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DGzRS, Werde Seenotretter für einen Tag © DGzRS
Sicherheit

Halbzeit beim Wettbewerb

Werde Seenotretter für einen Tag

Thomas Stasch
von in
4 Minuten

Bald ist Halbzeit: Noch bis zum 8. August können Frauen und Männer beim Online-Wettbewerb „Werde Seenotretter für einen Tag“ teilnehmen. Zurzeit gibt es rund 140 Bewerber. Wer einen der vorderen Plätze belegen will, sollte  bis dahin ordentlich die Werbetrommel für sich rühren. Das bedeutet: Für dieses einmalige Erlebnis stehen die Chancen auf einen Gewinn deutlich besser als beim Lotto-Jackpot.

Wer einmal in seinem Leben in Laboe auf dem Seenotrettungskreuzer BERLIN Mitglied der Crew werden will – und vielleicht sogar einen Einsatz mitfahren –  hat jetzt die Chance. Es ist das dritte Mal, dass die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) den Online-Wettbewerb ausrichtet. 2015 und 2016 haben jeweils zwei Männer gewonnen und im Moment sieht wieder so aus –  die bestplatzierte Frau  belegt zurzeit Platz 13. Von daher: „Mädels bewerbt Euch und stimmt ab!“

Für einen Tag dabei

Die Seenotretter werden gebraucht. Allein 2016 waren die Besatzungen der Schiffe und Boote 2.019-mal im Einsatz. Dabei haben die Crews 677 Menschen aus Seenot gerettet oder aus drohender Gefahr befreit. Und nach wie vor wird die gesamte Arbeit der DGzRS allein aus Spenden finanziert.

Im Jahr 2016 durfte Lukas Brand aus Iserlohn miterleben, wie es sich anfühlt, Mitglied in der großen Familie der aktiven Seenotretter zu sein. Und im Jahr davor hatte ich das große Glück, dass sich der Traum, nach guter Vorbereitung für einen Einsatztag an Bord zu gehen, für mich erfüllt hat.

Hartes Training vorab

Den Gewinner respektive die Gewinnerin der heute gestarteten Aktion für 2017 erwartet am 26. August ein Überlebenstraining auf See, wie es auch die Rettungsleute der Rettungsgesellschaft absolvieren. Bei OffTEC in Enge-Sande wird man buchstäblich ins kalte Wasser geworfen, und zwar aus mindestens fünf Metern Höhe! Im Überlebensanzug gilt es dann, zusammen mit anderen Seenotrettern Formationen im Wasser zu bilden, sich so fortzubewegen und das gemeinsame Überleben zu trainieren.

Dazu zählen das sichere Hineinkommen ins Wasser, Umdrehen und Besteigen einer Rettungsinsel und schließlich auch das sichere Verlassen einer Rettungsinsel. Damit die Übungssituation der Realität auf See möglichst nahe kommt, geschieht das Training unter erschwerten Bedingungen. Dafür können im Trainingszentrum verschiedene Wellenformationen und Wellenhöhen von über zwei Metern erzeugt werden, ergänzt durch künstlichen Sturm und erschwerte Sichtbedingungen. Zeitweilig wird man vergessen, dass man in einer Übungssituation ist. Wasserschlucken ist dabei garantiert!

Nach mehreren Stunden im Wasser bekommt man ein Gespür dafür, was es bedeutet, in Seenot zu sein. Und was es heißt, in Not geratenen Menschen zu helfen. Seenotretter arbeiten immer im Team und lernen, sich aufeinander zu verlassen.

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float-Autor Thomas Stasch (rechts) als Seenotretter © DGzRS

Willkommen an Bord

Im Anschluss an das Überlebenstraining geht es nach Laboe, zum Liegeplatz der in diesem Jahr in Dienst gestellten neuen Seenotrettungskreuzers „Berlin“, ein Schiff der 28-Meter-Klasse, das rund um die Uhr mit fest angestellten Seenotrettern besetzt ist. Die Besatzung lebt und arbeitet auf dem Schiff. Für die Gewinnerin oder den Gewinner bedeutet dies, auf dem Seenotrettungskreuzer zu übernachten. Was in Laboe auf dem Programm steht, ist nicht genau vorhersehbar, denn jederzeit kann es einen Einsatz geben. Laboe ist eine der einsatzreichsten Stationen der deutschen Seenotretter. Das Einsatzgebiet ist die viel befahrene Kieler Förde.

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Die Berlin im Hafen © Thomas Stasch

Der Seenotretter für einen Tag (oder sein weibliches Pendant) wird Schiff und Crew kennenlernen und den Tagesablauf vor Ort miterleben. Der normale Bordalltag bestimmt das Tagesprogramm. Ich durfte beispielsweise direkt einen Einsatz miterleben, als ich noch keine drei Minuten an Bord war. Es galt einer Segelyacht zu helfen, die mit Motorausfall jenseits von Kiel Leuchtturm auf Hilfe angewiesen war.
Am Abend darauf endet der Bordaufenthalt, und es geht wieder zurück ins eigene Leben. Was bleibt, ist die Erkenntnis, was an Bord geleistet wird.

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© Thomas Stasch

Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass mein Respekt für die Arbeit der Seenotretter in diesen, sehr langen 24 Stunden noch einmal deutlich größer wurde. Wir können stolz darauf sein, dass es seit 152 Jahren in Deutschland organisierte Seenotrettung als gemeinnützige Organisation gibt – mit Frauen und Männern, die rausfahren, um zu helfen, wenn andere reinkommen.

Die Aktion

Was muss man machen, um Seenotretter(in) für einen Tag zu werden? Zunächst gilt es, sich auf der Website Werde Seenotretter zu bewerben. Dafür braucht man einen guten Spruch und ein Foto von sich, um Stimmen zu sammeln. In 2015 und 2016 haben über 1.100 Frauen und Männer als Bewerber an der Aktion teilgenommen.

Es gilt, möglichst viele Unterstützer im Netz zu bekommen. „Wie schafft man das?“. Diese Frage hatte ich mir damals auch gestellt. Mein Tipp: Mobilisiert alle Leute, die ihr kennt. Erzählt über die Aktion. Probiert kreative Wege. Nutzt soziale Netzwerke und auch klassische Kanäle. Macht auf euch und die Aktion aufmerksam. Der Gewinner wird unter den zehn Bewerberinnen und Bewerbern mit den höchsten Stimmen gezogen.

Was man mitbringen sollte

Außer vielen Stimmen beim Internet-Voting und einem Quentchen Glück bei der Auslosung braucht man gesundheitliche Fitness. Für das Trainings- und Einsatz-Wochenende ist vorab ein ärztliches Attest notwendig. Teamgeist und Spirit sind gefragt – und natürlich freie Zeit am Wochenende des 26. und 27. Augusts 2017. Die Details der Bewerbungsbedingungen sind auf der Aktions-Website nachzulesen. Nun ist es an euch. Eine oder einer von euch hat diesen Sommer die Gelegenheit, für einen Tag Teil des Seenotretter-Teams zu sein und das mitzumachen, was Lukas Brand und ich zuvor erleben durften.

Werde Seenotretter für einen Tag – Aufruf 2017

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