float Magazine

Sturmschäden Totalverlust nach Sturmschaden © William Richardson/HYV
Sturmschäden

Wer zahlt, wenn’s stürmt und kracht?

Ein Boot sollte im Hafen nicht zum Spielball von Wind und Wellen werden. Wer kommt für den Schaden auf, wenn es doch passiert?

float Redaktion
von in
3 Minuten

Italiens Westküste, im Oktober 2018: Einer der heftigsten Stürme, die je registriert wurden, zieht gegen Ende der Wassersportsaison über Italien. Auf die Küste Liguriens treffen Wellen mit einer Höhe von bis zu 10,30 m. Schwere Zerstörungen sind die Folge, viele Boote haben durch Sturmschäden nur noch Abwrackwert.

Sturmschaden

Wenn sich ein Boot im Sturm losreißt, droht der Totalverlust © Elena Verhoturova/HYV

Im Katastrophenmodus

Auch in San Remo nahe der Grenze zu Frankreich werden die Boote extra gesichert. Doch viele halten dem Sturm nicht stand. Denn Extreme Wetterlagen auf dem Wasser nehmen zu. Glück hat, wessen Boot an Moorings und Leinen, gesichert mit vielen Fendern, „nur“ Kratzer und Schäden am Gelcoat davonträgt. Doch auch hier gehen die Schäden schnell in die Tausende, wie die Schadenregulierer der Yachtversicherungsmakler berichten.

Viele Boote reißen sich los, sie werden zum Spielball der Wellen und prallen an die Kaimauern. Es kommt zu Kollisionen in den Häfen, denn losgerissene Boote stoßen unkontrollierbar mit anderen Schiffen zusammen. Einige sinken, andere stranden oder sind ineinander verkeilt.

Sturmschaden

Die Bergung beschädigter Boote kann teuer werden © Youtube

Wer zahlt, wenn es stürmt?

Wichtig zu wissen ist, wer für welchen Schaden aufkommt. Nur die Yacht-Kasko-Versicherungen zahlen hier. Selbst wenn einem Eigner nachweisbar wäre, dass er sein Boot „optimaler“ hätte sichern können, handelt es sich bei Stürmen dieser Stärke eindeutig um höhere Gewalt. Damit ist die Haftung laut Gesetz (die „Verschuldenshaftung“) ausgeschlossen und die reguläre Yachthaftpflichtversicherung greift nicht mehr.

In den Yacht-Kasko-Deckungen sollten zudem unbedingt ausreichende Summen für Bergung und Wrackbeseitigung vereinbart sein. Denn diese Kosten schnellen bei Totalverlusten mit schwierigen Bergungen schnell in horrende Höhen.

Sturmschaden

Mastbruch © HYV

Sturmschaden

Yacht im Bergekran © HYV

Ostsee, im Frühherbst 2018: Ein für die Jahreszeit unerwartet starker Sturm trifft die Ostseeküste. Eigner sichern ihre Yachten mit zusätzlichen Fendern und Leinen, dennoch reiben sich mehrere Boote aneinander auf. Starke Gelcoat-Schäden, verbogene Relingstützen und Kratzer sind die Folge. Eine klare Sache: Auch hier handelt es sich um höhere Gewalt – also um einen Fall für die Yacht-Kasko-Versicherung. Zuletzt hatten Anfang des Jahres Winterstürme für Hochwasser in der Ostsee gesorgt.

Aufs Horrorszenario vorbereitet sein

Und auf See? Ein Horrorszenario für Segler: Sturm zieht auf, trotz Reffen und aller Vorkehrungen hält der Mast den Gewalten nicht stand. Der Mast bricht. Versichert ist dieser Fall über die Yacht-Kasko-Versicherung.

Sturmschaden

Was tun, wenn der Mast im Sturm nicht stand hält? © HYV

Sinnvoll ist es, sich zumindest theoretisch auf einen solchen Fall vorzubereiten: Wo liegt das Werkzeug? Wie und wo kappe ich die Wanten? Was rette ich, was geht besser über Bord? In erster Linie geht es in dieser Situation darum, die Crew zu schützen. Und das Schiff schwimmfähig zu halten, um idealerweise aus eigener Kraft unter Maschine oder mit dem Notrigg den nächsten Hafen zu erreichen.

Wichtig zu wissen: Es gibt keine zeitlichen Vorgaben, die Eigner einhalten müssen, wie oft sie das Rigg prüfen. Aber spätestens im Sturm wird klar, dass regelmäßige Sichtprüfungen des Materials sehr, sehr sinnvoll sind. Von Zeit zu Zeit sollte jeder Segler einen Experten hinzuziehen, der die Standfestigkeit des Riggs durchcheckt.

Hausboote: Risiko nicht unterschätzen

In vielen Gewässern sind sie zu finden, in Städten gern auch festliegend als Wohnschiffe. Wir sprechen von Hausbooten. Auch für diese Art von schwimmenden Unterkünften stellen die zunehmend heftigen Elementarereignisse eine Gefahr dar und das Risiko von Sturmschäden sollte bedacht werden. Was also tun, wenn es stürmt?

Sturmschaden

Auch Hausboote können im Sturm sinken: Verlust am Attersee © Freiwillige Feuerwehr Unterach

Die meisten Hausboote, besonders die neuerer Bauart – also mit vielen Fensterflächen und Dachterrasse – haben eine große Windangriffsfläche. So werden sie leicht zum Spielball von Wind und Wellen. Eine vernünftige Befestigung mit Leinen, die vor allem auch wechselnden Wasserständen angepasst werden, ist wichtig. Mehr als wichtig, nämlich entscheidend dafür, ob es zu einem Unglück kommt oder nicht.

Ein konkreter, aktueller Fall aus diesem Jahr: Ein Hausboot an der Ostsee fiel einem der großen Stürme im Januar zum Opfer. Trotz besonderer Vorkehrungen wie einem Docking-System hat es sich losgerissen und trieb durch den Hafen. Glücklicherweise konnten Hafenmitarbeiter es schnell wieder einfangen. Dennoch betrug der Schaden nahezu 20.000 Euro.

Für den Überblick

Anhand einer Checkliste, wie dieser des Hamburger Yachtversicherungsmaklers Schomacker, lässt sich die bestehende Yachtversicherung – mit verständlich formulierten Bedingungen – selbst überprüfen. Für den Vergleich unterschiedlicher Bootsversicherungen sind Prämienrechner hilfreich. Was eine Yacht-Haftpflichtversicherung abdeckt, die bei Sturmschäden einspringen kann, ist beispielhaft hier erklärt.

Mein Kommentar

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.