen Maritim in Rostock“ befinde. Dort erneuern die Schiffbauer unter anderem den Farbanstrich, beseitigen Korrosionsschäden und warten die Maschine.

Yachthafen Lippe
Im vergangenen Winter lag die Woltera noch im Yachthafen © Michael Krieg

„Mit der regelmäßigen Wartung unserer Einheiten stellen wir sicher, dass sie auf den Stationen ständig einsatzbereit sind und die Technik im Ernstfall zuverlässig funktioniert“, so Ralf Baur gegenüber float. „Dies ist nicht zuletzt für die Sicherheit der rund 800 freiwilligen und 180 fest angestellten Seenotretter bei ihren oft gefahrvollen Einsätzen unerlässlich.“ Die Arbeiten an der Woltera sollen Ende Mai abgeschlossen werden, heißt es aus Bremen.

Immerhin konnte Baur bestätigen, dass bei der Überführungsfahrt vor etwa drei Wochen das Seenotrettungsboot problemlos den Yachthafen in Lippe verlassen konnte. Nach der Generalüberholung wird es dann von Lippe aus wieder voll einsatzfähig sein. Solange Sand nicht wieder die Ausfahrt verhindert.

Der Graf schweigt und kassiert

Der Eigner der Anlage, Franz von Waldersee, ist für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Dass sich der Besitzer des Hafens offenbar schon seit langem in Schweigen hüllt, bestätigte uns ein Liegeplatzinhaber vor Ort – und wurde dabei sehr deutlich.

Auf den Hinweis, dass der Besitzer vor zwei Jahren hatte durchblicken lassen, den Hafen zu verkaufen, wie float erfahren hatte, bekamen wir zu hören: „Das geht schon seit 20 Jahren so.“ Und nicht nur das. „Der Campingplatz auf der anderen Seite des Deiches und des Wehrs sollte auch schon seit 20 Jahren verkauft werden“, erklärt der Segler, der seinen Namen nicht öffentlich lesen möchte.

Yachthafen Lippe
Yachthafen Lippe © Google, GeoBasis-DE/BKG

Andererseits: Mit dem Hafen und Campingplatz lässt sich offenbar eine erkleckliche Summe erwirtschaften, direkt an der malerischen Ostseeküste. Auf Nachfrage erfahren wir, was Liegeplatzinhaber hier pro Jahr zu zahlen haben. Je nach Größe werden hier zwischen 500 und 1.000 Euro fällig. Bei 210 Liegeplätzen ist so rein rechnerisch klar eine sechsstellige Euro-Summe zu erwirtschaften – alleine mit dem Hafen. „Da wird gar nichts verkauft“, so unser Gesprächspartner.

Früher, so wird uns berichtet, gab es einen Liegeplatz im Yachthafen Lippe nur für Mieter des benachbarten Campingplatzes jenseits des Deichs. „Es waren nur ganz wenige Einheimische, die im Hafen einen Liegeplatz hatten.“
Für alle anderen galt offenbar: „Wenn Du da drüben keinen Campingplatz hattest, bekamst Du auch im Hafen keinen Platz.“

Sanierungsstau ist kaum zu übersehen

Ob man für ein Boot im Hafen und als Campingplatzbewohner zweimal zur Kasse gebeten wird? Darauf bekamen wir keine Antwort. Auf unsere Anfrage an die Gemeinde hieß es, dass zumindest keine doppelte Kurabgabe fällig ist, wenn ein Gast einen Campingplatz belegt und ein Boot im Hafen habe.

Für die Infrastruktur der Bootslieger gibt es hier nichts außer Strom und Wasser. Und gelegentlich muss der Eigner vorn mal ausbaggern. Den Bagger hat Franz von Waldersee aber bisher seit 2019 nicht mehr gebraucht. So steht das Ungetüm rostend und ungenutzt als wenig einladender Blickfang am Rande der Hafeneinfahrt.

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Der Bagger am Rande der Hafeneinfahrt © Michael Krieg

So waren also die nie kolportierten, nie offiziell bestätigten Verkaufsabsichten also tatsächlich nur Gerede. Von Kaufinteressenten ist jedenfalls seit 2019 nichts mehr zu hören gewesen. Bei der durchaus schön gelegenen Hafenanlage ist der Sanierungsstau kaum zu übersehen.

Der Eigentümer – der 2019 das neue Genehmigungsverfahren wegen Geldknappheit ablehnte – gibt erkennbar nach wie vor nicht viel für den Unterhalt aus. Auch der Website von Gut, Campingplatz und Hafen ist anzusehen, dass hier seit längerem nichts mehr investiert wurde.

Den Liegern gehört nichts

Die Besitzverhältnisse vor Ort sind klar: Der ansässige Segelverein hat mit der Hafenanlage nichts zu tun und vergibt auch keine Liegeplätze. Clubmitglieder legen zwar ihre Schiffe hierher, aber es gehört ihnen nichts. Die gesamte Anlage ist privat und im Besitz des Grafen. Dem Verein gehören lediglich ein paar Plätze links vom Grünstreifen und er ist nicht einmal Pächter.

Wer Mitglied werden möchte, zahlt also neben dem Vereinsbeitrag die Jahresgebühr für den angemieteten Platz. Auch der Hafenmeister hat mit dem Club nichts zu tun. Er ist nur für den Hafen da. Viele Segler seien in der letzten Zeit schon abgewandert, erfahren wir. Ihre Schiffe liegen jetzt entweder in Heiligenhafen oder Wendtorf.

Yachthafen Lippe
Hauptsächlich flachgehende Motorboote © Michael Krieg

So ist es verständlich, warum zu Saisonbeginn hauptsächlich flachgehende Motorboote im Hafen liegen. Sie werden einfach ohne Kran über die Rampe ins Wasser geschoben. Selbst bei einer „flachen“ Ausfahrt hätten die motorisierten Flitzer keine Schwierigkeiten, auf die Ostsee zu kommen.

Oststürme und das Wehr

Bleibt für alle zu hoffen, dass die gegenwärtig freie Zufahrt vorerst weiter nutzbar bleibt! Die größte Gefahr für den Hafen sind lang anhaltende Starkwinde und Stürme aus östlichen Richtungen. Das drückt, selbst wenn die Zufahrt nicht versanden würde, das Wasser so stark ins Hafenbecken, bis es sprichwörtlich „überläuft“.

Es soll schon vorgekommen sein, dass Boote bis auf den Deich gespült wurden. An Land gespültes Treibselgut zeigt, wie hoch der Pegel beim letzten Hochwasser gestanden hat. Bleibt zu hoffen, dass die Idylle nicht wieder durch einen Sturm oder Querelen mit dem stillen Besitzer der Anlage gestört wird.

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