float Magazine

© Hinnerk Bodendieck
Update Segel-Events und Corona

Rund Skagen ist abgesagt

Jetzt hat es auch die Nordseewoche erwischt. Große Segelwochen werden wegen Corona verändert, verschoben oder fallen ganz aus.

von
Hans-Harald Schack
in
5 Minuten

Corona fordert sportliche Opfer: Viele große Regatten werden gerade abgesagt. Bei anderen vollzieht der Segelsport eine Wende zurück zu den Ursprüngen: Um Menschenansammlungen zu vermeiden, verzichten die Organisatoren auf die damit verbundenen Volksfeste. So werden die Segler-Events wieder zu reinen Segelsport-Veranstaltungen.

Zum Beispiel die Nordseewoche: Zumindest die wichtigsten Wettfahrten – mit Preisen der beiden Hauptsponsoren – sollen stattfinden. Organisationsleiter Marcus J. Böhlich gegenüber float: „Wir würden gern am 31. Mai den Capitell-Cup rund Helgoland segeln und am 1. Juni zum Pantaenius Rund Skagen Race starten.“

Nun kam endlich die Entscheidung: Das Rund Skagen Race findet statt, startet aber nicht auf Helgoland, sondern in Cuxhaven. Denn der Hafen von Helgoland ist noch für Sportboote gesperrt. Da vor Cuxhaven angeschossen wird, ist die Strecke um ganz Dänemark 545 Seemeilen lang und damit um 30 Seemeilen länger.

Ein weiteres Zugeständnis an die aktuelle Corona-lastige Lage und zum Schutz vor möglichen Infektionen ist, dass die Langstrecke ausschließlich als Double-Hand-Regatta, sprich mit zwei Seglern pro Boot, gesegelt werden darf.

Bisher sind nur Zweier-Crews erlaubt

Will die Sponsoren-Pokale verteilen: Markus Böhlich, Organisationsleiter der Nordseewoche
Will die Sponsoren-Pokale verteilen: Markus Böhlich, Organisationsleiter der Nordseewoche © Franck/Nordseewoche

Der Wunsch von Wettfahrtleiter Böhlich, dass Regelungen getroffen werden, die es erlauben, größere als Zwei-Personen-Crews an Bord zu haben, hat sich damit nicht erfüllt. Die Zustimmung der dänischen Behörden dagegen sei zwar wünschenswert, aber nicht nötig: Bei planmäßigem Verlauf des Rennens geht ohnehin niemand in Dänemark an Land.

Warnemünde und Travemünde fallen aus

Andere große Regatten sind konsequent aufs nächste Jahr „verschoben“ worden, fallen also ersatzlos aus. Das betrifft zum Beispiel die Internationale Bodenseewoche (jetzt: 27. – 30. Mai 2021), die Rheinwoche (21. – 24. Mai 2021), die Warnemünder Woche (3. – 11. Juli 2021) und die Travemünder Woche (23. Juli – 01. August 2021).

Diese Ausfälle reflektieren die Tragödie moderner Sportevents: Zu sehr sind diese Veranstaltungen, und damit auch überregionale Regattawochen, auf Sponsoren und Gewerbeeinnahmen und folglich auf ein großes Publikum angewiesen.

Kieler Woche schlägt anderen Kurs ein

Einen anderen Weg geht die Kieler Woche, die als größte Regatta der Welt gilt. Sie findet traditionell in der letzten vollständigen Woche im Juni statt. Zum ersten Mal in der 70jährigen Geschichte des Sportereignisses hat man es nun in den Spätsommer (5.-13. September) verlegt.

Olympiazentrum in Schilksee während der letztjährigen Kieler Woche
Olympiazentrum in Schilksee während der letztjährigen Kieler Woche © segelbilder.de

Aber auch dann wird die Kieler Woche nicht mehr die Alte sein, erklärt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer: „Das Infektionsrisiko ist bei einem so ausgelassenen Fest auch im September noch zu hoch.“ Deshalb gehe man „back to the basics“ und werde den Sport wieder in den Fokus rücken.

Kämpfer: „Wir machen Segeln plus X.“ Mit anderen Worten: Ein Rahmenprogramm könnte stattfinden, aber vorläufig lässt man sich alle Optionen offen. Der Leiter des städtischen Kieler Woche-Büros, Philip Dornberger, arbeitet an einem „dynamischen Konzept für eine etwas andere Kieler Woche.“ Die veranstaltenden Segelvereine, federführend der Kieler Yacht-Club, stehen vor einer großen Herausforderung. Hierzu Regattachef Dirk Ramhorst im Interview mit float.

Da war noch alles in Ordnung: volle Boxen in Schilksee im Juni 2019
Da war noch alles in Ordnung: volle Boxen in Schilksee im Juni 2019 © segelbilder.de

Interview mit Kieler-Woche-Regattachef

float: Herr Ramhorst, macht die Kieler Woche ohne Volksfest und Rahmenprogramm überhaupt noch Sinn?

Ramhorst: Diese Frage wäre mir selbst nie in den Sinn gekommen, aber tatsächlich haben wir 2004 mal eine Befragung gemacht, deren Ergebnis uns überrascht hat. Es gab und gibt viele Leute, für die die Kieler Woche ein reines Volksfest mit Musik und Rummel ist. Und für andere ist sie eine reine Regatta-Veranstaltung. Wir haben damals angefangen, das Segeln mit Großbildwänden und Wettfahrten auf der Innenförde in die Stadt zu holen, und wir haben ein bisschen Volksfest und Publikumsevents nach Schilksee geholt. Es gibt die Vereinbarung, dass es keine Trennung zwischen Volksfest und Segeln geben soll.

Dirk Ramhorst
Dirk Ramhorst organisiert die Regatten der Kieler Woche © Segelbilder.de

Volksfest und größere Publikumsevents können Sie aber dieses Mal vergessen.

Es ist unrealistisch, bis Ende August mit Beschränkungen zu leben, und dann – falls diese aufgehoben werden – binnen einiger Tage ein Volksfest aus dem Boden zu stampfen. Wir werden eine Kern-Kieler-Woche veranstalten. Wir besinnen uns auf das, was die Kieler Woche ausmacht. Segeln.

Wie kommt das in der Öffentlichkeit an?

Wir haben es zuerst in den Social Media gepostet, und 95 Prozent aller Reaktionen waren: Super! Es gab in der langen Geschichte der Kieler Woche schon häufiger Phasen, in denen das große Umfeld wegbrach und die Kieler Woche sich neu erfinden musste. Das ist am besten wohl nach dem Zweiten Weltkrieg geglückt, als der Kieler Yachtclub in der Diskussion mit den Politikern darauf bestand, dass die Kieler Woche ihrem Wesen nach eine Sportveranstaltung ist und sich nicht von der Politik instrumentalisieren lässt. Seitdem ist sie beides, das größte Fest des Nordens und hochkarätiger Sport. Das soll schon bald wieder so werden.

Der Kieler-Woche-Termin „letzte vollständige Juni-Woche“ galt ja bisher als nicht verhandelbar. Könnte diese Position jetzt kippen?

Wir werden hoffentlich schon nächstes Mal in den Juni zurückkehren.

Fünf bis sechs Regattabahnen sollen im September auf der Kieler Förde bespielt werden
Fünf bis sechs Regattabahnen sollen im September auf der Kieler Förde bespielt werden © segelbilder.de

Müssen Sie in diesem Jahr das sportliche Angebot runterfahren?

Das werden wir nicht. Wir wollen das volle Regatta-Programm über neun Tage anbieten, also olympischer und nicht-olympischer Teil und die Seebahnen. Diesmal aber eher klassisch – also keine spektakulären Dinge wie „Moths“. Schlimmstenfalls werden es rein deutsche Rennen, wenn nämlich die Grenzen dicht sein sollten. Wir wollen fünf oder sechs Regattabahnen beschicken.

Wie wollen Sie die Kontakte unter den Seglern begrenzen?

Wir teilen Schilksee in drei Gebiete auf: Süd, Nord und Strand. Wir müssen unter tausend Personen pro Veranstaltung bleiben, das schaffen wir. Selbst wenn man Begleiter – bei vielen Jugendlichen sind ja die Eltern dabei – und Wettfahrtleitungen, Helfer, Trainer und Begleitboot-Crews rechnet, ist das unter einen Hut zu kriegen. Es wird Aufenthaltsorte nur für Segler und andere für begrenztes Publikum geben. Und natürlich werden wir dafür sorgen, dass es allen Seglern und Begleitern möglich ist, die Hygienevorschriften einzuhalten.

Und wenn sich die Zuschauermassen am Strand und auf der Mole ballen?

Das haben sie noch nie gemacht, aber tatsächlich liegt das außerhalb unseres Gebiets und ist damit nicht unser Problem. Aber auch das wird sicher gelöst.

Herr Ramhorst, wir danken für das Gespräch!

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