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Zyklon Wetterwelt Wo der Zyklon tobt © Wetterwelt
Wetterwache

Zyklonenzeit im Ozean

Idai, Savannah, Veronica, Trevor – unschuldige Namen für zerstörerische Zyklone, die zurzeit den Indischen Ozean heimsuchen.

von
Sebastian Wache
in
4 Minuten

Idai, Savannah, Veronica, Trevor heißen die Zyklone, die aktuell durch die Medien geistern und für viel Zerstörung und Leid verantwortlich sind. Diese tropischen Stürme und Zyklone haben sich aktuell im Indischen Ozean bei Afrika und bei Australien gebildet – und sie treffen dort zum Teil auf Land. Allerdings ist das keine Überraschung. Gerade jetzt sind Zyklone hochaktiv, denn es ist Spätsommer beim Übergang in den Herbst – auf der Südhalbkugel!

Während wir in Deutschland auf 20 Grad Celsius nach dem Frühlingsanfang hoffen und die Winterstürme in der Ostsee gerade hinter uns haben, geht es am anderen Seite des Globus bereits Richtung Herbst und Winterzeit. So endet auch die Zeit, in der sich Landmasse und vor allem das Wasser der Meere weiter aufheizen. Meist haben sie ihr Maximum schon erreicht. Das bedeutet, dass Wassermassen nahe dem Äquator bis fast 30 Grad Celsius warm sind und so viel Energie gespeichert haben.

Tiefs wie ein Staubsauger

Gleichzeitig ist das Wasser so warm, dass es verdunsten kann. Warme und feuchte Luftmassen dehnen sich aus. Sie steigen aufgrund ihrer geringen Dichte nach oben. Dadurch bildet sich ein Tief am Boden, das wiederum die Umgebungsluft nachsaugt. Ähnlich wie bei einem Staubsauger wird durch die Sogwirkung Wind erzeugt, der in das Zentrum hinein weht.

Dabei sorgt die Corioliskraft (ausgelöst durch die Rotation der Erde) für eine Bewegung um das Tief herum–  und nicht direkt in das Zentrum hinein. Auf der Südhalbkugel weht daher der Wind im Uhrzeigersinn um das Tief. Wie bei einer Korkenzieherbahn wird die Luft um den Kern herum in die Höhe getrieben.

Gut sichtbar ist das anhand der massiven Wolkenwände um das Auge des Sturms. Da bei der Bildung von Gewitterwolken weitere Wärme freigesetzt wird, ist Überschusswärme vorhanden, die wiederum die Luft weiter nach oben schießen lässt. Das bedeutet, dass von unten weitere Luft nachgeführt werden muss.

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Garstiges Paar: die Zyklone Veronika und Trevor © Wetterwelt

Zyklon startet Kettenreaktion

Wie bei einer Kettenreaktion zieht der Zyklon weitere Energie aus den Luftmassen, solange die Energie von unten weiter nachgefüttert werden kann. Dazu müssen die Wassermassen weiter warm genug bleiben, und die Bodenreibung muss gering sein. Das bedeutet: Wirbelstürme dieser Art verlieren erst über kaltem Wasser oder über Landmasse ihre Energie, wobei sie sich abschwächen und im weiteren Verlauf auflösen.

Meist sind es Inseln oder die Küstenregionen, die am stärksten davon betroffen sind. Denn hier trifft der Wirbelsturm mit voller Kraft drauf. Erst mit der Berührung von Land beginnt er, langsam mit seiner Kraft nachzulassen. Da Wirbelstürme sehr mächtige Tiefs sind, die einen sehr geringen Kerndruck haben, brauchen sie entsprechend lange, bis sie sich aufgelöst haben.

Saffir-Simpson-Skala beginnt, wo Beaufort endet

Daher kann ein Wirbelsturm nach dem Auftreffen auf die Küstenregionen mitunter noch länger im Landesinneren wüten. Die hohen Windstärken und enormen Wassermassen, die als Starkregen herunterkommen, sind dabei die größte Gefahr. Keine Landmasse der Erde kann in kurzer Zeit so viel Wasser aufnehmen oder ableiten – Überschwemmungen sind vorprogrammiert.

Zerstörungen durch Wind gehen der Flut in der Regel voraus. Da hier die Beaufort-Skala nicht mehr greift, kommt die Saffir-Simpson-Skala ins Spiel. Sie beginnt, wo Beaufort aufhört. Sie ist je nach Windgeschwindigkeit in fünf Kategorien eingeteilt.

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Eine Kette von Zyklonen © Wetterwelt

Idai, der auf Mosambik getroffen ist, hatte nach Saffir-Simpson „nur“ eine Kategorie zwischen 2 und 3. Menschen und Bauten vor Ort sind aber nicht auf Windgeschwindigkeiten bis 175 km/h vorbereitet. Die Wassermassen, die mit Idai ins Land gebracht wurden, sind der zweite tödliche Faktor.

Auch Australien ist derzeit betroffen, und zwar zweifach. Die Stürme Veronica und Trevor treffen zeitgleich im Norden und Nordwesten auf Australiens Küste. Und sie werden sich, schwächer werdend, ins Landesinnere bewegen.

Warnung an Blauwassersegler

Der Sturm Savannah ist dagegen fast als harmlos anzusehen. Denn als tropischer Sturm – der Vorstufe zum Zyklon – befindet dieses Wettergebiet sich nur über Wasser – und wird dort auch bleiben. Dennoch ist die Gefahr für die Region nicht gebannt. Die Sturmsaison ist erst zum Mai hin zu Ende. Deshalb sollten sich Blauwasser-Segler unbedingt informieren, wo sie in südlichen Hemisphäre derzeit am sichersten segeln.

Wettermodelle sind hierfür ein guter und wichtiger Baustein. Doch wir erleben bei jedem Zyklon immer wieder, wie auch die besten Modelle sich von Tag zu Tag bei der Prognose ändern. Wirbelstürme lassen sich durch die Modelle, was Intensität und Zugbahn betrifft, noch nicht sehr gut berechnen. Daher ist für Segler die tägliche Neubewertung der Lage zwingend notwendig.

Dennoch sind GRIB-Daten für jeden Segler ein Muss zur Beurteilung der Lage. Text-Nachrichten über NAVTEX oder gar SMS-Wetter sind heutzutage keine optimalen Lösungen mehr. Die beste Lösung bei  Wirbelsturm-Gefahr ist die Bewertung durch maritimen Meteorologen. Gerade bei der Atlantic Anniversary Regatta 2018 haben wir erfolgreich Yachten über die Gefahr eines herannahenden Wirbelsturms informieren und sie routen können.

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Dieser Zyklon trägt noch keinen Namen © Wetterwelt

Hurrikane, Taifune und Willy-Willies

Übrigens: Was für Zyklone gilt, hat auch für Hurrikane und Taifune Bestand. Denn sie sind in Ihrer Entstehung die gleichen Phänomene wie Zyklone. Je nach Region werden sie schlicht anders genannt. Im Atlantik und im amerikanischen pazifischen Raum (bis 180° W) heißen sie Hurrikan. Ab 180° E und im asiatischen Raum sind es Taifune. Im Indischen Ozean wie auch in Australien sind es Zyklone, wobei sie hier auch Willy-Willies genannt werden.

Wer nicht jeden Tag mit Wetterdaten bzw. GRIB-Daten arbeitet wie ich und so das weltweite Wetter im Blick hat, kann immer mal auf cyclocane.com schauen. Dort sind alle weltweiten Wirbelsturmentwicklungen tagesaktuell in einer Karte zu sehen.

Wer für die Zyklon-Opfer in Afrika unterstützen möchte, findet beim Bündnis Entwicklung Hilft und Aktion Deutschland Hilft mit folgendem gemeinsamen Konto die richtige Adresse zum Spenden.

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