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Tutima Fastnet Race Die Tutima Crew in Cowes ist super vorbereitet © Felix Diemer
Fastnet Race

Tutima startklar fürs Fastnet Race

Morgen geht das Tutima Sailing Team beim Fastnet Race an den Start, als erstes deutsches Frauenteam. float begleitet sie.

von
Kerstin Zillmer
in
6 Minuten

Jetzt wollen sie es wissen, die Mädels der Tutima-Crew. Sie sind seit langem die erste rein weibliche Crew, die beim Fastnet Race mitsegelt. Sie sind die allererste deutsche Frauencrew, die es überhaupt tut. Und sie sind die einzige Frauen-Offshore-Crew in Deutschland. Einmalig.

Das Fastnet Race ist das absolute Highlight unserer Regatta-Saison. Es ist die ganz große Herausforderung für uns!

Das lange Warten auf die Zusage von der Fastnet-Organisation war eine kleine Zitterpartie. Als am 5. Juni endlich das Go kam, waren die Seglerinnen total aus dem Häuschen. Um sicher dabei zu sein, brauchten sie für die Qualifikation den Beleg, dass sie zusammen in den letzten zwölf Monaten 300 Meilen Regatta gesegelt waren.

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Tutima und Shanxi bei der Rund Bornholm © Pepe Hartmann

Die Rennleitung genehmigte ihnen, die restlichen Meilen bei der diesjährigen Rund Bornholm aufzufüllen. Das haben sie souverän geschafft: Bei strammem Wind segelten sie in 32 Stunden in ihrer Gruppe ORCi 1+2 auf den zweiten Platz. Zugleich war Rund Bornholm eine gute Vorbereitung auf das möglicherweise ruppige Wetter in der Irischen See.

Das Segeln im Solent ist echt für Fortgeschrittene, so viel Adrenalin hatte ich bisher selten beim Segeln. – Skipperin Kirsten alias Kirsche

Von Kiel über Cux nach Cowes

Die Überführung ihrer Segelyacht von Kiel nach Cowes brachte gute Vorbereitungsbedingungen. Es war alles dabei: Sturm, Regen, Gewitter und Sonnenschein. Von Kiel nach Cuxhaven rutschen sie bei bester Stimmung und mit viel Vorfreude in einem durch. Von Cux nach Cowes 
gab es die ersten Tage Superwetter bei 10 bis 15 Knoten.

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Die Tutima wartet im Hafen von Cowes auf ihren Einsatz © Felix Diemer

Die Crew ging mit Delfinen baden und genoss das Sunshine Sailing.
 Ab Belgien passierten sie den Ausläufer einer heftigen Front, die sie gut abwettern konnten. Im Englischen Kanal gab’s dann noch einmal viel Wind und Welle.

Jetzt liegt die Tutima in Cowes
 im Hafen. Alles ist nach Bruch und Verschleiß überprüft, das Sicherheitsequipment hat den offiziellen Safety-Check überstanden. Die Crew hat das Revier erkundet, sich mit der Startlinie und dem Szenario vertraut gemacht.

 Tutima Fastnet Race
Die Navigatorin Thanee studiert das Routing © Tutima
 Tutima Fastnet Race
Sebastian Wache erklärt die Taktik © Wetterwelt

Detailliertes Wetter-Routing für Tutima

float unterstützt Tutima bei ihrem ersten Fastnet Race mit einem Wetter-Routing – und hat dafür Sebastian Wache von der Wetterwelt engagiert. Der Meteorologe und float-Autor macht exklusiv für Tutima das finale taktische Routing nach den prognostizierten Wetter- und Strömungsbedingungen. Die 13 Seglerinnen an Bord sind damit bestens vorbereitet für die 605 Seemeilen bis zum Fastnet Rock – und dabei wollen sie ab morgen alles geben.

Was geschieht genau bei einem Wetter-Routing? Zunächst schaut der Meteorologe sich dafür die Wetterlage und das Windfeld im Überblick an. Danach geht Sebastian Wache ins Routingtool seines Computers, gibt die Polardaten des Schiffes ein, also die Performance-Daten, die angeben, wie schnell das Boot bei welchem Windwinkel und -tempo segelt. „Ich lasse damit alle möglichen und wichtigen Wind- und Strömungsdaten durchrechnen.“ erklärt Sebastian.

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Mit den Polardaten des Schiffes kann Sebastian ein genaues Routing erstellen © Wetterwelt

„Dann spuckt der Computer mir Vorschläge aus, welchen Kurs sie segeln sollen.“ Jetzt beginnt die Feinarbeit: Selbst Segler, schaut sich der Experte anschließend das Wetter mit allen Vorhersagemodellen im Detail an. Dann erst arbeitet er einen Routenvorschlag aus.

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Die Navigatorin Thanee Möller ist beim Routing nicht allein © Felix Diemer

You never sail alone

Mit dem Routing wird die Taktikerin der Tutima-Crew nicht allein gelassen. „Ich erkläre dazu auch, warum ich bestimmte Wegpunkte gesetzt und vorgeschlagen habe.“ Beim aktuellen Routing für das Fastnet Race ist es nur ein wichtiger Wegpunkt. „Nach einer Flautenzone zeigt sich ein recht konstantes Windfeld, mit dem sie gut umgehen können. Los geht es am Samstagmittag „mit leichtem bis mäßigen Wind aus Südost, der zusammen mit der Strömung des Feld in Richtung Plymouth drückt.

Allerdings zeigt sich dann recht bald eine Zone mit schwachem Wind, ja sogar teils kompletter Flaute. „Hier ist Taktieren angesagt.“ sagt der Meteorologe. „Wer findet wo den besten Windstrich und am schnellsten wieder das neue Windfeld?“

Diese Zone erstreckt sich über einen breiten Bereich der Strecke. „Wenn Tutima hier mit unserer Strategie gut durchkommt, kann sich die Crew große Vorteile für den Rest des Rennens erarbeiten. Das kann schon die Vorentscheidungen in den Platzierung bringen.“

  • Tutima Fastnet RaceSie sind schnell und professionell © Felix Diemer
  • Tutima Fastnet RaceTaktieren ist angesagt © Felix Diemer
  •  Tutima Fastnet RaceMöglichst schnell das neue Windfeld finden © Felix Diemer
  •  Tutima Fastnet RaceTolles Team © Felix Diemer

Schnelle Nummer um den Fastnet Rock

Sobald die Flautenzone verdrängt ist, sorgt bis zum Ende des Rennens ein sich festsetzendes Tief für relativ konstante und sehr gute Windbedingungen. „Es stehen kaum mehr als 6 Bft aus südwestlicher bis westlicher Richtung an. Mit Einsetzen des Windes ist eine recht schnelle Nummer um den Fastnet Rock und zurück bis Plymouth Harbour möglich.“

Mit dem Tief bleibt es dann zwar nicht trocken, allerdings stehen auch keine Überraschungen in Form von Unwettern an. Die Seglerinnen der Tutima-Crew werden also viel Spaß haben. Und sie werden hoffentlich alles aus dem Boot herausholen, um den besten Wind zu finden und schnell zu segeln.

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Der Fastnet Felsen, das Wahrzeichen des Rennens © Rolex/Carlo Borlenghi

Seit 94 Jahren zum Felsen

Das größte Offshore-Yachtrennen der Welt läuft über 605 Seemeilen. Von Cowes an der Südküste Englands um den Fastnet Rock geht es nach Plymouth. An den Start geht dises Jahr eine Flotte in Rekordgröße mit mehr als 400 Segelyachten, mit starker internationaler Besetzung aus 26 Ländern. Mehr als 3.000 Teilnehmer sind dabei. Mit am Start sind 20 IMOCA-Rennyachten, 22 Class-40-Boote und vier Ultim-Trimarane.

Namensgeber und Wahrzeichen des Rolex Fastnet Race ist der Fastnet Rock in der Irischen See, ein Felsen mit einem Leuchtturm, 54 Meter hoch. Er ist der Wendepunkt für die Boote beim Fastnet. Genau genommen sind es zwei Felsen. Der kleinere hat den Spitznamen Teardrop (Träne), da er das letzte Stück Land war, das die im 19. Jahrhundert nach Amerika auswandernden Iren von ihrer Heimat sahen.

Seit das Fastnet Race 1925, vor 94 Jahren, mit sieben Booten startete, findet es alle zwei Jahre statt – dieses Jahr zum 48. Mal. Der englische Royal Ocean Racing Club (RORC) ging im gleichen Jahr daraus hervor und organisiert seitdem das Fastnet Race zusammen mit der Royal Yacht Squadron. Der Australier Chris Stone wird das Offshore-Rennen dieses Jahr zum ersten Mal leiten.

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Einmal um den Felsen rum © Rolex/Carlo Borlenghi

Viele interessante Crews treten an

Unter den Crews aus Deutschland ist auch das Offshore Team Germany (OTG) mit seiner vor kurzem in Kiel getauften „Einstein“, einer IMOCA 60, mit der sie 2020 beim Ocean Race, dem Nachfolger des Volvo Ocean Race, antreten wollen, mit dabei.

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Boris Herrmann bei der Route du Rhum © Jean-Marie Liot

Boris Herrmann hat gerade bekanntgegeben, dass er im Anschluss an das Fastnet Race Greta Thunberg über den Atlantik bringt.

Er startet beim Fastnet Race mit dem Briten Will Harris auf der Malizia II. Er bereitet sich intensiv auf die Vendee Globe 2020 vor, bei der er als erster Deutscher teilnehmen will.

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Hannah Stodel heute auf ihrem Boot © Felix Diemer

Neben dem einzigen reinen Frauenteam Tutima sind weitere interessante Frauen am Start, die sich mit dem Fastnet Race auf die Vendee Globe 2020 vorbereiten. Zum Beispiel startet Hannah Stodel auf ihrer Class 40 namens „Tbc“, die im Interview mit float über die Herausforderung einer Weltumsegelung als Paralympics-Sportlerin berichtet hat. Für die Britin Pip Hare auf ihrer IMOCA „Superbigou“ ist das Fastnet ebenfalls ein Vorbereitungsrennen für die Vendee Globe 2020. Und auch die Britin Sam Davies ist dabei.

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Die Crew ist bereit © Felix Diemer
Kirsten Harmstorf-SchönwitzSteuer
Lisa PanuschkaVorsegel
Stephanie KöpckeSteuer
Svenja CarsenVorsegel
Sophie OpielokVorschiff
Katharina TietzCockpit
Steffi EdelerCockpit
Jasmin RapprichGroß
Thanee MöllerNavigation
Kristin LehmkuhlGroß
Stefanie KühnNavigation
Laila EnglerFloater
Mareike WeberVorschiff

Selbst mitschauen

Und hier ist der Tracker, über den ihr der Tutima-Crew live folgen könnt. Die Live-Übertragung des Starts beginnt am Samstag, um 11 Uhr deutscher Zeit. Tutima startet um 14:45 Uhr in der vorletzten Gruppe.

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