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Kuba ist als Segelrevier noch weitgehend unberührt © Marcel Gollin / Charterbar
Segelrevier Kuba

Wie eine Zeitreise

Manche Segler denken, die globale Seekarte habe heute keine weißen Flecken mehr. Wenn sie sich da mal nicht irren.

von
float Redaktion
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6 Minuten | 2 Kommentare

Kuba! Wer den Namen hört, hat Bilder in Kodakchrome vor dem inneren Auge: dicke Zigarren und kühle Drinks in gleißender Sonne, endlose Strände, auf Hochglanz polierte Oldtimer und romantische Ruinen, bärtige Guerilleros und ausgelassene Tänzer. Und wie sieht das Segelrevier Kuba aus?

Die größte karibische Insel mit der reichen spanischen Vergangenheit ist durch die jahrzehntelange politische und wirtschaftliche Isolation vom Overtourism bisher verschont geblieben. Deshalb sieht die ausgedehnteste Küste der Karibik mit mehr als 4.000 vorgelagerten Inseln und Inselchen auch heute noch nahezu so naturbelassen aus wie zu Piratenzeiten. Eigentlich das perfekte Segelparadies.

Kuba
Kuba Feeling: Oldtimer und Kolonialstil © Marcel Gollin / Charterbar

Wer indes auf Kuba schon mal das Abenteuer gewagt hat, Bahn oder auch nur Bus zu fahren, dürfte bei diesem Gedanken Skrupel verspüren: Kann das funktionieren, hier ein Boot zu chartern und zu segeln?

Oh ja, das kann es! Während in der letzten sozialistischen Bastion der nördlichen Hemisphäre vieles erschütternd morsch und marode ist, entpuppen sich die dortigen Boote für die Yachtcharter seit kurzem als gut gewartet und das Revier als sicher, gut erschlossen und dabei überraschend ursprünglich.

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Segeln auf Kuba: Ursprünglich und beinahe allein © Marcel Gollin / Charterbar

Cienfuegos ist die einzige Charterbasis

Die einzige Basis für die Yachtcharter im Segelrevier liegt in Cienfuegos im Süden der Insel. Das hat die Regierung so bestimmt. Wie so vieles auf Kuba ist auch der Bootsverleih auf Kuba komplett in staatlicher Hand. Das hat unter anderem den Vorteil, dass die Preise fix sind. So kostet es zum Beispiel einheitlich 100 Euro pro Tag, einen revierkundigen Skipper für das Segelrevier Kuba zu engagieren. Davon sieht der Bootsführer nur einen Bruchteil. Das Durchschnittsverdienst auf der Insel liegt bei rund 30 Euro – im Monat.

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Die Marina in Cayo Largo © Marcel Gollin / Charterbar

Der Staat verdient auf Kuba immer mit

Den Löwenanteil der Charter kassiert der Staat, der im Prinzip überall die Hand aufhält: Wer Kuba bereist, muss sich also damit anfreunden, einem repressiven System in die Hand zu wirtschaften, das die Opposition unterdrückt und die Menschen im Land festhält. Andererseits garantiert dieses System allen hohe Sicherheit, hervorragende Ausbildung und flächendeckende ärztliche Versorgung – und davon profitieren auch Touristen.

Wie auch immer man zu dem Thema Politik stehen mag: Preise für Waren und Dienstleistungen sind auf Kuba insoweit bezahlbar, dass eigentlich immer ein ordentliches Trinkgeld für den Skip – und natürlich jeden Kubaner, der ausländischen Besuchern einen Dienst erweist – drin sein sollte. Und das landet an der richtigen Adresse: beim Volk. Die Menschen werden es Ihnen danken!

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Menschen auf Kuba: ohne jeden Luxus, aber mit viel Lebensfreude © Marcel Gollin / Charterbar

Die allgegenwärtige Staatsmacht sorgt nicht nur für Sicherheit, sondern auch für ein hohes Dienstleistungs-Niveau. So ist die Kommunikation mit Küstenfunkstellen auf Englisch im Segelrevier Kuba kein Problem, auch in den Marinas versteht man Englisch. Ansonsten verständigt man sich natürlich auf Spanisch, ein paar Sätze und die wichtigsten Worte zum Einkaufen sollten Segler also beherrschen. Ein- und Ausklarieren läuft inzwischen problemlos: Man teilt den Auslauftermin mit, zum vereinbarten Zeitpunkt kommt die Polizei, checkt Ausweise und Mannschaft und geht wieder von Bord.

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Gold wert: ein ortskundiger Skipper an Bord © Marcel Gollin / Charterbar

Kubanische Skipper können hervorragend kochen

Ein ortskundiger Bootsführer ist übrigens immer zu empfehlen: Jeder kubanische Skipper wird über zwei Jahre gründlich ausgebildet, muss die erworbenen Kenntnisse bei einer Prüfung nachweisen, und kann dem Reisenden darüber hinaus viel über Land und Leute erzählen. Zudem kocht so ein kubanischer Seemann in der Regel hervorragend und landestypisch. Ein weiterer Vorteil liegt in seiner technischen Expertise: Falls mal etwas kaputt ist an Bord, wird der Skipper das schnell richten.

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Immer Ersatzteile an Bord: Boote der Charterfirma Platten-Sailing © Marcel Gollin / Charterbar

Auf Ersatzteile muss nicht lange gewartet werden. Eine Besonderheit der Yachtcharter bei Platten-Sailing ist es, dass ein zweiter Propeller, ein Anlasser oder sogar eine Ersatz-Lichtmaschine stets mitgeführt werden. Das hat seinen Grund: Noch immer – wie seit 50 Jahren – steht Kuba unter dem US-Wirtschaftsembargo, so dass Waren nicht schnell mal aus den Vereinigten Staaten eingeflogen werden können.

Aber seit wenigen Jahren wurden die wirtschaftlichen Sanktionen immerhin insoweit gelockert, dass über den Umweg Europa vieles eingeführt werden kann, allerdings nur per Schiff. Seitdem horten auch die Charterfirmen Ersatzteile. So kann im Fall einer Panne schnellstens reparieren werden, damit der Chartertrip nicht lange unterbrochen ist.

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Bei Tageslicht sicher segeln und Abends vor den Cayos geschützt ankern © Marcel Gollin / Charterbar

Wer selbst navigiert, sollte nur tagsüber segeln

Selbst navigieren ist natürlich möglich, allerdings sollten Revierunkundige nur bei Tageslicht segeln – die Betonnung ist zwar gut, doch die Seezeichen tragen mitunter kein Licht. Zudem befindet sich bei den Charteryachten der Plotter unter Deck, so dass ein exaktes Navigieren 1:1 zumindest erschwert wird. Wer sich für Bareboat-Charter entscheidet, sollte die Einweisung durch den Vercharterer unbedingt ernst nehmen und sich alle Besonderheiten ausführlich erklären lassen.

Die Hafengebühren im Segelrevier Kuba sind für karibische Verhältnisse sehr günstig: 25 Euro betragen die täglichen Liegekosten für einen 40-Fuß-Katamaran. Natürlich stehen auch klassische Yachten zur Verfügung, aber mit Kat hat man viel mehr von diesem Revier: Da es vor Kuba längst nicht so voll ist wie andernorts in der Karibik, entfallen die typischen Platzprobleme für Doppelrumpfboote – und Kats kommen in allen Situationen näher heran: an zuckerweiße Strände, an die malerischen Mangrovenwälder in Cayo Largo oder an die Angel-, Tauch- und Schnorchelgründe.

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Naturnah: Ein einsames Revier mit ganz urtümlichen Bewohnern © Marcel Gollin / Charterbar

Das Klima ist – wie auch sonst um die Großen Antillen – relativ beständig: Der Nordostpassat weht das gesamte Jahr hindurch mit konstanter, zumeist moderater Stärke von Beaufort 3-4. Eher nicht empfehlenswert ist das Chartern in der Hurrikan-Saison. Sie beginnt im Juni und endet im November, wobei es im Oktober am stürmischsten werden kann.

Die Einsamkeit des Reviers ist bezaubernd

Die maritime Infrastruktur ist nicht sehr ausgeprägt, doch das vermisst man auch kaum: Man liegt fast überall sehr bequem und gut geschützt vor Anker, aufgrund der angenehmen Temperaturen von um 30 Grad in der Luft und ein wenig weniger im Wasser sind sanitäre Anlagen und Landstrom zumeist entbehrlich.

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Wie eine Zeitreise: noch gibt es einsame Strände © Marcel Gollin / Charterbar

Vor allem: Die Einsamkeit des Reviers ist bezaubernd, das sollte die meisten Segler mit seinen Nachteilen versöhnen. Denn es gibt nur ein paar Dutzend Charteryachten auf Kuba, aus anderen Karibikstaaten und den USA sind oft nur eine Handvoll Gastlieger anzutreffen.

„Es ist wie eine Zeitreise“, sagt Ümit Uzun, Geschäftsführer von Charterbar Yachting, der erst kürzlich einen Kuba-Törn gemacht hat. Das betraf auch Navigation und Törnplanung: „Das aktuelle Wetter holt man sich morgens im Hafen, so wie früher. Ich fand das gut, weil die Verpflichtung, sich darum zu kümmern, viel stärker fühlbar war als auf digitalem Weg.“

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Törnplanung klassisch © Marcel Gollin / Charterbar

Die meisten segeln westwärts nach Cayo Largo

Wie die meisten Segler wählte er den Törn-Klassiker für Kuba: Von Cienfuegos westwärts nach Cayo Largo. Diese Reise verlangt anfangs zwar einen langen Schlag über 40 Seemeilen (rund 75 Kilometer). Doch die Mühe der Passage wird belohnt durch eine einzigartige Inselwelt, viele einsame Ankerbuchten und nicht zuletzt die Marina Cayo Largo mit originalem Karibik-Feeling.

Für den Törn Cienfuegos-Cayo Largo und zurück sollten zehn Tage eingeplant werden, um zwischendurch noch ein bisschen Zeit für den ein oder anderen Badetag zu haben. Natürlich kann man auch nach Osten Richtung Trinidad und weiter segeln, aber eine so umfangreiche und vielfältige Über- und Unterwasserwelt wie im Westen gibt es dort nicht.

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Immer einen Besuch Wert: Havanna © Marcel Gollin / Charterbar

Havanna sollte jeder Segler gesehen haben

Die Nordküste im Segelrevier Kuba hingegen ist unzugänglich: Es würde zu lange dauern, mit einer Charteryacht dorthin zu gelangen. Dennoch sollten Segler immer auch ein Ziel im Norden einplanen, empfiehlt Uzun: „Havanna ist unbedingt einen Besuch wert!“ Die kubanische Hauptstadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten und dem unvergleichlichen Straßenleben sei ein so prägendes Erlebnis gewesen, dass einfach jeder da mal hinfahren sollte. Notfalls eben auf dem Landweg.

Segeln in Kuba - Revierinformationen und Erlebnisbericht einer Yachtcharter in der Karibik

Mehr Infos gibt es bei unserem Partner Charterbar Yachting.

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