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Plastik im Müggelsee durch Fischzucht? © Andreas Steinhoff / Wikimedia Commons
Plastikmüll

Winziger Kunststoff im größten See Berlins

Im Berliner Müggelsee schwimmen Kunststoff-Partikel unbekannter Herkunft. Der Fall erinnert an einen Skandal an der Schlei.

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Gewässerverunreinigung durch Plastik ist ein globales Problem. Dass es sich nicht nur „weit weg“ ereignet, sondern auch vor unserer Haustür, zeigt ein aktueller Fall aus Berlin. Seit einiger Zeit werden dort kleine Plastikpartikel an den Strand des Müggelsees geschwemmt. Mehrere Eimer des Treibguts haben Besucher in den vergangenen Jahren am Ufer des größten Sees auf dem Territorium der deutschen Hauptstadt aufgelesen.

Die unzähligen Kunststoffteilchen sind etwa einen halben Zentimeter groß. Es soll sich um Mini-Filter handeln, die in Fischzuchtanlagen zur Wasserreinigung dienen. Doch eine solche Anlage gibt es am Müggelsee und auch in näherer Umgebung nicht.

Müggelsee BerlinIm Südosten Berlins © Felix Hahn / CC-BY-SA 2.0Kommunalpolitiker versuchen jetzt, die Verursacher zu finden. Den ersten Schritt machte der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Bezirksparlament, Bertram Wieczorek: Er stellte eine große Anfrage im Parlament des Anrainer-Bezirks Treptow-Köpenick. Doch bisher gab es keine Hinweise auf die Quelle. Die Berliner Wasserbehörde, die auch für den Müggelsee verantwortlich ist, habe bei einem Ortstermin vor drei Jahren kein Plastik gefunden, berichtete kürzlich der Berliner Tagesspiegel.

Wieczorek, der einige Jahre als Staatssekretär im Bundesumweltministerium und später als Chef der Berliner Wasserbetriebe tätig war, hat jetzt erreicht, dass sich das Bezirksamt von Treptow-Köpenick noch einmal an die Wasserbehörde wendet. Der 70-jährige Politiker glaubt, dass die Filter vor Jahren illegal im Müggelsee verklappt wurden. Es könne noch lange dauern, bis die Überreste sämtlich am Ufer angeschwemmt und entsorgt sind, zitiert ihn der Tagesspiegel.

Fall erinnert an Schlei-Skandal

Der Fall, der die weltweite Bedrohung durch Plastik-Müll für Seen und Meere widerspiegelt, erinnert an die Verschmutzung der Schlei vor wenigen Jahren. Im März 2018 waren große Mengen an winzigen Plastikteilen aus dem Klärwerk von Schleswig in den Ostseefjord gelangt (float berichtete). Nachdem die Teilchen am Ufer der Schlei auftauchten, musste die öffentliche Hand Strände und einen Teil der Kläranlage aufwendig reinigen. 1,8 Millionen Euro kostete das.

Schlei Plastikmüll
Gehäckselte Verpackungsreste in der Schlei © Stephan Boden

Ursache des Plastik-Desasters: Das Unternehmen Refood, das verdorbene und überlagerte Lebensmittel verwertet, lieferte über einen längeren Zeitraum Speiseabfälle im Klärwerk ab. Das Werk zerhäckselte die Bioabfälle, ohne sie vorher von der Verpackung zu trennen. Kurz darauf begann die Suche nach den Verantwortlichen. Schließlich erhob die Staatsanwaltschaft Schleswig gegen die Chefs von Stadtwerken und Refood Anklage wegen fahrlässiger Gewässerverunreinigung. Auf Umweltstraftaten wie diese stehen Geldstrafen, im Extremfall auch bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe.

Vor wenigen Tagen stellte das Gericht die Verfahren nun ein, da den beiden keine „individualisierbare Schuld“ nachzuweisen sei. Dafür setzt die Staatsanwaltschaft nun auf einer unteren Ebene an. Erneut hat sie Anklage erhoben, nun gegen drei Mitarbeiter der Abwässerentsorgung der Stadtwerke. Sie hätten nach Ansicht der Staatsanwaltschaft erkennen müssen, dass die angelieferten Lebensmittel-Abfälle Plastik enthielten, das nicht ins Klärwerk gelangen durfte.

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