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Die holsteinische Ancora Marina in Neustadt ist zu Ostern nur für Bootseigner offen © Michael Zapf/HMC
Coronaregeln

Zu Ostern aufs Wasser

Was Segler und Motorbootfahrer zu Ostern dürfen: Wo geht es wie und wann aufs Boot? Wir haben in vier Bundesländern nachgefragt.

von
Kerstin Zillmer
in
8 Minuten

Was geht an den Ostertagen? Darf ich zu meinem Boot, darf ich rausfahren und sogar an Bord übernachten? Und: Darf ich auch in andere Häfen fahren? Unter welchen Bedingungen muss das geschehen? Und vor allem: In welchem Bundesland gelten welche Vorschriften?

Regionen im Überblick

Fragen über Fragen, die sich alle Bootsbesitzer vor den Ostertagen stellen. Denn das Wetter spielt mit, und die Sehnsucht nach Weite und Wasser ist ebenso groß wie der Lockdown lang war. Im letzten Jahr sorgte ein Wust an Regelwerken dafür, dass die Segelsaison spät startete.

So viel vorab: Es geht schon etwas. Wenn das Boot gekrant und im Wasser ist, darf man. Aber sind die Regeln für Segler und Bootfahrer in allen Bundesländern gleich? Wir haben in Schleswig-Holstein, Brandenburg, Mecklenburg Vorpommern und Baden-Württemberg in den Marinas nachgefragt.

ancora Marina
ancora Marina in Neustadt in der Lübecker Bucht © Ancora Marina

Schleswig-Holstein

In der ancora Marina sprachen wir mit Hafenmeister Kim Seemann. Der größte Privathafen der Ostseeküste hat sich seit nunmehr 47 Jahren auf die Fahne geschrieben, nie still stehen zu wollen. Und – richtig, auch nach der Corona-bedingten Schließung im letzten Frühjahr lief es rasch wieder rund. Die meisten Lieger in der Neustädter Marina nehmen die neuen Regeln gelassen: „Neun von zehn der Kunden sind entspannt.“

Herr Seemann, wie ist die Stimmung in der ancora Marina?

Kim Seemann: Die Stimmung ist gut, weil man wieder so ein bisschen befreit wird. Die Kunden können wieder ihrem Hobby nachgehen. Es geht endlich wieder los. Ansonsten ist alles ganz entspannt.

Wie sind die Regeln aktuell in Schleswig-Holstein?

Sie dürfen nach dem aktuellen Stand in die Lübecker Bucht rausfahren und müssen abends wieder reinkommen. Sie dürfen nirgendwo anders hinfahren, weil das unter Tourismus fällt. Sie dürfen auf dem Boot nächtigen, denn das Boot ist ihr Zweitwohnsitz. Woanders anlegen und sich dort aufhalten ist untersagt, weil der Wassertourismus noch verboten ist.

Wie ist die Situation im Hafen? Stehen die Leute Schlange und wollen unbedingt Ostern schon aufs Wasser?

Ja, aber das hat nichts mit Corona zu tun. Das ist bei uns immer so.

Dürfen Eigner aus anderen Bundesländern zu ihrem Boot?

Ja, das steht den Eignern völlig frei. Grundsätzlich gilt die Maskenpflicht im Büro und im Kundenkontakt. Die Toiletten sind entsprechend der Hygieneregeln zu nutzen und nur jede zweite Dusche ist geöffnet. Es ist das gleiche Konzept wie letztes Jahr.

Kommen Sie trotz Corona mit dem Kranen gut hinterher?

Wir sind gut in der Zeit. Wir gehen nicht mehr aufs Boot mit den Kunden, aber sonst läuft alles wie sonst.

Wie viele Boote sind denn schon im Wasser?

Wir haben ungefähr 200 Boote im Wasser. Es fehlen noch 600 Boote, die ins Wasser sollen. 16 Winterlagerhallen, 600 Boote in den Hallen, da bekommt man niemals 900 Boote bis Ende April zu Wasser. Das ist nicht zu schaffen. Der erste Stichtag ist immer Ostern. Anfang März haben wir angefangen zu kranen.

Gibt es noch freie Liegeplätze bei euch?

Wir sind für dieses Jahr ausgebucht und nur ganz eventuell wird mal einer frei.

Marina Ultramarin
Marina Ultramarin in Kressbronn am Bodensee © Ultramarin

Baden-Württemberg

Wir haben bei der Marina Ultramarin in Kressbronn nachgefragt und mit Patricia Reuthe gesprochen. Als eine der größten Marinas in Deutschland bietet der riesige Yachthafen direkt am Bodensee neben Liegeplätzen auch Full-Service, Bootshandel mit einer – normalerweise – regelmäßig laufenden Boat Show und Werkstätten. Auch das Bootsprojekt Bente hat hier seine neue Heimat gefunden.

Frau Reuthe, was darf man denn am Bodensee über Ostern machen?

Patricia Reuthe: Aktuell darf man auf den See, man darf Motorbootfahren und Segeln. Natürlich gelten an Bord auch die aktuellen Regeln bezüglich der Haushalte und Personenzahlen.

Darf man auf dem Bodensee auch in anderen Häfen anlegen?

Wir haben die Info vom Landratsamt, dass man sich vorab informieren muss, wenn man in andere Häfen fahren will. Die Häfen entscheiden dann, ob sie Gäste annehmen. Die Sanitärräume sind in allen Häfen geschlossen.

Wie viele Boote sind denn in ihrer Marina schon im Wasser?

Als größte Binnen-Marina haben 1.500 Boote in unserem Hafen Platz. Wir hatten über den Winter etwa 500 Boote, die im Wasser geblieben sind, und haben jetzt schon 250 weitere Boote eingewassert.

Gibt es weitere Einschränkungen im Hafen?

Wir achten darauf, dass am Kran Maske getragen wird. Vor Corona durften die Eigner beim Maststellen mithelfen, momentan macht das entweder der Eigner selbstständig oder wir übernehmen das für ihn, um Kontakte zu vermeiden. Wir vergeben jetzt auch Krantermine, damit sich nicht so viel Menschen am Kranplatz versammeln. Man kommt direkt zu seinem Termin und geht auch danach direkt wieder. Auch auf den Stegen haben wir vorgesorgt. Wir haben an jedem Steg Ausleger, so dass man sich auch hier mit entsprechendem Abstand begegnen kann.

Gibt es zeitliche Verschiebungen durch Corona?

Nein. Aktuell dürfen wir ganz normal kranen und liegen gut in der Zeit.

Gibt es bei Ihnen in der Marina noch freie Liegeplätze?

Ja, seit letztem Jahr haben wir viel mehr Anfragen bekommen. Aber wir haben hier am Bodensee ja sowieso eine sehr enge Liegeplatz-Situation. Das hat Corona nun noch verstärkt.

Wie war denn die wirtschaftliche Situation im letzten Jahr für Ihre Marina?

Dadurch, dass wir nicht nur eine Marina sind, sondern auch ein Fachmarkt, der ja immer wieder geschlossen war, hat sich nicht alles zum Positiven entwickelt. Auch wenn der Verkauf der Boote sehr gut lief, hatten wir in diesem Bereich Einbußen. Wir dürfen zwar jetzt Terminshopping anbieten, aber die Kundschaft ist eher verhalten und kommt nur, wenn sie konkret etwas braucht.

Was empfehlen Sie Ihren Kunden jetzt zum Saisonstart?

Wir  freuen uns sehr, wenn die Saison jetzt wieder beginnt. Das Wichtigste ist, dass sich alle an die Regeln halten.

Marina Havelauen
Die Marina Havelauen in Werder am Großen Zernsee © Kerstin Zillmer

Brandenburg

In Werder sprachen wir bei der Marina Havelauen mit Catina Burchardi. Direkt in den Potsdamer Gewässern gelegen, ist die Marina am Großen Zernsee mit ihrer weitläufigen Promenade eine der großen Hafenanlagen in der Region Berlin-Brandenburg. Immer Ende August ist die malerisch gelegene Marina Veranstaltungsort für die Boot & Fun Inwater, einer der großen deutschen Binnen-Bootsmessen auf dem Wasser.

Frau Burchardi, wie ist die Situation in Werder vor Ostern?

Catina Burchardi: Wir sind seit dem 22. März fleißig dabei die Boote zu kranen und haben mit 50 Booten schon etwa ein Viertel der Boote im Winterlager im Wasser. Der größte Teil davon liegt auch fest bei uns im Hafen. Wir arbeiten ohne Kundenkontakt. Auch die Abholung der Boote läuft kontaktlos. Falls wir doch näher in Kontakt treten müssen, haben wir Schnelltests zur Verfügung.

Wie ist denn die Stimmung bei den Eignern?

Zu Beginn des Jahres waren die Kunden noch ein bisschen verhalten, aber jetzt, wo die Sonne schon warm scheint, blüht auch die Stimmung auf. Unsere Kunden sind sehr diszipliniert. Die Eigner dürfen mit Termin und Abstand auch zu ihren Booten und nach dem Rechten schauen. Wer lieber zu Hause bleibt, kann sich per Video beraten lassen.

Wir informieren die Kunden per mail, wenn ihr Boot eingekrant ist und im Liegeplatz liegt, und dann kann der Eigner kommen und losfahren. Wir machen das als Fullservice-Angebot. Die sanitären Einrichtungen sind geschlossen. Die Eigner parken ihr Auto auf dem Hof und gehen direkt an Bord ihres Schiffes.

Was darf man in Brandenburg denn über Ostern tun?

Man darf zu seinem Boot und darf damit auch rausfahren. Touristisches Übernachten in anderen Häfen ist in Brandenburg nicht gestattet. Die Kunden können Tagestouren machen und abends zurückkommen oder vor Anker liegen. Gastlieger können wir nicht empfangen. Wenn am 15. April die Saison beginnt, ist auch unser Hafenmeister da.

Was sagen Sie zum Saisonstart dieses Jahr?

Wir freuen uns natürlich sehr auf die Saison. Ich wünsche allen, dass es eine schöne Saison wird mit guten Stunden auf dem Wasser. Dass sie Spaß haben und wieder lachen. Denn Bootfahren mach glücklich, gerade jetzt.

Marina Kröslin
Marina Kröslin am Peenestrom nahe der Ostsee © Baltic Sea Resort

Mecklenburg-Vorpommern

In der Marina Kröslin sprachen wir mit Falk Morgenstern. Der Hafen gehört zu den größeren im Peenestrom – mit Familienduschen an jedem Steg, mehreren Restaurants direkt am Hafen sowie Fahrrad-, SUP- und Kajakverleih. Und der Wasserweg zur Ostsee ist ganz nah. Die schwimmenden Häuser, die ebenfalls zur Anlage gehören, waren im letzten Jahr nach dem Lockdown rasch wieder nutzbar – und gleich für den Rest der Saison ausgebucht. „Die gehen immer“, sagt Morgenstern und lacht.

Herr Morgenstern, darf ich über Ostern zu Ihnen nach Kröslin in die Marina kommen ?

Falk Morgenstern: Als Tagesgast nicht. Wenn Sie ein Schiff bei uns liegen haben und Ihr Vertrag älter als sechs Monate ist, dann dürfen Sie als Eignerin kommen und auch auf Ihrem Schiff schlafen. Tagestouristen dürfen das nicht – und Chartern ist natürlich auch nicht erlaubt.

Darf ich in einen anderen Hafen fahren?

Nein, das ist noch nicht erlaubt, weil Sie dann eine Tagestouristin sind. Wir warten noch auf eine Klarstellung vom Ministerium. Aber derzeit ist es so, dass Sie nur kommen können, wenn Sie ein Schiff mit langem Liegeplatzvertrag haben.

Haben Sie schon viele Boote im Wasser?

Wir sind schon gut vorangekommen. Aber auch die Eigner sind erst mal vorsichtig und viele sind noch nicht hochgekommen. Da viele Eigner dabei sein wollen, wenn das Boot ins Wasser kommt, geht es etwas langsamer vonstatten als in anderen Jahren.

Wie viele Liegeplätze haben Sie in der Marina Kröslin?

Wir haben 500 Plätze, 400 sind für Dauerlieger, die restlichen Plätze halten wir für Gastlieger und Tagesgäste frei. Davon kommen ja im Sommer recht viele. Außerdem haben wir noch 22 Floating-Häuser, die liegen ja auch noch im Hafen.

Und wie viele Tagesgäste können Sie empfangen?

Wenn es optimal läuft, so um die 100 Boote. Dazu zählen auch kleine Boote dazu zwischen 5 bis 6 Metern. Für die großen Boote sind es etwa 50 Plätze. In Hochzeiten gibt es eine hohe Fluktuation, da kommen um die 70 Boote rein.

Der Tagestourismus ist in unserem Hafen nicht das Kerngeschäft. Wir sind eine große Marina mit allen möglichen Dienstleistungen, aber für die kleinen Häfen, für die Naturhäfen, die leben vom Tagestourismus und für die ist es katastrophal, wenn das nicht möglich ist.

Können die vielen neuen Bootseigner, die sich 2020 ein Boot gekauft haben, einen Liegeplatz bei Ihnen bekommen?

Wir sind voll und komplett ausgelastet. Es gab einen Run auf Boote, selbst wir haben nichts mehr zur Verfügung. Im Umkehrschluss sind alle Liegeplätze belegt. Wir haben nur einen frei, wenn ein Kunde kurzfristig absagt. Dann muss das Schiff von der Größe her zum Platz passen. Wir stocken gerade auf, um vielleicht noch ein paar Mooringplätze anzubieten. Aber grundsätzlich sind an der Küste fast alle Häfen ausgelastet, also voll.

Als Vorstand des Hafenverbunds MNA kennen Sie die Situation in den Häfen besonders genau. Wie schätzen Sie die Saison ein?

Wir hoffen natürlich, dass es wieder so gut werden wird wie im letzten Jahr. Da hat der Sommer doch noch einiges rausgeholt. Es war ein Ende mit einem blauen Auge, weil die Touristen in Deutschland geblieben sind und es viele Bootskäufe gab.

Marina Kröslin
Die privaten Pfahlhäuser in der Marina Kröslin werden vermietet, sobald Tourismus wieder erlaubt ist © Baltic Sea Resort

Und gibt es denn noch ein Plätzchen, wenn ich als Tagestourist zu Ihnen in den Hafen komme?

Die Tagestouristen sollten sicher noch ganz gut Platz finden. Man sollte allerdings nicht mehr auf blauen Dunst einen Hafen anfahren. Das Problem ist auch, dass die Regelungen von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich sind. Das macht es für unsere Gäste schwieriger, ihre Reisestopps zu koordinieren. Aber die Saison beginnt ja erst Ende April. Hoffen wir, dass sich die Situation bis dahin noch bessert.

Alles im Fluss

Noch ist Tourismus bundesweit nicht erlaubt. Boots-Charter, Hafenbummeln und Wochentouren fallen damit flach. Wer ein eigenes Boot besitzt, kann zu Ostern zumindest zu einem Kurztörn aufbrechen. Wir drücken die Daumen, dass die Corona-Infektionszahlen sinken und viele Menschen bald geimpft sind, damit die Saison spätestens im Mai wirklich beginnen kann.

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