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Verrücktes Wetter!

Für die Jahreszeit zu warm in Deutschland, in Südeuropa Orkanböen und Schnee: Wie das Auf und Ab instabiler Luftmassen unser Wetter bestimmt.

Sebastian Wache
von in
3 Minuten

Spricht man das Wort „verrückt“ ganz langsam aus und verknüpft es nicht gleich mit einer Beleidigung, dann sagt es einfach nur aus, dass etwas nicht an genau der Stelle ist, wo es hingehört. Etwa so, wenn man sagt: Das Sofa wurde verrückt. So geht es derzeit auch mit dem Wetter zu. Es spielt nicht unbedingt verrückt, sondern: Das Wetter ist derzeit etwas verrückt.

Instabile Luftmassen

Aktuell sorgen lange Wellen in der oberen Troposphäre für ein regelrechtes Auf und Ab. Das „Ab“ gibt es von Neufundland herauf auf den freien Atlantik. Und es gibt ein „Auf“ auf Höhe der Biskaya in Richtung Zentraleuropa. Beim „Ab“ werden sehr kalte polare Luftmassen von Norden Richtung Süden transportiert.

Sie geraten dabei in recht warme Regionen des Atlantiks. Es ist also kein Wunder, dass sich bei diesem starken Temperaturunterschied – und einer Verteilung von kalt/oben und warm/unten – instabile Luftmassen ergeben. Damit bilden sich intensive Tiefdruckgebiete.

Anders sieht es beim „Auf“ aus. Dort werden warme Luftmassen weit nach Norden getragen. Sie sorgen für Rekordtemperaturen, mittlerweile schon im Februar. Je größer also die Ausschläge von „Auf“ und „Ab“, desto stärker und stabiler sind auch die Drucksysteme. So dringen kalte respektive warme Luftmassen viel weiter nach Süden oder Norden, als es normalerweise der Fall ist.

Wetter in Schlangenlinien

Geht man nun weg vom Atlantik und schaut weiter nach Osten, so muss es bei den Schlangenlinien zwangsläufig wieder ein nächstes „Ab“ geben. Denn dieses Geschlängel zieht sich derzeit um die gesamte Erde. Das nächste „Ab“ zeigt sich wiederum recht nah: Der sogenannte Hochdruckrücken senkt sich bereits auf der Höhe von Osteuropa. Er sorgt mit einer nördlichen Strömung für das Einsickern kalter Luft aus dem Norden. Und das so weit, dass diese kühlen Luftmassen bis in die Adria, das Ionische Meer und die Ägäis eindringen.

Wetter im Mittelmeer

Die Karte zeigt das Böenpotenzial am Samstagvormittag © Wetterwelt

Gerade im Ionischen Meer kann sich mit der, durch die großen Temperaturgegensätze ausgelöste starke Windströmung, ein eigenständiges Tief bilden. Deshalb wird es dort in den kommenden Tagen ziemlich wild. Beginnend mit einer Bora in der Adria sorgt das Tief im weiteren Verlauf für Orkanwetter südlich Sizilien. Anschließend gibt es einen heftigen Meltemi in der Ägäis – Bild 4 zeigt das Böenpotenzial am Sonntagmittag. Und weil die Luft dabei kalt genug ist, sind auch einige Schneeflocken in Südosteuropa und Griechenland gut möglich.

Wetter im Mittelmeer

Das Böenpotenzial für Sonntagnacht © Wetterwelt

17 Grad und darüber in Deutschland, gleichzeitig Schnee in Griechenland sind nächste Woche zu erwarten. Auch wenn das immer mal wieder vorkommt, ist es nicht die Regel. Man kann daher wirklich davon sprechen, dass das Wetter verrückt ist.

Wann kommt die Normalität zurück?

Wann sich wieder die jahreszeitliche Normalität einstellt, hängt davon ab, wann sich das Wellenmuster – also das „Auf“ und „Ab“ – zu einer geraden Linie abflacht. Das kann aber noch dauern. Denn gerade lange Wellenmuster sind oft sehr stabil und können lange anhalten.

2018 dauerte das länger als eigentlich üblich. So gesehen startete das Jahr 2019, was das große Wettermuster betrifft, sehr ähnlich wie das Vorjahr. Ob sich diese Tendenz bis in den Sommer zieht und wir – zumindest aus seglerischer Sicht – an Nord- und Ostsee wieder eine traumhafte Saison erwarten dürfen, lässt sich heute leider noch nicht sagen. Denn es kommt zu jeder Jahreszeit darauf an, ob wir im „Auf“ oder im „Ab“ sind.

Unser Autor Sebastian Wache macht als Diplom-Meteorologe für WetterWelt Wetterberatung, Seminare, Gutachten, Törn- und Regattaberatung.

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