Die Elbe fordert Respekt ein. Wer in dem Tidenrevier schon mal unterwegs war, wird die Tücken, die herausfordernden Besonderheiten wie Gezeiten und Strömungen schnell erleben. Hinzu kommen die großen Schiffe, die den Hamburger Hafen anlaufen oder verlassen und gerade von den Freizeitkapitänen besondere Aufmerksamkeit verlangen.
Köhlfleet
Der Köhlfleet im Stadtteil Hamburg-Finkenwerder ist ein ausgebauter Nebenarm der Elbe mit einem kleinen Zufluss zur Alten Süderelbe, wobei der Fleet derzeit mehr ein See als ein Fließgewässer ist. Das, so der Vereinsvorsitzende der Elb-Segler-Vereinigung, Marc Dau, hätte den Vorteil, dass auf dem Nebenarm ein relativ entspanntes Jugendsegeln ohne Tiefenbeschränkung möglich sei im Gegensatz z.B. zum Mühlenberger Loch, das vor allem bei Ebbe größtenteils trockenfällt.

Hier hat die Vereinigung ihr Domizil mit einem kleinen Vereinshaus, zwei Winterlagerhallen sowie einem Steg für Ausrüstungsarbeiten im Rahmen des Auf- und Abslippens. Der schon 1901 gegründete SC Oevelgönne ist der unmittelbare Nachbarverein, während zur damaligen Zeit die dort ansässige Bootswerft Heuer nach Finkenwerder umgesiedelt ist.
Die Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft
Von Marc Dau erfahren wir auch, dass das damalige Sommerlager der Boote ca. 1966 nach Wedel umgezogen sei, nachdem vorherige Verhandlungen über den Verbleib des Vereins am Köhlfleet mit der Stadt erfolgreich waren. Denn ursprünglich wurde ihnen das gesamte Gelände zunächst gekündigt.
Als der Hamburger Hafen nach dem Kriege immer mehr ausgebaut wurde, die Elbe weiter vertieft wurde und bei Ebbe die Vereinshäfen zunehmend trockenfielen, schuf man 1961 an der Unterelbe einen tidenunabhängigen Großhafen. 51 Mitgliedsvereine sind hier inzwischen Mitglied der Hamburger Yachthafen-Gemeinschaft, die die Liegeplätze an ihre Mitglieder vergibt. So auch die Mitglieder der Elb-Segler-Vereinigung, die im Sommer 1966 ihre Sommerlieger in den neuen Yachthafen in Wedel verlegten.
Bescheidene Anfänge
Die Hohenzollern-Dynastie war 1918 durch die Novemberrevolution vom Hof geworfen und ins Exil geschickt worden. Vorbei damit auch die Zeit der großen Schoner, aber auch vorläufig der „Lustsegelei“ in Deutschland, die allenfalls vom Hochadel und vermögenden Kaufleuten gepflegt wurde. Die hatten vor allem noch vor der Jahrhundertwende im Norddeutschen Regatta Verein und/oder Hamburger Segel-Club ihre Heimat gefunden.

Aber nicht nur in Berlin frönten immer mehr „kleine Leute“ mit bescheidenen Mitteln dem Wassersport, sondern auch in Hamburg. Immerhin sind in und um Hamburg noch vor dem Krieg schon fünf Segelclubs bzw. -vereine gegründet worden, nach dem Weltkrieg dann noch drei – u.a. eben die Elb-Segler-Vereinigung auf der Waltershofer Seite des Köhlfleets und der Bille Wassersport Verein e.V. (BWSV) jenseits der Elbbrücken am Ende des Holzhafens.
Die ersten zehn Jahre des Vereins liegen im Dunkel der Vergangenheit. Die Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg trugen dazu bei, dass durch die Nähe des Vereins zum Hafen sämtliche Unterlagen des Vereins aus dieser Zeit vernichtet wurden, denn die Hafenanlagen sind zu 80 Prozent zerstört worden. Allein 16 Bombentrichter mussten vor dem Wiederaufbau der Vereinsanlagen nach dem Krieg zugeschüttet werden.
Vom Kleingarten aufs Boot
Ab den 1920er-Jahren kam im Zuge der wachsenden Industrialisierung und der Bewältigung der schweren Inflation auch die Segelei langsam wieder in Gang. Diese wurde zunehmend von Handwerkern, Angestellten und Beamten ausgeübt. Wahrscheinlich sogar von einigen, die im Sommer in der damals teils noch ländlichen Umgebung Waltershofs in den Kleingärten verbrachten.

Und durchaus möglich, dass die Gründungsväter der ESV vom gleichen Gedanken beseelt waren wie die Gründer des benachbarten Vereins, dem Segel-Club-Oevelgönne von 1901, nämlich „sich gegenseitige Freundschaft zu geloben, stets zusammenzuhalten und sich gegenseitig behilflich zu sein bei jeder Gelegenheit“, wie man dort nachlesen kann.
Zu Beginn der Nazi-Herrschaft hatte der 1. Vorsitzende der ESV als „Gauwassersportbeauftragter“ die Order erhalten, sogenannte „kleine“ Segelvereine aufzulösen. Die ESV fiel darunter und auch der kleine BWSV. Um das zu verhindern, schlossen sich beide Vereine unter dem Stander der ESV zusammen und besaßen nun zwei Vereinsanlagen.
Wer ist Hein Garbers?
Hein Garbers war das wohl bekannteste und berüchtigste Mitglied in der ESV, ein begnadeter Schiffskonstrukteur und williger Nazi-Akteur.

Der Hamburger Segler und Schiffbauer überquerte 1938 mit seiner selbstgebauten Stahlyacht „Windspiel III“ erstmals den Atlantik. Im Zweiten Weltkrieg brachte er sechsmal unter Segeln in militärischem Auftrag Agenten nach Südamerika.
1949 erfolgte der Stapellauf der von Hein Garbers gebauten „Windspiel IV“. Garbers starb 1963. Er wurde nur 54 Jahre alt. Alle seine von ihm oder nach seinen Plänen gebauten „Windspiel-Yachten“ zeugen von dem designtechnischen Können dieses verstrickten Mannes.
Die Aufbaujahre
Nachdem 1943 die Anlagen an der Elbe und an der Bille weitgehend zerstört wurden, kam der Wiederaufbau schnell in Gange. Zunächst wurden notdürftig Pontons und Stege installiert, 1951 wurde das Vereinshaus errichtet. Jahrzehnte später erfolgte der Abbruch einer alten Bootshalle, die durch zwei neue Hallen ersetzt wurde.

Als 1946 auf der Unterelbe schon wieder bis Glückstadt gesegelt werden durfte, nahmen auch die ersten ESV-Yachten im September des Jahres an der ersten Nachkriegsregatta teil. Wahrscheinlich hatten die Besitzer ihre Yachten im eher sicheren ländlichen Umland eingelagert und so vor allem auch vor der Konfiszierung durch die englische Besatzungsmacht gerettet haben.
Erfolgreiche Jugendarbeit
Im Oktober 1948 wurde die Jugendgruppe neu gegründet. Zunächst wurde der vereinseigene Kutter instandgesetzt, später vom BWSV ein Kutter übernommen. Die Segelausbildung und die legendären Wanderfahrten auf Jugendwanderkuttern spielten in allen an der Elbe ansässigen Vereinen immer eine besondere Rolle.

Die Jugendlichen des Vereins profitierten auch in all den Jahren immer wieder von den gespendeten Schiffen des vom DSV mit Silber für seine Wettfahrten geehrten Vereinsmitglieds Jan Libnow: 1970 war es der gaffelgetakelte Kat „Albatros V“, nach seinem Tod dann 1988 auch seine letzte Yacht.
Die Jugendausbildung findet heute hauptsächlich auf Optis und RS-Feva-Jollen statt.
Die Mischung macht’s
Der Vereinsvorsitzende Marc Dau blickt recht zuversichtlich in die Zukunft seines Vereins. Auf die Frage, was die Vereinigung heute besonders auszeichnete, erklärt er gegenüber float: „Es ist die besondere Mischung aller Facetten des Seglers: vom Liebhaber historischer Yachten über den allgemeinen Familientourensegler bis hin zum eifrigen Regattasegler, der es mitunter selbst im hohen Alter nicht lassen kann. Allen wollen wir gerecht werden und sie alle bei ihrem Hobby unterstützen.“
Zur Geburtstagsfeier am 27. Mai hat man Vertreter von Behörden und anderen Vereinen geladen, wie die Hamburger Innenbehörde, die Hamburg Port Authority (HPA), die das Port Management der Freien und Hansestadt Hamburg betreibt und Eigentümerin des Großteils der Hafengrundstücke ist, sowie den DSV und den benachbarten SCÖ, mit dem man sich die Slipbahn und Steganlage teilt. Besonders willkommen ist man als Gast per Boot. Aber Vorsicht, nachmittags herrscht Ebbe!